März 3

Wer ist Jesus? Gedanken zur Trinität

Ich lese gerade Nicky Gumbel Fragen an das Leben. Zu den einzelnen Kapiteln gibt es im Anhang jeweils Fragen zur Reflektion. Zu dem Kapital Wer ist Jesus ist unter anderem die Frage aufgeführt:

Wenn Jesus der Sohn Gottes ist, was bedeutet das dann für Sie?

IMHO eine gute Frage, weil sie die Trinitätslehre tief berührt. Ich hatte mit 19 ein fruchtbares und respektvolles Gespräch mit einem Muslim, der den Christen „vorwarf“, sie seien Polytheisten. Sie glaubten an mindestens drei Götter (Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist) und für den katholischen Zweig müssen man fasst Maria und die Heiligen mit zur Abteilung der Götzenanbetung hinzufügen. Vordergründig hat das schon mal Charme. Aber irgendwie fühlte ich mich da unverstanden 😉 – denn ich glaube nur an einen Gott. Aber es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, wie die Trinität zu verstehen sei. Mal ging es ein wenig weg von der Lehre, mal wieder ein wenig hin. Eine lange Zeit verhielt sich mein Verhältnis zur Lehre wie bei einer Springprozession. Aber man erreicht bei dieser sein Ziel irgendwann, auch wenn Kraft kostet.

Wer oder was war denn Jesus? Der Sohn Gottes – das hieße ja auch, es müsste eine Mutter geben – Maria. Also war Jesus nur ein Halbgott wie in der griechischen Mythologie?

Nein, das ist weder richtig trifft es das, was Jesus sagte.

Er sprach von Gott als seinem Vater – so wie wir es ja heute noch im Vater unser nachsprechen. Er stand mit ihm per Du. Nun ja, dem könnte man ja entgegen setzen, dass wir auch den Begriff Vater im weiteren Sinne verwenden: Vaterland, Herbergsvater, nicht übersetzt den Patre als Mafio-Boss… Nun ist weder Gott noch Jesus ein krimineller 🙂 Jesus-Leben ist sündenfrei..
Vater vielleicht in dem Sinne, dass wir alle Gottes Kinder sind – und damit auch Jesus – und Gott Vater unser Vater im metaphysischen Sinne ist?

Aber wie verhält es sich dann mit der Auferstehung? Das Jesus wieder lebte, dafür gab es etliche Zeugen. Wenn er göttlich war, konnte er nicht sterblich sein (ist unsterblich ein zwangsläufiger Bestandteil des Göttlichen oder umgekehrt schließt Sterblichkeit Göttlichkeit aus?).

Dann überrascht die Auferstehung nicht wirklich. Richtiger wäre wohl: Fortleben auch über einen zeitweiligen physischen Tod hinaus. Okay, Jesus ist göttlich. Dafür sprechen auch die zahlreichen Wunder, die in den Evangelien dokumentiert sind. Wer an dieser Stelle einwirft, dass sich die Zuschauer von Jesus ob ihren geringen Bildungsgrades nur täuschen liesen und alles Tricks waren: So viele liesen sich beständig foppen? Kein Mitwisser hat ausgepackt (spätestens im Rahmen der Christenverfolgung)? Und Jesus war als „normaler“ Mensch seiner Zeit den anderen in Naturwissenschaft und Medizin so viel weiter? Nein, dass klingt ebensowenig überzeugend wie die Behauptung, die Amerikaner hätten die Mondlandung sieben mal im Studio nur gespielt. Auch da haben 30.000 Menschen die daran beteiligt waren, nie ausgepackt und die Russen haben sich einfach mal so vorführen lassen. Sehr glaubhaft.
Mithin, Jesus war göttlich.

Also gibt es zwei Götter.. und da war da noch was mit dem Heiligen Geist (hierzu ein anderes mal)?

Aber sprach Gott, der Herr nicht in den Zehn Geboten: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben?

Also doch nur Gott-Vater?

Jesus ist für mich Gott. Gott ist Jesus. Und auch der Heilige Geist ist Gott.

Für mich ist Jesus nichts anderes als die Mensch gewordene Offenbarung Gottes. Es verhält sich so wie mit dem Wasser: Das gleiche Wasser kann uns einmal gasförmig, einmal flüssig und einmal fest erscheinen. Wir reden aber über das gleiche Wasser. Nur der Agregatszustand hat sich geändert. So verhält es sich für mich auch mit Jesus. Er ist Gott. Nur in einer anderen Form.

Was das für mich bedeutet? Dass das Leben Jesu und seine Worte direkt Gottes Ursprung sind. Hier erfahren wir direkt etwas von Gott, was wir in solcher Form zuvor kaum erfahren haben (beispielsweise aber die Zehn Gebote). Seine Worte haben fundamentalen Wert.



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Veröffentlicht3. März 2010 von bengoshi in Kategorie "gelesen