Februar 18

Die Hütte von Young

Mit Begeisterung habe ich gerade den Roman Die Hütte von William Paul Young gelesen. Der Roman verlangt IMHO danach, in mehreren Stücken auseinander genommen (und wieder zusammengesetzt) zu werden. Die Buchhändlerin meines Vertrauens schaute mich beim Verkauf interessiert an: Wenn Sie es gelesen haben, sagen Sie mir bitte Ihre Meinung dazu. Das ist in zwei Sätzen nicht getan..

Worum geht es?

Der amerikanische Roman-Held Mack macht mit seinen drei Kindern über das Wochenende einen Campingurlaub. Seine ältere Tochter stößt ein Kanu um, so dass Mack seinen Sohn vor dem Ertrinken bewahren muss. Hierdurch ist seine jüngste Tochter unbeobachtet. Sie wird von einem Serientäter entführt, vergewaltigt und ermordet. Die letzten Spuren finden sich in einer Waldhütte. Die Leiche wird genau wie die Opfer zuvor nicht gefunden. Puh, durchatmen.

Mack wird zunehmend von Depressionen (wie er es nennt Die große Traurigkeit) geplagt. Seine ältere Tochter igelt sich immer mehr ein. Kurzum: Die Familie findet nicht zurück. Eines Tages findet Mack einen Zettel in seinem Briefkasten. Darin wird er in die betreffende Hütte eingeladen. Der Zettel ist unterzeichnet mit Papa – so wie seine Frau Gott nennt.

Macht sich der Täter einen Spaß und will Mack weiter quälen? Woher sollte er dann die doch nicht ganz gewöhnliche Ansprache zu Gott wissen? Will ihn sonst jemand auf die Schippe nehmen? Dann wäre es ein schlechter Scherz, ihn ausgerechnet, doch in diese betreffende Hütte zu lotsen. Oder… ist es doch Gott?

Mack lässt es keine Ruhe. Für das auf dem Zettel avisierte Wochenende ergibt sich der glückliche Zufall, dass seine Familie wegfahren will. Er kann ohne weitere Fragen seiner Familie sich auf den Weg machen…

 

Warum ich schon am Anfang begeistert war bzw. bin?

Der Anfang ist alles andere als das, was man sich von einer Bettlektüre wünscht. Die Vergewaltigung und die Ermordung eines Kindes – viel schlimmer kann es nicht kommen. Der Untertitel des Buches Ein Wochenende mit Gott lässt jedoch vermuten, dass es hier um die Auseinander mit ihm geht. Gerade dieser kaum schwerer zu gestaltende Anfang macht das Buch attraktiv. Hier geht es nicht um ein rosarotes Bild von Gott mit Plüsch. Hier geht es an das Eingemachte. Hier geht es genau um die Frage, die wohl jedem Gläubigen ins Stocken geraten lässt: Warum lässt Gott dieses und soviel anderes Leiden zu. Wir sprechen von Lieber Gott, vom barmherzigen Vater, Jesus sprach von Abba (im aramäischen Vater-Unser) – was hat das mit der Vergewaltigtung eines Kindes, mit Krieg, mit Hungernöten zu tun? Gerade das sich jemand traut, in die Abgründe zu steigen und nicht ein Wuschibubu zu veranstalten, machte mich neugierig.

Der Leser wird von Seite zu Seite gezogen. Die Übersetzung liest sich flüssig.

Mack trifft Gott, dass in einem späteren Blog. Und es rüttelt am Gottesbild; die Erruption des Anfangs geht also nahtlos weiter. Hierzu später.

Findet die eigentliche Frage, warum Gott dieses Leid zulässt, eine Antwort? Ja. Nun ja…

 



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Veröffentlicht18. Februar 2010 von bengoshi in Kategorie "gelesen

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  1. Pingback: Hütte – Theological

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