Februar 21

Hirtenbrief

Heute wurde im Gottesdienst der Hirtenbrief des Berliner Erzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky verlesen. Er steht unter dem Titel Warum ich in der Kirche bleibe. Ich kann nur empfehlen, diesen Hirtenbrief zu lesen.

Die Frage stellen sich viele und wir verlieren jährlich eine Stadt mittlerer Größe an Mitgliedern. Im Nachgang zu diesem Hirtenbrief schwirrten mir zwei Gedanken zu denen, die austraten, herum:

Kirchensteuer

Ich habe oft erlebt, dass die Kirchensteuer als Argument für den Kirchenaustritt gebracht wird. Gleichsam wird aber angeführt, man sei Christ. Diejenigen sollten sich bewusst werden, dass es den Zehnt gibt. Der Zehnte sollte abgegeben werden. Das kann sich aber nur auf das Einkommen beziehen. Die Kirchensteuer beträgt aber lediglich 8-9% der Einkommensteuer. Sie liegt also weit unter dem, was jeder der sich an die Spielregeln hält, berappen müsste / muss.

Ich führe bei dieser Diskussion dann auch gerne an, was die Kirche für Sozialdienstleistungen erbringt. Ohne diese wäre das Land deutlich ärmer. Gegenargument: Man spende ja das Geld, was man durch die Kirchensteuer erspare. Ehrlich gesagt: Das habe ich bei noch keinem Mandanten erlebt. Die Spenden verhalten sich im Vergleich zu der zuvor gezahlten Kirchensteuer eher kleinlich. Das ist meine Erfahrung, vielleicht sicherlich wird es andere geben.

IMHO ist die Kirchensteuer ein Argument für die Erhöhung des Mammons kein Argument.

Nachtrag: kath.net berichtete, dass die Kirchensteuer der Hauptgrund für den Austritt sei…

Personen

Das Argument, diejenige Person sei so, dass man damit nicht mehr einhergehen könne. Ja, es gibt Personen, die dafür Sorge tragen, dass es einem nicht immer leicht gemacht wird, offen zum Katholizismus zu stehen. Ob das ehemalige Jesuiten-Paters sind, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, institutionelles Wegschauen (wobei die Institution aus Menschen besteht, klingt nur immer schön anonym um sich dahinter zu verstecken), ein Bischof der den sexuellen Missbrauch mit den 68ern versucht zu erklären oder Aufhebung der Exkommunikation von Holocaust-Leugnern.

Bezüglich des Bischofs: Das kann man ja noch sportlich sehen – er liefert den lebenden Beweis dafür, dass es Paralleluniversen gibt; denn von dieser Welt kann er nicht sein.

Zurück den Personen: Die Kirche lebt mit und aus ihren Menschen, die zu ihr gehören. Aber es die Gesamtheit, die durch ihre Liebe, ihren Glauben und ihre Hoffnung die Kirche bilden. Nicht einzelne, sondern wir alle. Ich wandere auch nicht aus, auch wenn man mir so manche Deutsche nicht passen. Und wenn mir die Zustände in der Politik Kirche nicht passen – dann ist das ein Grund sich zu engagieren und an der Veränderung mitwirken. Ja, das ist der schwerere Weg. Weggehen ist einfacher. Das hat uns aber der Herr schon prophezeit: Ihm zu folgen, heißt gerade nicht, dem Weg des geringsten Widerstandes zu folgen. Aber Jesus sagte auch (Joh 8,12): Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis untergehen, sondern das Licht des Lebens haben.

Wenn das mal kein Grund zum Bleiben (Eintreten?) ist.

Bezüglich der Gründe zum Bleiben, verweise ich nochmals auf den Hirtenbrief.

 

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Februar 20

kein Rost

In der Laudes zum heutigen Stundengebet heißt es im Benedictus-Antiphon:

Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Rost noch Motten sie zerstören.

Das ist doch mal eine Ansage. Fernab von dem Jetzt-Leben, Jetzt-sich-selbst-verwirklichen, Auskosten-bis-zum-Schluss, Feiern-als-ob-es-kein-morgen-gäb.. kein was? Vielleicht wäre manche Feier entspannter, manches Person geruhsamer und manches Leben lebenswerter, wenn sie wüssten: Danach ist nicht Schluss. Nach dem Tod gibt es noch etwas. Du brauchst nicht versuchen, alles jetzt und sofort zu machen, als ob es kein Morgen gäbe. Gibt es nämlich.

Aber eine alte Weisheit sagt, man könne nichts mitnehmen. Nichts materielles, weshalb es ja auch Sinn macht, dies rechtzeitig zu verteilen (und manchmal lässt mich mein Beruf ja nicht los.. es hilft auch Erbstreitigkeiten zu vermeiden). Kann man wirklich nichts mitnehmen? Nein. Wenn am Tag des Jüngsten Gerichts über uns gerichtet wird – dann haben wir unsere Taten mitgenommen. Wir nehmen nichts materielles mit, wir nehmen ideeles mir. Und davon eine ganze Menge.

Die Fastenzeict ist ein guter Anlass, sich mal zu überlegen, womit man denn sein Päckchen schnüren möchte und was man lieber hier lässt (oder im Beichtstuhl). Denn beim Herrn rostet nichts und wird auch nicht zerfressen. Dort strahlt das Licht des Herrn.

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Februar 18

Die Hütte von Young – Teil II

Mack fährt zu der Hütte, in der die letzten Spuren seiner Tochter gefunden wurden: ein Blutfleck. Es ist der Ort seiner Albträume. Für ihn beginnt genau hier die Vorhölle. Und genau hier will sich Gott mit ihm treffen. Es scheint bessere Orte zu geben, um den lieben Gott zu treffen. Mitnichten.

 

Gott treffen? Wenn oder was würdest Du erwarten, wenn Du Gott träfest? Da fällt mir dieser Witz ein, wonach der erste Astronaut zum Himmel (Mond?) fliegt. Der Präsident der UdSSR holt den Astronauten gleich nach der Landung zu sich. Er fragt nur, ob es ihn gebe. Der Astronaut bejahte dies. Hiernach lädt ihn der US-Präsident vor. Seine Frage lautet: Wie sieht er aus? Und der Astronaut antwortet: „She is black.“

 

Okay; weniger überraschend wäre wohl ein Alien. Aber wie sieht es / sie/ es denn nun aus? Von ihm selbst kann man nicht sprechen. Vielmehr zeigt Young gleich die Dreieinigkeit: Gott Vater, den Heiligen Geist und Jesus Christus. Gott Vater ist eine dunkelhäutige, rundliche Frau. Der Heilige Geist ist eine Frau, die einen flüchtigen Eindruck macht. Jesus ist der smarte Kumpeltyp. Gott Vater wird tritt aber im Laufe der Geschichte auch als älterer Mann auf – als es seiner Meinung nach besser passt. Es wird also schon deutlich: Gott ist nicht einfach zu greifen, es gibt kein einfaches Bild. A propas Bild: War da nicht was von Bilderverbot? Du sollst Dir kein Gottesbild machen (Ex 20,4). Ein Verstoß gegen die Zehn Gebote?

Die Frage stelle ich mir öfter. Wenn Jesus Gott ist, gilt dann das Bilderverbot nicht auch für ihn? Was ist mit dem Feuer als Symbol für den Heiligen Geist? Sollten wir uns als Christnen nicht gegen Bilder die (scheinbar) Gott darstellen, verwehren?

Oder ist das alles nicht so schlimm und allzu menschlich? Ist Gott dieser ständigen Versuchung zuvorgekommen durch seine menschliche Gestalt in Jesus? Ist Jesus ein mehr an Mensch, so dass er vom Bilderverbot ausgenommen ist? Was mich daran am meisten wundert: Warum hört man eigentlich so wenig vom Bilderverbot? Um dabei eins klar zu stellen: Mir läge es fern, dieses auf rechtlicher Ebene außerhalb der Kirche zur Anwendung zu bringen. Jeder Nicht-Christ kann ihn meinethalben auf große Plakate pinseln – jedenfalls so wie derjenige meint, dass er aussähe. Aber dürfen Christen das?

Wenn man der Meinung ist, nein, dann gibt man den zehn Geboten ein Stufenverhältnis. Den der dort ebenfalls verbotene Mord ist wohl unzweifelhaft eine schwere Sünde. Der Bilderverbot aber keine oder eine leichte? Der Ehebruch? Der Diebstahl?

Was mir aber daran gefällt?

Der Autor bricht mit jeglichem tradiertem Gottesbild. Bilderverbot hin oder her – es existieren Gottesbilder, zumindest in Gedanken. Nie hört man von Gott als Frau mit langen Beinen, jungen Mann mit krummen Rücken – sondern vom alten Mann mit Rauschebart. Die Verbilderung zeigt: Da gibt es nichts festes, und wenn Du was festes in Deinem Kopf hast, werfe ich es jetzt um. Und im Übrigen: Das gezeigte Bild wandelt sich auch (Gott ist zuerst eine Frau und erscheint später als Mann).

 

Ein zweiter Aspekt bei diesem Bild ist die Trennung. Was ist Heilige Dreiinigkeit? Gott ist schon abstrakt, aber das noch eine Stufe drüber. Mein Erklärungsversuch: Mit Gott verhält es sich wie mit Wasser. Ein Glas voll kann flüssig in einem Glas sein, dampfförmig oder als Eisblock gefroren. Aber es bleibt das selbe Wasser. Gott kann in der Vater-Rolle stehen, sich in und durch Jesus darstellen oder im Heiligen Geist. Dieses wird sind drei und doch eins, kommt für mich im Buch nicht deutlich genug über. Es werden Einzelpersonen dargestellt und das hat für mich immer etwas mit einem Schritt zum Polytheismus zu tun.

 

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Februar 18

Die Hütte von Young

Mit Begeisterung habe ich gerade den Roman Die Hütte von William Paul Young gelesen. Der Roman verlangt IMHO danach, in mehreren Stücken auseinander genommen (und wieder zusammengesetzt) zu werden. Die Buchhändlerin meines Vertrauens schaute mich beim Verkauf interessiert an: Wenn Sie es gelesen haben, sagen Sie mir bitte Ihre Meinung dazu. Das ist in zwei Sätzen nicht getan..

Worum geht es?

Der amerikanische Roman-Held Mack macht mit seinen drei Kindern über das Wochenende einen Campingurlaub. Seine ältere Tochter stößt ein Kanu um, so dass Mack seinen Sohn vor dem Ertrinken bewahren muss. Hierdurch ist seine jüngste Tochter unbeobachtet. Sie wird von einem Serientäter entführt, vergewaltigt und ermordet. Die letzten Spuren finden sich in einer Waldhütte. Die Leiche wird genau wie die Opfer zuvor nicht gefunden. Puh, durchatmen.

Mack wird zunehmend von Depressionen (wie er es nennt Die große Traurigkeit) geplagt. Seine ältere Tochter igelt sich immer mehr ein. Kurzum: Die Familie findet nicht zurück. Eines Tages findet Mack einen Zettel in seinem Briefkasten. Darin wird er in die betreffende Hütte eingeladen. Der Zettel ist unterzeichnet mit Papa – so wie seine Frau Gott nennt.

Macht sich der Täter einen Spaß und will Mack weiter quälen? Woher sollte er dann die doch nicht ganz gewöhnliche Ansprache zu Gott wissen? Will ihn sonst jemand auf die Schippe nehmen? Dann wäre es ein schlechter Scherz, ihn ausgerechnet, doch in diese betreffende Hütte zu lotsen. Oder… ist es doch Gott?

Mack lässt es keine Ruhe. Für das auf dem Zettel avisierte Wochenende ergibt sich der glückliche Zufall, dass seine Familie wegfahren will. Er kann ohne weitere Fragen seiner Familie sich auf den Weg machen…

 

Warum ich schon am Anfang begeistert war bzw. bin?

Der Anfang ist alles andere als das, was man sich von einer Bettlektüre wünscht. Die Vergewaltigung und die Ermordung eines Kindes – viel schlimmer kann es nicht kommen. Der Untertitel des Buches Ein Wochenende mit Gott lässt jedoch vermuten, dass es hier um die Auseinander mit ihm geht. Gerade dieser kaum schwerer zu gestaltende Anfang macht das Buch attraktiv. Hier geht es nicht um ein rosarotes Bild von Gott mit Plüsch. Hier geht es an das Eingemachte. Hier geht es genau um die Frage, die wohl jedem Gläubigen ins Stocken geraten lässt: Warum lässt Gott dieses und soviel anderes Leiden zu. Wir sprechen von Lieber Gott, vom barmherzigen Vater, Jesus sprach von Abba (im aramäischen Vater-Unser) – was hat das mit der Vergewaltigtung eines Kindes, mit Krieg, mit Hungernöten zu tun? Gerade das sich jemand traut, in die Abgründe zu steigen und nicht ein Wuschibubu zu veranstalten, machte mich neugierig.

Der Leser wird von Seite zu Seite gezogen. Die Übersetzung liest sich flüssig.

Mack trifft Gott, dass in einem späteren Blog. Und es rüttelt am Gottesbild; die Erruption des Anfangs geht also nahtlos weiter. Hierzu später.

Findet die eigentliche Frage, warum Gott dieses Leid zulässt, eine Antwort? Ja. Nun ja…

 

Februar 9

Wer ich bin

Herzlich willkommen auf diesem kleinen Blog – über den täglichen Glauben, G’tt und die Welt.

Wer ich bin? Ich bin Ende 30, glücklich verheiratet und Vater von zwei Kindern (zehn und zwölf Jahre alt). Ich bin derzeit im Katholischen Büro Berlin als juristischer Referent tätig. Und um es gleich vorweg zu schieben – meine Äußerungen hier sind rein privater Natur und stehen in keinem Zusammenhang mit meiner beruflichen Tätigkeit! Ich bin Jurist und kein Theologe. Insofern schildern meine Beiträge nur eine Laiensicht (auch wenn ich mich stetig versuche, dank des Würzburger Kurs mehr vom Glauben zu wissen, maße ich mir nicht an, einem gestandenen Theologen das Wasser zu reichen).
Warum dieser Blog?

Ich bin praktizierender Katholik, engagiere mich im Bereich Kinder- und Jugendarbeit als auch liturgisch und treibe mich viel im Netz herum. Ich mache mir – wie viele andere auch – meine Gedanken über und um den Glauben. Du bist herzlich eingeladen, Deine Gedanken und Meinungen hierzu zu äußern.

Wie bereits gesagt, bin ich katholisch. Gleichwohl ist das hier keine offizielle „Kirchenmeinung“, sondern meine private. Gegebenenfalls weise ich auf die offizielle Lehre hin, aber gerade wenn es kritisch wird, werden die Abweichungen sicherlich gut erkennbar werden – und hiervon schwirren mir seit langem viele Themen im Kopf herum.

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Februar 1

Impressum

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