Februar 18

Die Hütte von Young – Teil II

Mack fährt zu der Hütte, in der die letzten Spuren seiner Tochter gefunden wurden: ein Blutfleck. Es ist der Ort seiner Albträume. Für ihn beginnt genau hier die Vorhölle. Und genau hier will sich Gott mit ihm treffen. Es scheint bessere Orte zu geben, um den lieben Gott zu treffen. Mitnichten.

 

Gott treffen? Wenn oder was würdest Du erwarten, wenn Du Gott träfest? Da fällt mir dieser Witz ein, wonach der erste Astronaut zum Himmel (Mond?) fliegt. Der Präsident der UdSSR holt den Astronauten gleich nach der Landung zu sich. Er fragt nur, ob es ihn gebe. Der Astronaut bejahte dies. Hiernach lädt ihn der US-Präsident vor. Seine Frage lautet: Wie sieht er aus? Und der Astronaut antwortet: „She is black.“

 

Okay; weniger überraschend wäre wohl ein Alien. Aber wie sieht es / sie/ es denn nun aus? Von ihm selbst kann man nicht sprechen. Vielmehr zeigt Young gleich die Dreieinigkeit: Gott Vater, den Heiligen Geist und Jesus Christus. Gott Vater ist eine dunkelhäutige, rundliche Frau. Der Heilige Geist ist eine Frau, die einen flüchtigen Eindruck macht. Jesus ist der smarte Kumpeltyp. Gott Vater wird tritt aber im Laufe der Geschichte auch als älterer Mann auf – als es seiner Meinung nach besser passt. Es wird also schon deutlich: Gott ist nicht einfach zu greifen, es gibt kein einfaches Bild. A propas Bild: War da nicht was von Bilderverbot? Du sollst Dir kein Gottesbild machen (Ex 20,4). Ein Verstoß gegen die Zehn Gebote?

Die Frage stelle ich mir öfter. Wenn Jesus Gott ist, gilt dann das Bilderverbot nicht auch für ihn? Was ist mit dem Feuer als Symbol für den Heiligen Geist? Sollten wir uns als Christnen nicht gegen Bilder die (scheinbar) Gott darstellen, verwehren?

Oder ist das alles nicht so schlimm und allzu menschlich? Ist Gott dieser ständigen Versuchung zuvorgekommen durch seine menschliche Gestalt in Jesus? Ist Jesus ein mehr an Mensch, so dass er vom Bilderverbot ausgenommen ist? Was mich daran am meisten wundert: Warum hört man eigentlich so wenig vom Bilderverbot? Um dabei eins klar zu stellen: Mir läge es fern, dieses auf rechtlicher Ebene außerhalb der Kirche zur Anwendung zu bringen. Jeder Nicht-Christ kann ihn meinethalben auf große Plakate pinseln – jedenfalls so wie derjenige meint, dass er aussähe. Aber dürfen Christen das?

Wenn man der Meinung ist, nein, dann gibt man den zehn Geboten ein Stufenverhältnis. Den der dort ebenfalls verbotene Mord ist wohl unzweifelhaft eine schwere Sünde. Der Bilderverbot aber keine oder eine leichte? Der Ehebruch? Der Diebstahl?

Was mir aber daran gefällt?

Der Autor bricht mit jeglichem tradiertem Gottesbild. Bilderverbot hin oder her – es existieren Gottesbilder, zumindest in Gedanken. Nie hört man von Gott als Frau mit langen Beinen, jungen Mann mit krummen Rücken – sondern vom alten Mann mit Rauschebart. Die Verbilderung zeigt: Da gibt es nichts festes, und wenn Du was festes in Deinem Kopf hast, werfe ich es jetzt um. Und im Übrigen: Das gezeigte Bild wandelt sich auch (Gott ist zuerst eine Frau und erscheint später als Mann).

 

Ein zweiter Aspekt bei diesem Bild ist die Trennung. Was ist Heilige Dreiinigkeit? Gott ist schon abstrakt, aber das noch eine Stufe drüber. Mein Erklärungsversuch: Mit Gott verhält es sich wie mit Wasser. Ein Glas voll kann flüssig in einem Glas sein, dampfförmig oder als Eisblock gefroren. Aber es bleibt das selbe Wasser. Gott kann in der Vater-Rolle stehen, sich in und durch Jesus darstellen oder im Heiligen Geist. Dieses wird sind drei und doch eins, kommt für mich im Buch nicht deutlich genug über. Es werden Einzelpersonen dargestellt und das hat für mich immer etwas mit einem Schritt zum Polytheismus zu tun.

 



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Veröffentlicht18. Februar 2010 von bengoshi in Kategorie "Allgemein