Dezember 11

Wider dem Hass

Paris. 2015. 683 Verletzte. 130 Tote. Darunter eine Frau  – Ehefrau und Mutter eines 17 Monate alten Säuglings.

Wie erlebt der Vater und Ehemann dieser ermordeten Frau die ersten Tage? Wie „überlebt“ er diese gemeinsam mit seinem Sohn? Und wie kommt er zu dem berühmt gewordenen Satz „Meinen Hass bekommt ihr nicht“?

In dem gleichnamige Werk von Antoine Leiris beschreibt er genau diese Zeit. Es ist ein sehr persönliches Werk, dass den Leser soweit das überhaupt möglich ist an den Schmerz in einer solchen Situation herankommen lässt. Mit circa 70 Seiten ein kurzes Büchlein, bei dem kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig ist und das dann man an einem Abend durch hat. Viel länger hält man diese bedrückende Atmosphäre auch gar nicht aus, aber diese Zeit sollte man sich nehmen, um in die Ohnmacht von Leiris mit einzutauchen. Dringende Leseempfehlung!

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Dezember 7

Fake-News: Faktencheck bei Thierse

Thierse hat in der Heilbronner Stimme verlauten lassen:

„Wer in der Politik Verantwortung übernimmt, sollte über ein beträchtliches Quantum beruflicher und sozialer Erfahrung vorweisen können. Es gibt auch einen falschen Jugendkult, weil der Altersschnitt der Bevölkerung eher wächst. Schauen Sie ins Parlament: die Generation der über 65-Jährigen ist dort unterrepräsentiert. Wir brauchen mehr „Alte“ in der Politik.“

Sind die Senioren den unterrepräsentiert?

Anmerkung: Die folgenden dargestellten Daten sind nicht ganz sauber. So spricht Thierse von den über 65jährigen. Das mir zugängliche Auswertungstool betrachtet die über 60jährigen. Das wäre jetzt nochmal Fleißarbeit, dass sauberer zu machen. Die Bevölkerungszahlen beziehen sich auch nicht auf das aktuelle Jahr. Das Ergebnis dürfte sich damit kaum ändern. Präzisere Zahlen würde ich mir als Einschub gleich bei einem solchen Artikel von (bezahlten) Journalisten wünschen…

Der Bundestag ist mit 709 Abgeordneten besetzt. Filtert man die Abgeordneten raus, die 61 Jahre und älter sind, kommt man auf 106 Abgeordnete.  Das sind circa 15 Prozent. In der Bevölkerung ist die Gruppe der ab 65jährigen mit 20,7 Prozent vertreten. Die Gruppe der unter 31jährigen (Jugend geht eigentlich nur bis 25 Jahren) ist mit 21 Abgeordneten vertreten. Das sind drei (!) Prozent. Die Altersgruppe der unter 20jährigen ist mit 18,8% vertreten. Da fehlt also noch die Gruppe der 21 bis 31jährigen zum Vergleich. Und ja – alle unter 18 haben kein Wahlrecht. Ihre Interessen sollten aber auch vertreten sein.  Möge sich jeder selbst ein Urteil bilden, wie es um die Aussage von Wolfgang Thierse bestellt ist.

Jetzt dachte ich ja erst, okay, die Aussage ist dem Alter geschuldet. Als Thierse noch jünger war, hat er das vielleicht deutlich anders gesehen. Das konnte ich so nicht untermauern. Bei der Recherche danach, bin ich aber über zwei andere interessante Zitate von Wolfgang Thierse gestolpert:

Direkte und brutale Ausländerfeindlichkeit ist in den neuen Bundesländern nach Ansicht von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für einen Teil der Bürger ein „selbstverständlicher Teil des Alltagsbewusstseins“ geworden. Dass rechtsextremistisches Denken in den Köpfen vieler junger Menschen inzwischen fest verankert sei, zeige auch die gegenwärtige Diskussion.

Der Artikel stammt von 2000. Ich will dem gar nicht widersprechen, aber interessanterweise werden da eben ausdrücklich die jungen Menschen erwähnt. Fairerweise will ich dazu ein zweites Zitat bringen:

Wolfgang Thierse zeigte sich über das Engagement der Jugendlichen sehr erfreut und machte Mut den Nazis entschlossen entgegen zu treten und Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Ein Blick in die Vergangenheit schadet nie…

Für die sozial-liberale Koalition ist die Absenkung des Wahlalters ein zentrales Ziel ihrer Politik. Bereits in seiner Regierungserklärung am 28. Oktober 1969 betont Bundeskanzler Willy Brandt (SPD): „Diese Regierung sucht das Gespräch, sie sucht die kritische Partnerschaft mit allen. Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Brandt kündigt an: „Wir werden dem Hohen Hause ein Gesetz unterbreiten, wodurch das aktive Wahlalter von 21 auf 18, das passive von 25 auf 21 Jahre herabgesetzt wird.“

Noch 1966 lehnt der damals 90-jährige Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Absenkung des Wahlalters klar ab. „Den Heranwachsenden fehlt eine gewisse Reife des Staatsbürgers“, so der Exkanzler. Doch den Zug der Zeit kann Adenauer nicht mehr aufhalten.

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Dezember 4

Whites only

Es gibt eine Kunstaktion, die an die Apartheid erinnern möchte. Nicht-Weißen war es unter Strafe verboten, sich auf für Weiße reservierte Bänke zu setzen. Ein solches Erinnern finde ich gut und richtig. Und wenn man da mal so zum Nachdenken angeregt ist, kann man sich ja mal überlegen, ob wir heute noch solche Bänke haben. Ja, haben wir!

Mit einem Kinderwagen bekommt man ein leichtes Gefühl dafür, wie es ist, auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen zu sein. Wenn es keinen Fahrstuhl gibt oder der mal wieder nicht funktioniert. Wenn der Bordstein nicht abgesenkt ist oder zwei, drei Stufen in das Geschäft in das Geschäft führen. Und dann stellt man sich auch mal die Frage, wie es mit dem Gang zum stillen Örtchen ist – wenn man da schon nicht rein kommt.

So kam es mir jedenfalls am Wochenende, als eine größere Veranstaltung nicht barrierefrei ist. Klar habe ich mich auch schon geärgert, wenn der Parkplatz vorne voll ist und alle Behindertenparkplätze frei sind. Aber ich kann in einer engen Lücke immer noch aussteigen und ein paar Meter laufen. Andere nicht. Im Wohngebiet heißt das für die Betreffenden im Zweifel, den Platz erstmal freischleppen lassen zu müssen. Es muss aber eine Selbstverständlichkeit werden, Bühnen nicht durch Treppen unzugänglich werden. Behindertengerechte Toiletten gar nicht oder nur durch große Umwege erreichbar sind. Wird das mit entsprechenden Normen flankiert, geht da vieles, siehe Brandschutz. Bei einer gewissen Größe und Art (sprich Tagesveranstaltungen) sollten auch Wickelauflagen so selbstverständlich werden wie Stillräume. Geht beispielsweise im Spektrum.

Ohne Druck geht da scheinbar nichts oder viel zu langsam. Also muss da Druck rein. Das heißt im Zweifel auch die anprangern, die das nicht verstehen. Als ich am Wochenende jemanden bei einer Veranstaltung darauf ansprach, wurde ernsthaft vorgeschlagen, die Menschen könnten ja hochgetragen werden. Kann sich ja mal jeder überlegen, wie er oder sie das empfinden würde.

Zum Thema „täglich geglaubt“: Teil der Nächstenliebe. Nicht gläubig? Ist Dir keiner böse drüber, wenn Du Dich trotzdem dafür einsetzt.

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November 23

Kindernamen

Die Namensfindung ist ein großes Ding – gibt man dem Nachwuchs doch etwas kennzeichnendes für das ganze Leben mit. Nicht umsonst gibt es auch einen Tauf– und Firmnamen. Manchmal frage ich mich doch, ob es nicht die Pflicht von Standesämtern wäre, gelegentlich sofort das Jugendamt einzuschalten. Eine Sammlung solcher Fälle findet sich auf Chantalismus.de. Daran musste ich gerade denken, als ich in den KNA las:

Die GfdS [Gesellschaft für deutsche Sprache] berät die Standesämter bei strittigen Namensideen. Zuletzt wurden auf Basis ihrer Empfehlungen etwa Vespa, Zecke und Dracula abgelehnt – Kastanie, Gandalf oder Neymar dagegen zugelassen.

Kastanie, ja ne, ist klar. Gandalf ist dagegen voll okay. Wir haben unsere ersten fünf Söhne ja auch Balin, Bifur, Bofur, Bombur und Dori genannt. Falls der Herr uns noch weitere Söhne schenkt, sind die Namen schon gesetzt: Dwalin, Fili, Gloin, Kili, Nori, Oin und Ori. Hoffentlich gibt es vor allem beim vorletzten Namen keine Probleme und wir können uns da auf Gandalf berufen.

 

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November 17

Unauffällig auffällig

Das Privatisieren staatlicher Leistungen geht weiter. So möchte die Bundesagentur für Arbeit die Auszahlung von Arbeitslosengeld I und II für den Fall der Bar-Auszahlung mittels eines privaten Dienstleisters an Supermarkt-Kassen ermöglichen. Begründet wird dies mit den hohen Kosten für die Auszahl-Automaten. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer kein Konto haben (beispielsweise Obdachlose) sind darauf angewiesen.

Über die Kosten für den privaten Bezahldienstleister hört man nichts – und die Supermärkte werden sich den Aufwand auch vergüten lassen wollen (mindestens mit der Hoffnung auf neue Kunden). Und in der Zeit las ich dann:

Bei dem neuen Verfahren müssen Arbeitslose in den beteiligten Märkten einen Zettel mit einem Barcode vorlegen, für den sie im Gegenzug das Geld erhalten. Die Zettel sollen neutral gedruckt sein, um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden. „Die Auszahlung der Barmittel erfolgt unkompliziert, ohne Wartezeit und diskriminierungsfrei im normalen Lebensumfeld des Kunden“, teilte die Bundesagentur der Welt am Sonntag mit.

Eigentlich kann man über diesen Bezahldienstleister beispielsweise seine Telefonrechnung an der Kasse zahlen. Nun gut, da kann man sich ja auch schon zusammenrechnen, wer das wohl macht. Aber wer außer den oben genannten Gruppe bekommt denn bitte Geld ausgezahlt? Ganz neutraler Zettel, is‘ klar. Und die Daten, die der private Dienstleister erhält und dort speichert, sind auch ganz neutral. Ich bin schon auf den ersten Hack gespannt.

Zu guter letzt: Den betroffenen Gruppen wird das auch helfen, wenn sie im Internet-Cafe erstmal den Zettel selber ausdrucken „dürfen“. Gerade für einen Teil der Betroffenen ist das eine „echte“ Hilfe. Könnte die BfA nicht auch in Sondierungsgespräche gehen?

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November 16

Da gibt es wichtigeres zu tun…

Gottesdienste müssten einladender, professioneller und kürzer werden, sagte der Religionssoziologe Detlef Pollack vor der Synode. Viele hätten am Sonntagvormittag anderes zu tun, das ihnen wichtiger sei, daher sollte ein Gottesdienst nicht länger als 50 oder 60 Minuten dauern.

So wurde Pollack in verschiedenen christlichen Medien zitiert, so auch hier. Wir haben die Diskussion auch immer wieder in der eigenen Gemeinde, da dauern die sonntäglichen Messen zwischen 70 und 90 Minuten. Alles was die 70 überschreitet sorgt bei vielen für Nervosität. Wer mit kleineren Kindern da ist – d’accord. Ansonsten – wir erhalten vom Herrn pro Woche 168 Stunden geschenkt und sind nicht einmal bereit, mehr als eine Stunde in der Woche zurück zu geben? Da läuft was schief. Das Problem hat Pollack schon getroffen – viele haben (scheinbar) wichtigeres zu tun. Da liegt das Problem aber nicht in der Länge des Gottesdienstes. Es mangelt am Glauben und an der Glaubenserfahrung in der Messe. Daran müssen wir arbeiten, nicht an der Länge. Und ich spreche nicht von Event-Gottesdiensten. Die darf es auch mal geben, sind aber nicht die Lösung. Sondern vielleicht von dem einen oder anderen längeren Moment der Stille. Wenn dann der Gottesdienstbesucher sagt: „Schade, dass es schon vorbei ist“ ist was richtig gelaufen.

Von Detlef Pollack kam noch ein Satz, den würde ich gerne ausgedruckt jedem geistlichen Würdenträger und Kirchenvorstand gerahmt über das Bett hängen:

Pollack betonte, dass die Kirche ihr Geld am Besten in die Kinder- und Jugendarbeit investieren sollte. Dies diene der religiösen Sozialisation der Menschen. Wer sich einmal von der Kirche verabschiedet hat, komme dagegen in der Regel nicht wieder.

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November 15

Wahrheit im Vermittlungsausschuss

Jetzt haben wir durch das Reformationsjubiläum viel über die evangelischen Geschwister gehört. Viele Veranstaltungen fanden auch unter Beteiligung beider Konfessionen statt. Bedauerlich wenn ich dann lese

Oft seien ökumenische Veranstaltungen von katholischen Pfarreien nicht ausgehangen worden oder es habe nur eine geringe Beteiligung gegeben.

Dieser Kritik kann ich folgen, zumindest was die Aushänge angeht. Hinsichtlich der Beteiligung wäre ich da erstmal skeptisch, ob es an der Ökumene liegt oder ob die Beteiligung bei anderen Veranstaltungen auch nicht besser ist. Was mir Sorgen macht ist

[…] die evangelische Religionspädagogin aus der Landeskirche Kurhessen-Waldeck. So habe man etwa im Glaubensbekenntnis für die katholische Kirche gebetet.

Scheinbar hat sich das immer noch nicht ganz rumgesprochen – denn die Diskussion durfte ich neulich selbst mit einer evangelischen Religionslehrerin führen. Die katholische Kirche versteht das Wort katholisch im Glaubensbekenntnis im eigentlichen Sinne als universell und nicht im Sinne der römisch-katholischen Kirche (sonst hieße es ja auch so im Credo). Das evangelischerseits dort gerne von „christlich“ gesprochen wird, ändert nichts daran.

Gleichwie: Ich lese und höre immer wieder von evangelischer Seite, dass die katholische Kirche sich für eine mögliche Ökumene bewegen müsse. Mal abgesehen davon, dass Glaubenswahrheiten schlecht wie in einem Vermittlungsausschuss behandelt werden können – Jesus ist nur ein bisschen leibhaftig in der Eucharistie das ist wie halbschwanger – würde ich jeden Gläubigen bitten mal in sich zu gehen und zu überlegen, wo er einen Schritt zurückgehen würde. So ganz konkret. Die Forderung an die eine Seite stellen, heißt für mich auch, bereit zu sein, selbst nachzugeben. Dies gilt für alle Seiten gleichermaßen.

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November 11

Staatsschulden in Irland

Der Newsletter „Heute im Bundestag“ ist ja immer wieder ein Fundus. So wie hier:

Irland will seine Restschulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie gegenüber Dänemark und Schweden vorzeitig ablösen. Dazu beantragt die Republik bei ihren europäischen Partnern eine Ausnahme von der eigentlich vorgesehenen parallelen proportionalen Rückzahlung an die Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und das Vereinigte Königreich. Damit die Bundesregierung im EFSF-Direktorium zustimmen kann, bedarf es nach dem Stabilisierungsmechanismusgesetz einer Zustimmung des Bundestages. Einen entsprechenden Antrag (19/39) hat das Bundesfinanzministerium vorgelegt.

Nochmal – ganz langsam. Da will ein Staat seine Schulden vorzeitig ablösen? Erst dachte ich kurz, dass werden dann nur Peanuts sein. Nun ja:

Irland hatte zwischen 2010 und 2013 für sein makroökonomisches Anpassungsprogramm Finanzhilfen von der EFSF in Höhe von 17,7 Milliarden Euro, vom EFSM in Höhe von 22,5 Milliarden Euro und vom IWF in Höhe von zirka 22,5 Milliarden Euro (19,5 Milliarden Sonderziehungsrechte) erhalten. Zudem erhielt das Land bilaterale Kredite von Schweden in Höhe von 0,6 Milliarden Euro, Dänemark in Höhe 0,4 Milliarden Euro und dem Vereinigten Königreich in Höhe von 3,8 Milliarden Euro.

Finde ich ja schon ganz ordentlich. Und warum wollen sie das tun?

Irland hatte bereits auf Grundlage von Beschlüssen aus dem Oktober und November 2014 81 Prozent seiner Schulden beim IWF beglichen. Mit der vorzeitigen Tilgung will die Republik erneut von den günstigeren Konditionen am Markt profitieren. Laut Antrag könnte Irland durch die Refinanzierung zirka 150 Millionen Euro an Zinsen einsparen.

Refinanzierung? Ah, okay, das klingt nach Umschulden. Nicht ganz so gut, aber immerhin. Da macht man sich wohl schon mal auf den richtigen Weg. Schaut man sich die Entwicklung in Deutschland an, dann muss man den Ausschnitt schon passend wählen, um sagen zu können, wir sind auf dem richtigen Weg. Schaut Euch das mal an. Erschreckend. Da ist die Diskussion von Jamaika über eine schwarze Null schon fast Hohn.

Auch wenn weniger in mancherlei Hinsicht vielleicht mehr wäre, bin ich das schon ganz froh, dass unsere Bistümer scheinbar überwiegend nicht auf Schulden aufgebaut sind. Das Erzbistum Berlin weist Zinsen in Höhe von 19 TEUR aus. Leider habe ich dort nicht rausfinden können, wie viele Schulden dort dahinter stecken. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.

 

 

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November 10

Burger kaufen keine Burger

Frei nach Henry Ford kaufen Burger keine Burger. Ich war neulich mit meinem Sohn in dem Laden mit dem großen M. Ja, jetzt ist es raus. Wir haben uns da ein Eis beziehungsweise Kaffee geholt. Diente aber nur soziologischen Studien 😉 Wie wir dort nämlich feststellten, läuft die Bestellung über Terminals elektronisch. Für den Kunden geht es schneller und für die Kette spart es Personal. Da war nur noch ein Mitarbeiter hinter dem Tresen, sonst hätten da der Kassen nach drei oder vier gestanden.

Während wir so warteten bis unsere Sachen fertigstellt wurden, sinnierten wir darüber, was das so bedeutet – sprich, Arbeitsplätze im niedrigqualifizierten Bereich fallen weg. Wir überlegten dann zusammen, was noch so technisch notwendig sei, bis der Mensch weiter- oder sogar vollständig wegrationalisiert sei. Jetzt habe ich gelesen – unsere Utopien des Vollautomatenrestaurants sind schon ganze Schritte weiter. Die Burger werden schon mal mit Robotern gebraten und das bedeutend schneller, als es Menschen hinbekommen. Schöner Satz – der Mensch braucht da nicht mehr im spritzenden Fett rumstehen. Schon klar. Der sitzt nämlich jetzt arbeitslos zu Hause. Ich bin da als Nerd immer gruselfasziniert – fasziniert von der Technik, gruselnd vor den Auswirkungen. Ich muss da wiederholen:

Frei nach Henry Ford kaufen Burger keine Burger.

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November 8

Benutzerfreundlichkeit

Nimmer Dir mal die drei bis fünf Minuten, um das hier zu lesen.

Mich verwundert auch immer wieder, dass Menschen den ganzen Tag in so eine Kiste schauen, aber nicht einen My bereit sind, etwas dazu zu lernen. Nein, dass will ich nicht, nein, da bin ich zu doof für, nein, dass muss sich selbst erklären, nein, ich kenne schon den besten Weg und will keinen anderen sehen. Da gibt es ja eine Menge Argumente für eine Verweigerung. Dabei ist es ein Werkzeug. Bei nahezu allen Schreibtischtätern DAS Werkzeug. Man stelle sich mal vor, ein Zimmermann würde sich in der Art verweigern, vernünftig mit dem Stechbeitel oder der Kreissäge umzugehen. Ein Koch, der sich weigert, den richtigen Umgang mit dem Messer zu lernen. Bei Rechnern ist das aber oft akzeptiert bis cool. Völlig unklar.

Und noch etwas ist mir bei dem Artikel durch den Kopf gegangen: Ein Freund von mir führt seine Korrespondenz konsequent mit VIM und LaTeX. Klingt nach ganz schöner Nerdscheiße. Derjenige sagte mir aber mal: Ja, die Lernkurve am Anfang ist steil. Aber ich habe mir vor circa 20 Jahren einmal eine Briefvorlage erstellt und arbeite noch immer mit der gleichen. In der Zeit hat sich bei meiner Software nicht wirklich etwas geändert. Zeig mir mal einen der Word benutzt, der mit dem gleichen Aufwand über die Jahre hingekommen ist. Überlege Dir mal,  was alleine dieses Programm mit seiner Politik für ein volkswirtschaftlicher Schaden ist. Wow dachte ich mir. Wie wahr. Wie oft habe ich gelernte Tastenkürzel bei Word neu lernen müssen, weil sie sich bei einer Version geändert haben. Wie oft mussten Sachen angepasst werden, bekannte Teile neu in den Menüstrukturen gesucht werden. Mal etwas Zeit am Anfang investiert hätte sich gelohnt. Ein ganz anderer Ansatz. Aber vielleicht ein sehr lohnenswerter.

Und ja, man mit Mutt wirklich erfolgreich seine E-Mails abarbeiten. Im Gegensatz zu dem braunen Programm von Microsoft geht das sogar auf einem Rechner, der nur noch künstlich beatmet läuft. Sicherer ist auch noch und etwas wie Verschlüsselung bietet es standardmäßig schon seit gefühlt immer an.

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