März 9

Alpha Kurs I

Ich habe letzte Woche einen Alpha-Kurs in unserer Gemeinde begonnen. Ich hatte im Vorfeld bereits einiges darüber gelesen, auch kritisches. In Vorbereitung zum Kurs begann ich, das Werk des Gründers Nicky Gumbel Fragen an das Leben zu lesen. Bevor ich meinen ersten Kurs-Abend beginnen konnte, rief ich noch einen Verwandten an, um zum Geburtstag zu gratulieren. Ich berichtete, dass ich sogleich einen Alpha-Kurs besuche. Ohje, dort wird der Heilige hervorgeholt und es sei evangelikal, hörte ich. Dies kam mir sehr bekannt vor, aber da wollte ich meine eigenen Erfahrungen machen. Da es sich überdies um eine katholische Gemeinde handelt, sah ich dem Einwand evangelikal gelassen entgegen (ob das auch wirklich ein Kritik-Punkt wäre, sei mal dahingestellt).

Direkt vor dem Kurs gibt es die Gemeinschaftsmesse der Gemeinschaft Chemin Neuf. Eine gute Einstimmung und Vorbereitung. Gestärkt durch die heilige Messe konnten die Spiele beginnen..

Der Kurs beginnt mit einem Abendessen im Gemeindesaal. An meinem Tisch saßen vier weitere Personen, wovon eine Frau der Gemeinschaft Chemin Neuf zugehörig ist. Die Tischnachbarn entpupten sich schnell als interessante Mischung. Wir sprachen dabei unter anderem darüber, warum wir den Alpha-Kurs besuchten. Eine Dame erläuterte, sie sei katholisch getauft. Nach einem Exkurs zum Buddismus habe sie den Weg zu den Ursprüngen gesucht. Als ihre Tochter geboren wurde, wollte sie diese christlich taufen lassen. Dabei musste sie überraschend feststellen, dass es nach wie vor keine Möglichkeit der christlichen Taufe gibt, sondern nur eine evangelische, katholische etc. Interessante Vorstellung. Jedenfalls wolle sie hier einen Weg zurück zum Christentum finden oder sich zumindest inspirieren lassen. Ein weiterer Tischnachbar sagte, er lese regelmäßig die Evangelien. Wenn sich alle an den Evangelien hielten, kämen wir Jesus nahe. Nun ja, ich habe noch keine evangelikale christliche Gruppe kennen gelernt, die sich nicht genau das auf die Fahnen schrieben..

Nach dem Abendessen hielt Pater Gerold Jäger CN den Vortrag Wer ist Jesus. Der Vortrag kann IMHO in Gumbel Fragen an das Leben nachgelesen werden (Kapitel 2: Wer ist Jesus). Das war an sich gut; aber da ich das Buch zeitnah vorher las, nahm es für mich etwas an Spannung. Abgekämpft von der Arbeit kam das meiner Konzentrationsstatus allerdings zugute. Sehr positiv war, dass auch zwischendurch kurze Pausen gab – es war bis dahin circa 20 Uhr.

Der Vortrag zeigt auf, dass es keine ernstzunehmenden Zweifel daran gibt, dass es Jesus als historische Person gab. Hiernach geht auf die Frage der Göttlichkeit Jesus ein. Nach Gumbel kann es sich bei Jesus nur um einen gerissenen Betrüger, einen Verrückten oder um Gottes Sohn handeln. Die ersten beiden Möglichkeiten werden dabei erwartungsgemäß ausgeschlossen.

Nach dem Vortrag gab es eine kurze Pause und danach fand man sich in Kleingruppen mit circa acht Personen und zwei Gruppenleitern zusammen. Das Thema des Vortrags wurde aufgegriffen und besprochen. Als der Gruppenleiter Fragen formulierte (Was hast Du beim Vortrag gedacht etc) kam es zuerst zu betretendem Schweigen, was auch zwischendurch immer wieder auftrat. Vielleicht hat es Methode, ich wäre eher versucht gewesen, dem etwas mehr Schwung zu verleihen (der auch da war, um keinen falschen Eindruck zu erwecken). Es gab eine kleine Vorstellungsrunde und die Teilnehmer erläuterten, wie sie zu dem Kurs kamen. Das Buddismus en vogue ist, bestätigte sich insofern, als das auch eine zweite Teilnehmerin andeutete, hier Erfahrungen gesammelt zu haben. Ich hielt mich dabei doch noch zurück, da ich weiß, dass ich bei Thema mit Freuden ins Reden kommen kann.. 😉

Themen die dabei angerissen wurden, waren unter anderen die Trinität. Da habe ich gerade erst etwas zu geschrieben. Ein weiterer Punkt, den ich selbst auch immer wieder spannend finde, war die Thematik Altes und Neues Testament und ihre Beziehung zu einander. Ein Teilnehmer führte an, dass Jesus den neuen Bund geschlossen habe (1 Kor 11,25). Das Alte Testament sei hierdurch hinfällig und habe nur noch die Funktion einer Chronik. Das sehe ich aber anders (wenn ich nicht so gegen künstliche sprachliche Veränderungen wäre, fände ich den Begriff erstes Testament ja angenehmer als den Begriff Altes Testament). Der Konflikt ergibt sich IMHO aus einer Stelle des Matthäus-Evangeliums (Mat 5,17-20): Meint nicht, ich bin gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Nicht um aufzulösen, bin ich gekommen, sondern um zu erfüllen. Denn, amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, soll vom Gesetz nicht ein einziges Jota oder ein einziges Häkchen vergehen, bis alles geschieht. Wer also auch nur eines dieser Gebote auflöst, und sei es das kleinste, und die Menschen so lehrt, der wird der Geringste sein im Himmelreich. Wer aber tut, was das Gebot verlangt, und so lehrt, der wird gross sein im Himmelreich. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, werdet ihr nicht ins Himmelreich hineinkommen.

Das heißt für mich: Angesagt ist nicht der Weg des geringsten Widerstandes, keine Kuschelreligion, sondern harter Tobak. Und wir reden hier ja über einen Ausschnitt aus der Bergpredigt, also auch nicht irgendeiner Stelle aus dem Neuen Testament. Die Speisegesetze hob Jesus auf (Damit erklärte er alle Speisen für rein, Mk 7, 19). Aber etwas wie die Beschneidung (Apostelgeschichte 15,6 und Römer 2,25). Und so ganz konsequent sind wir Katholiken (aber auch die Orthodoxen) da nicht: Ein Bischof muss ohne Tadel sein: der Mann einer einzigen Frau […]. (1 Tim 3,1). Nun ja. Die Auflösung dazu habe ich für mich noch nicht gefunden. Der Abend hat mir das Thema aber wieder vor Augen geführt und mir gezeigt, dass ich da noch arbeiten muss.

Der Abend schloss um 22 Uhr mit einem Gebet.

Resümee: Der erste Abend war angenehm und anregend. Ich bin gespannt auf den nächsten Donnerstag, wenn es weiter geht. Das nächste Thema ist Warum starb Jesus.

 


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Veröffentlicht9. März 2010 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis