September 26

Fünf-Neuland

Der Bericht zum Stand der Deutschen Einheit 2016 ist raus. Das es in den fünf neuen Bundesländern schlechter läuft, als in den alten, ist nun keine Neuigkeit. Die interessante Frage ist, woran es liegt und wie dieses Problem lösbar ist. Eine Sache habe ich nicht ganz verstanden:

Als wichtiges Hemmnis für ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum identifiziert der Bericht die Kleinteiligkeit der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland. Das Fehlen von großen Unternehmen und Konzernzentralen und einer daraus resultierenden vergleichsweise geringen Innovationskraft sind wesentliche Ursachen für den stockenden Aufholprozess. „Eine weitere Stärkung der Wirtschaftskraft, insbesondere durch Unterstützung der kleinen und mittleren Unternehmen, ist unerlässlich.“, so Gleicke.

Wenn es an großen Unternehmen und Konzernzentralen wirklich fehlt – warum sollen dann kleine und mittlere Unternehmen verstärkt gefördert werden? Mal abgesehen davon das ich diese Aussage gerne tiefer belegt hätte – meine These ist, dass KMU für den Großteil der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist – widerspricht sich die Aussage von Gleicke meines Erachtens in sich.

Das sich die neuen Bundesländer auf fast EU-Durchschnittsniveau befinden, lässt ja auch tief blicken.. A propas neue Bundesländer / Ostdeutschland – was sagt man denn jetzt besser. Ostdeutschland ist für mich negativ konnotiert, aber „neu“ sind diese Länder auch nicht mehr wirklich.

Der aus meiner Sicht wichtigste Teil aber steht hier:

Iris Gleicke: „Der Rechtsextremismus in all seinen Spielarten stellt eine sehr ernste Bedrohung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder dar. Ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung, der Länder, der Kommunen und der Zivilgesellschaft ist notwendig, um den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland zu sichern. Die große Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich oder rechtsextrem. Aber ich würde mir schon wünschen, dass diese Mehrheit noch lauter und deutlicher Stellung bezieht. Wir Ostdeutschen haben es selbst in der Hand, ob wir unsere Gesellschaft, unsere Städte und unsere Dörfer beschützen oder ob wir sie dem braunen Spuk überlassen. Die Gesellschaft darf nicht wegschauen, wenn Menschen angegriffen oder Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden. Es steht für Ostdeutschland viel auf dem Spiel.“

Bayern scheint dieses Problem nicht zu schaden. Und falls doch ist es unter der Wahrnehmungsgrenze.

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September 25

Schwierig

Die epd berichtet jetzt von dem Fall eines Bielefelder Gastronoms, der einer Frau mit Niqab den Zutritt verwehrte. Er mutmaßte eine fundamentalistische, salafistische Einstellung. Da er zeitgleich eine Großveranstaltung am Laufen hatte, war ihm dabei unwohl.

Okay, jetzt horche mal kurz in Dich hinein, wie dazu Deine innerliche Reaktion ist.

Die Geschichte geht aber weiter. Nach Aussagen des Gastwirtes dulde er in seiner Lokalität keine Extremisten und er habe auch schon mit Menschen mit „Thor Steinar“-Klamotten auf die Straße gesetzt. Draußen könne er gegen diese Personen nichts machen, aber in seinen Räumen mache der da vom Hausrecht Gebrauch.

Nochmal kurz in Dich gehen… na, wie geht es Dir dabei?

Schwierig, nicht wahr? Bei einem sind schnell dabei, richtig zu sagen, beim anderen nicht. Unabhängig davon, dass das Hausrecht ein Besitz- bzw. Eigentumsrecht ist, dass heißt, ich darf nach Belieben andere von der Benutzung ausschließen – grundsätzlich jedenfalls. Ich muss keinen in meiner Wohnung dulden, der eine zu große Nase hat.

Aus meiner Sicht ein schönes Dilemma.

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September 24

Wir schaffen das

„Wir schaffen das“ sei, so las ich gerade, ein wegweisender Satz von Angela Merkel gelesen. Ich frage mich inzwischen, was denn die Alternative gewesen wäre. Dies meine ich nicht als Kritik an der Kanzlerin, sondern in Richtung ihrer Kritiker gerichtet. Hätte sie sagen sollen „Wir werden mit wehenden Fahnen untergehen?“ oder „Hilfe, ich weiß auch nicht was wir tun sollen?“ oder wie andere Politiker überlegen sollen, Waffengewalt an den Grenzen einzusetzen?

Wenn Deutschland wirklich eine große und starke Nation ist, dann ist doch quasi nur ein Satz möglich – „Wir schaffen das!“.

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September 23

Miete

Die Staatsleistungen an die Kirchen sind ja immer wieder in Diskussion. Insgesamt zahlen alle Bundesländer an alle Bistümer pro Jahr 500 Millionen. Dies sind Entschädigung für einstige Enteignungen. Da das alles schon länger zurück liegt, liegt die Frage nicht fern, warum dafür noch Zahlungen erfolgen. Dazu habe ich jetzt bei der KNA etwas schönes gelesen:

Nach Hörstings Worten können die Bundesländer „nicht nur die Vorteile der damaligen Verstaatlichung ziehen“, sondern müssten „auch die Nachteile in Form der Staatsdotationen tragen“. Einen freiwilligen Verzicht der Kirche auf Staatsleistungen lehnt Hörsting ab und zog einen Vergleich. Langjährige Mieter hätten irgendwann so viel Miete an den Vermieter gezahlt, dass sie die Wohnung auch hätten kaufen können. „Dennoch wird niemand auf die Idee kommen, den Eigentümer aufzufordern, die Wohnung kostenlos auf den Mieter zu übertragen“, so Hörsting.

Ulrich Hörsting ist der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Generalvikariat des Bistum Münster. In NRW betreffen die Staatsleistungen 0,5% des Etats.

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September 22

Portale

Portale sind nützlich, auch wenn es inzwischen ein offenes Geheimnis sein dürfte, dass die gleiche beide Seiten – Anbieter und Kunden – über den Tisch ziehen. Insofern ist dieser Artikel nicht wirklich neu, aber trotzdem erhellend zu lesen.

Wie könnte eine Lösung aussehen? Aus meiner Sicht gibt es nur eine: Die Konkurrenten setzen sich zusammen, um einen fairen Wettbewerb führen zu können. Eine solches Portal könnte auch von einem Verein oder einer Genossenschaft veranstaltet werden, deren „Inhaber“ die Konkurrenzunternehmen sind. Win-win – die Provisionen für die Unternehmer sinken und die Kunden wissen, dass sie bei der Platzierung nicht beschissen werden.

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September 22

Sack

Kennt Ihr dieses Bild mit dem Sack, in dem man alle reinsteckt, um dann … Na, jedenfalls ging mir das durch den Kopf, als ich das hier las.

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September 21

Deutschpflicht

Ich habe vor kurzem eine Tour mit den Ghettostrebern gemacht. Das kann ich nur weiterempfehlen. Dort sagte ein junger, ursprünglich aus dem Kosovo stammender junger Mann, dass er ditib für kein Problem halte, was eine mögliche Radikalisierung angehen. Dort kommen für fünf Jahre Imane aus der Türkei ohne Deutschkenntnisse her und gehen meist ohne erheblich bessere Kenntnisse wieder zurück. Damit sind alle muslimischen Nicht-Türken von den Predigten und einer Einflussnahme ausgeschlossen. Auch viele türkischstämmige Jugendliche sprächen dafür zu schlecht Türkisch. Dagegen trumpfen die Salafisten dadurch auf, dass sie perfekt deutsch können. Im Gegensatz zu einem Iman aus der fernen Türkei können die Salafisten die Sorgen und Nöten der Jugendlichen hier nachempfinden.

Gerade lese ich – mit dieser Ansicht ist der Mann nicht alleine.

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September 20

Tabu

Die Frage kommt ja immer wieder – gibt es noch Tabuthemen? Ja, eines dieser Themen ist Suizid.

Bei den 15- bis unter 25-Jährigen ist Suizid nach wie vor die häufigste Todesursache: Im Jahr 2011 starben 21,4 Prozent der verstorbenen männlichen Personen und 15,0 Prozent der verstorbenen weiblichen Personen dieser Altersgruppe durch Selbsttötung.

So sagt es die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit absoluter Selbstverständlichkeit gibt es in den Schulen Verkehrsunterricht, reden wir hier auch über die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Warum es noch keine verpflichtende Suizidprävention an den Schulen gibt, ist für mich unverständlichst.

Ich habe näher damit in Vorbereitung auf eine Jugendfahrt damit beschäftigt, bei der ich das unter anderem zum Thema machte. Es gibt faszinierende Studien, welchen deutlich messbaren Erfolg die Präventionsarbeit hat.

 

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September 19

Gibt’s nich‘, gibt’s doch

Es gibt Sachen, die gibt es nicht und es gibt sie trotzdem:

Man stelle sich vor, ein Priester sagt, er glaube weder an Gott, noch an Jesus oder den Heiligen Geist. Nicht einmal an ein übersinnliches Wesen irgendwie. Er sei ein klarer Atheist. Okay, kann man sein, ist halt irgendwie ungünstig.  Vor allem mit dem Job.

So ging es auch einer Pastorin der Vereinigten Kirche von Canada. Diese erklärte bereits 2001, dass sie an keine Person der Trinität glaube, auch nicht an ein göttliches Wesen oder ähnliches. 2013 erklärte sie dann, Atheistin zu sein. Es dürfte nicht verwundern, dass in ihrer Gemeinde keine Bibeln verwendet werden.

Dann tritt die Kirche zusammen und überlegt (!) ob diese Pastorin aus dem Dienst entlassen werden müsste. Ergebnis:

“In our opinion, she is not suitable to continue in ordained ministry because she does not believe in God, Jesus Christ or the Holy Spirit,” the church’s Toronto Conference Review Committee concluded in a 39-page report released Wednesday.

Trommelwirbel und jetzt kommt es – wie verläuft die Abstimmung?

“After prayer and much discussion,” the 23-person committee voted 19 to 4 in favour of a motion that found Vosper “unsuitable to continue serving.

Vier Leuten hätten das Dienstverhältnis fortgeführt. Klar, zum Sprecher der Metzger würde ich auch einen Veganer wählen.

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