Februar 24

Top 5

Typischerweise hat man das ja zum Jahresanfang bzw. -ende – Liste der besten, schlechtesten, überhaupt. Dieser Artikel kam auch Ende letzten Jahres heraus, aber ich habe diese Perle erst jetzt gefunden: Top 5 ‚heresies‘ of 2016: ‚One God,‘ biblical authority and more (die Top 5 der Widersprüche zur kirchlichen Glaubenslehre in 2016: Ein Gott, die Autorität der Bibel und mehr). Lesenswert. Vielleicht mal was für die Jugendarbeit. Oder einen Stammtisch.

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Februar 23

Dienstpflicht einführen, Wehrpflicht abschaffen

Die Wehrpflicht nach Art. 12a Abs. 1 GG ist nicht abgeschafft, sondern lediglich ausgesetzt. Dies war einfachgesetzlich möglich, da das Grundgesetz „nur“ sagt, dass Männer zum Wehrdienst herangezogen werden können, aber nicht müssen. Ich fand den Zustand schon zu meiner Wehrdienstzeit verfassungswidrig, da die Verweigerung nicht ernsthaft mehr geprüft wurde. Ein Klassenkamerad behauptete damals in seiner Verweigerung, dass er Katholik sei und deshalb aus religiösen Gründen verweigere. Auf meine Nachfrage hin sagte er, er habe das so aus einer Vorlage abgeschrieben. Er sei weder jemals getauft noch sonst irgendeinen Kontakt zur Kirche gehabt. Nichts wäre leichter nachzuprüfen gewesen, ob er Kirchenmitglied ist. Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe mir damals schon gewünscht, dass man einfach ein Kreuz setzt, was man machen möchte. Mein Problem ist, dass die Verfassung so nicht gelebt wurde. Man hätte sie ändern sollen. Ich war wahrlich nicht freiwillig bei der Bundeswehr. Anders ausgedrückt – ohne Wehrpflicht wäre ich da nie hingegangen. Als ich da war, dachte ich mir, dass könnte ich mir zumindest etwas länger vorstellen. Mein Vater ist so seinerzeit beim Bundesgrenzschutz gelandet und geblieben (damals eine möglich Alternative zur Bundeswehr). Ebenso habe ich bei der Bundeswehr einige Offiziere kennengelernt, die so „hängen“ geblieben sind. Das hat der Bundeswehr Menschen und nicht nur Leute beschert. Zwar mag das Berufsheer professioneller sein. Aber vielleicht will ich das nicht gar nicht. Und einem Staat im Staate wirkt man so auch besser vor.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ging die Abschaffung des Zivildienstes einher. Ich hätte mir nicht denken können, dass es im Nachgang so viele im Freiwilligendienst gab und gibt. Das zeigt ja, dass es bei vielen jungen Menschen ein Bedürfnis dafür gibt. Was mich sehr freut und wofür ich dankbar bin.

Wie komme ich jetzt darauf? Weil sich jemand in der Zeit für eine Dienstpflicht ausspricht. Meine Motivation dafür ist eine andere und ich finde ein Jahr reicht. Ich würde auch um die Attraktivität der Bundeswehr zu fördern eine Dienstpflicht von zehn Monaten beim Heer und zwölf Monaten bei sonstigen Organisationen einführen. Aber für Männlein wie Weiblein, nach Wahl wo man hin möchte. Nachdem man von der Schulbildung von der Gesellschaft partizipiert hat, gibt man ein Jahr der Gesellschaft zurück. Ich wähnte das Thema beerdigt und freue mich, dass es jetzt in der Zeit nochmal aufgegriffen wurde.

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Februar 22

Sternberg im Zölibat

ZdK-Präsident Thomas Sternberg hält das Thema Zölibat am Kochen. Ich durfte Herrn Sternberg einmal kennen lernen und bin sehr angetan von ihm. Aber in diesem Punkt möchte ich dagegenhalten.

Aus meiner Sicht ist die Frage, ob der Diözesan-Priester zölibatär leben muss oder nicht, durchaus diskutabel (bei Orden geht das nur, wenn sie gleichsam verpflichtet werden, nur noch Lamborghini zu fahren). Aber den Aufhänger am Mangel festzumachen, halte ich für falsch. Lasst uns gerne darüber diskutieren, ob er spirituell und theologisch notwendig ist, ob er eher Geschenk oder Last ist. Alles gut. Aber das Argument Mangel finde ich falsch. Aus zwei Gründen:

Erstens hätte ich dann gerne eine Antwort, was passiert, wenn doch wieder viele ihrem Ruf folgen. Führen wir ihn dann wieder ein? Zweitens heißt das doch im Umkehrschluss, der Zölibat war früher okay, weil er die Zahl der Bewerber reduzierte. Sternberg sagt ja, dass der Zölibat heute nicht mehr verstanden werde. Oder soll das heißen, dass wir in der Vermittlung der Sinnhaftigkeit schlampig geworden sind? Aber dann liegt doch das eigentliche Problem auch woanders. Und dann wiederhole ich die Frage – führen wir den Zölibat wieder ein, wenn wir in der Katechese besser geworden sind? Nein, das überzeugt mich so richtig gar nicht. Und ich finde das Modell der orthodoxen Kirchen durchaus interessant und kann mir da durchaus andere Modelle für uns vorstellen. Aber nicht aus der Not heraus. Sondern aus Glauben und Überzeugung.

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Februar 21

Bildungsgerechtigkeit

Ich kann den Newsletter Heute im Bundestag nur wärmstens empfehlen. Da gab es eine Mail um den Streit über den nationalen Bildungsbericht. Mehr oder minder Lob von den verschiedenen Seiten, aber ein altes Thema bleibt: Deutschland bekommt es nicht hin, Bildung besser unabhängig vom Elternhaus zu gestalten. Kaum ein Themas ist ideologisch so beladen wie Bildung (ich halte mich davon nicht frei). Schwups, gehen die Reflexe los:

Die Vertreterin der Linken lobte zwar einige Verbesserungen, machte aber auch darauf aufmerksam, dass sich die Demoskopen bezüglich der Geburtenraten in Deutschland verschätzt hätten und nun an einigen Stellen versucht werde, Lücken durch privaten Schulen zu schließen. Dorthin würden vor allem Kinder aus bildungsinteressierten Haushalten geschickt, so dass sich die Bildungsschere an mancher öffentlicher Schule weiter öffnen würde.

Mein Ansatz wäre ja zu sagen, macht die öffentlichen Schulen so gut, dass sich die privaten überleben. Aber viel einfacher ist es natürlich, ein Schild „Achtung Straßenschäden“ hinzustellen, statt die Straße zu reparieren. Die Linken haben ein tief sitzendes Problem mit Privatschulen. Ich habe jetzt nochmal nachgelesen, wo das herrührt:

Träger von Privatschulen sind meistens kirchliche Organisationen, 80 Prozent dieser Schulen werden von der evangelischen oder katholischen Kirche geführt.[…] Zwar gibt es staatliche Vorgaben, dennoch besteht eine weitgehende Unabhängigkeit und Freiheit. Diese Freiheit kann sich durchaus positiv äußern, beispielsweise in fortschrittlicheren pädagogischen Konzepten und in besserer Wissensvermittlung. Aber diese Freiheit bedeutet auch die Möglichkeit von Einflussnahme auf die Schüler/innen. Gerade weil die Kontrolle viel geringer ist, gerade weil bei vielen Trägern ideologische Gründe für die Schaffung einer Privatschule eine Rolle spielen, besteht die Gefahr, dass Kinder dort manipuliert werden. Dies bedeutet dann jedoch eben keine Erziehung hin zu mündigen, kritischen Menschen, sondern eine ideologisch gefärbte Erziehung. Das soll nicht bedeuten, dass dies immer der Fall sein muss – aber nur öffentliche Schulen bieten die Voraussetzungen für die Erziehung hin zum mündigen Menschen. Gerade bei konfessionellen Schulen kommt die Frage der Trennung von Kirche und Staat hinzu und die Forderung, dass Bildung nicht religiös, sondern weltlich sein sollte. Bildung muss religiös neutral sein, wenn sie Kindern die Möglichkeit geben will, dass diese später selbst entscheiden können, was sie weltanschaulich für richtig oder falsch halten. Eine schulische Prägung ist hier kontraproduktiv und anti-emanzipatorisch.

Warum religionsfreie Erziehung per se besser sein sollte, leuchtet mir nicht ein. Ich hätte schon gerne die Freiheit für eine Wahl. Aber Freiheit ist ja nicht jedermanns Sache. Die Ansicht, religionsfrei sei objektiver, ist Unsinn. Eine Haltung, ein Wertesystem steht immer dahiner. Die Frage ist nur welches.

Die Gefahr der Manipulation ist enorm, weiß Gott ja. Der Bitte was? Gibt es vor, bei und nach solchen Aussagen eigentlich überhaupt irgendeinen Realitätsabgleich? Hat mal jemand in solche Schulen reingeschaut, mit Eltern, Lehrern und Schülern gesprochen? Ganz offensichtlich nicht. Aber Information gefährdet die Ideologie, also immer schön vorsichtig sein.

Nur öffentliche Schulen bieten die Voraussetzung für den mündigen Bürger? Nur eine staatliche Indoktrination führt dazu, dass Schüler wissen, was „weltanschaulich für richtig oder falsch“ gehalten werden soll? Ja, da haben wir Deutschen zweimal ausgiebige Erfahrungen gemacht. Jetzt geht es wieder mit ihm durch, mag man jetzt denken. Aber der Satz „gerade weil die Kontrolle viel geringer ist“, hat mich doch an einen Lenin-Ausspruch erinnert. Da liegt der nächste Schritt nicht fern.

Klar gibt es auch mal Querschläger. Aber ehrlich gesagt – ich kann mit einem solchen Ausreißer leben. Die machen mich nicht nervös. Und nein, ich will und würde bei den dort benannten Schulen meine Kinder nicht unterbringen wollen. Ferner ist da die Freiheit des Grundgesetzes wohl überschritten, also liegt „nur“ ein Vollzugsdefizit der Verwaltung vor. Das beste Gesetz hilft nichts, wenn man es nicht zur Anwendung bringt…

Liebe Linken-Politiker – fragt Euch doch mal, warum kirchliche Schulen so gefragt sind? Vielleicht ist es eben gerade nicht nur die vermeintliche „Manipulation“. Ich würde mir da ja eher mehr Glaube und Spiritualität an den Schulen wünschen… Aber fragt doch mal die vielen in der Praxis kirchenfernen Eltern, warum sie ihre Kinder in diese Schulen schicken? Vielleicht ist es neben einem gemeinsam getragenen Glauben, ein Bekenntnis zu einem vernünftigem Umgang miteinander, ein Bekenntnis zu Lernbereitschaft und Leistung. Statt Verbieten und Kontrolle seht das doch mal mit Sportgeist – macht in den Ländern, in denen Ihr Einfluss habt, die Schulen so, dass Eltern diese den Privatschulen bevorzugen. Das wäre ein Schritt nach vorne und ein Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit. Da könnt Ihr in Berlin gleich anfangen. Ihr stellt keine Schilder neben die kaputten Straßen – „Achtung Straßenschäden“ – Ihr stellt Schilder mit der Aufschrift „Durchfahrt verboten“ auf.

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Februar 20

Indoktrination

Wer daran zweifelt, ob es erfolgreiche Indoktrination gibt – ja, hier ist der Beweis. Der Sprecher der Parteijugend der Mugabes Partei ZANU-PF erklärt Mugabe gleichbedeutend mit Jesus Christus. Daher solle sein Geburtstag genau so wie Weihnachten gefeiert werden.

Rein aus wissenschaftlicher Neugier – mit welchen Drogen oder Methoden machen die das?

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Februar 19

Die echten Katastrophen

Von Populisten wird gerne entgegengehalten, Zeitungen würden nicht über das wahr Elend berichten. Dies führt dann zu solchen Unsätzen wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Dabei reden die ja schon ganz unverdrossen von Sachen, die mich manchmal am Zensurverbot nach Art. 5 Abs. 1 S. 3 GG zweifeln lassen.. nicht wirklich, dass muss man der Freiheit zuliebe leider aushalten.

Die Leistung der Medien besteht gerade im Filtern (und im Aufbereiten). Es gibt Unmengen an Nachrichten und Zeitungen – ob elektronisch oder auf totem Baum – müssen das wichtige und interessante herauspicken. Zwangsläufig fallen dabei Sachen unter den Tisch. Leider auch die wirklichen Dramen der Welt. Die Hilfsorganisation care hat diese jetzt hier zusammengestellt. Beeindruckend erschreckend.

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Februar 17

Höckes Rauswurf

Ich hielt den Rauswurf von Höcke ja für so wahrscheinlich wie die Rückgabe der Krim. Meine Vermutung war, dass das die übliche AfD-Schiene wird: Grenze übertreten, danach relativieren, dann wieder von vorne. So ganz wie bei der Echternacher Springprozession zwei Schritte vor und einer zurück. Im ganzen wabert man über einen Parteiaustritt rum, vielleicht gibt es noch ein Verfahren und am Ende wird das ganze irgendwie eingestellt. Fairerweise muss man aber sagen, dass das bei anderen Parteien manchmal auch schon komisch lief.

Jetzt kommt von Gauland über einen Zeit-Artikel die Aussage, dass sei zumindest von Petry ernst gemeint, da sie eine Koalitionspartei für die CDU werden möchte. Da winken Posten. Jacke ist näher als Hose. Hei, das finde ich gar nicht so fernliegend. Ich weiß gar nicht ob ich wissen will, wie die Union darüber denkt..

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Februar 16

Um Gnade winseln

Diesmal will Petry die Flüchtlinge nicht gleich erschießen, sondern sie mögen erst einmal um Gnade betteln dürfen: Grundrechte sind erst einmal Abwehrrechte der Bürger gegen den Staat und nichts, was der König auf seine Untertanen bei Laune ihnen zukommen lässt. Dazu  zählt auch das Asylrecht nach Art. 16a Grundgesetz. Die NPDAfD-Chefin Frauke Petry möchtet dieses Grundrecht in ein Gnadenrecht umwandeln. Scheinbar möchte sie staatlich legitimiert, wie Verfolgte erst um Gnade winseln bevor sie den Abzug zieht / ziehen lässt. Die Schande im Herzen der Hauptstadt, von der Höcke sprach, ist jedoch kein Denkmal, sondern diese Partei.

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