März 21

Alpha Kurs II

Am Donnerstag war es wieder soweit, Alpha-Kurs II. Das Thema wog diesmal deutlich schwerer als beim letzten mal: Warum starb Jesus.

Meine erste Assoziation war, dass der Kurs von einem Anglikaner bzw. Protestanten stammt: Wäre er Katholik, hätte er vielleicht eher auf die Auferstehung geschaut als Kreuzigung… Die Auferstehung ist natürlich nicht ohne Kreuzigung möglich, aber gerade die Auferstehung ist das wunderbare, die Überwindung des Todes. Sie zeigt uns, dass mit dem Tod das Leben nicht vorbei ist. Das unser Leben nicht nur aus dem hier und jetzt besteht, lässt das eigene Koordinatensystem verändern, wenn man sich diese Tatsache vor Augen führt und sacken lässt.

Um die Kreuzigung zu verstehen, muss man in Begriff der Sünde eintauchen. Was ist Sünde und was hat sie für Folgen? Diese Begrifflichkeit ist IMHO besser von hinten aufzuzäumen: Die Sünde führt zu einem Abstand von Gott, durch sie entfernt man sich von ihm. Sünde kommt von absondern. Sünde ist also all das, was uns von Gott entfernt. Was das ist, erfahren wir von Jesus. Genauso erfahren wir von ihm, wie wir uns zu verhalten haben, siehe hierzu insbesondere die Bergpredigt (Mat 5-7). Das die Sünde uns von Gott entfernt, spüren wir gleichsam in menschlichen Beziehungen: Streiten wir uns mit jemanden, entfernen wir uns von ihm körperlich als auch gefühlsmäßig. Genauso entfernen wir uns von Gott.

Was hat es jetzt nun mit der Kreuzigung auf sich? Die Sünde wurde von Jesus durch die Kreuzigung hinweg genommen. Er hat unsere Schuld auf sich geladen, damit wir den Weg zu Gott finden. Man kann sich das auch als Schuldübernahme vorstellen: Ein guter Freund von uns hat Schulden, wir übernehmen sie, um sie von ihm zu nehmen. Jesus hat durch seinen Tod für unsere Sünden bezahlt.

Warum aber sagte Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mat 27, 46). Da landeten wir in der Kleingruppe wieder bei der durchaus spannenden Trinitätsfrage. Wenn Jesus Gott ist, wie kann er sich dann von sich selbst verlassen? Hier steckten wir dann leider etwas fest. Ich wühlte im Nachgang mich durch etliche Bücher um die Lösung Gumbels Fragen an das Leben – das Gute liegt so nah 😉 Als Jesus am Kreuz hing, nahm er alle unsere Sünden auf sich. Hierdurch wurde er von Gott, dem Herrn getrennt. Als ich das las, wurde mir diese Szene deutlich.

Erfahrung für mich aus diesem Abend (und durch die Nachbearbeitung): Die Kreuzigung hat für mich eine neue, besondere Bedeutung gewonnen. Ich kann umso mehr verstehen, warum der Karfreitag bei Protestanten einen Stellenwert hat, der uns dem Ostersonntag zusteht. Auch das Überdenken über den Begriff der Sünde war bereichernd und hat in die Tiefe dieser Begrifflichkeit ein wenig schauen lassen. Eine gute Anregung für neue Gedanken.

 

 

 


Schlagwörter:
Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht21. März 2010 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis