April 3

Alpha Kurs IV

 

Wie immer begann der Abend mit einem Abend-Essen. Die Gesichter sind zunehmend vertrauter.

Laut Gumbels Plan wäre an diesem Abend das Thema Warum und Wie bete ich gewesen. Statt dessen kam aber Wie kann man die Bibel lesen dran. Ob das einer der von unter anderem Denker geforderten Veränderungen am Alpha-Kurs ist? Wohl kaum, mag hier zwar ein didaktischer Hintergrund zu bestehen, trägt dieser jedoch mehr Form als Inhalt in sich.

 

An dieser Stelle muss ich doch etwas kritisch gegenüber Gumbel werden. Mir scheint es schon fast eine Evangelikale Tradition zu sein, aus einem sündigen Leben durch Selbststudium der Bibel sich selbst zu bekehren um hierauf zum Missionar zu werden. Fast so, wie es in der SPD zum guten Ton gehörte, sein Abi auf dem zweiten Bildungsweg gemacht zu haben. Während ich letzterem Respekt zolle, habe ich da an manchem Zeugnis Zweifel. Sind wir doch mal ehrlich: Die Bibel liest sich schwer. Ohne Erläuterung ist sie über nicht unerhebliche Teile un- und wenn nicht sogar missverständlich. Es ist schon eine Hürde, sich dem Projekt Bibel ohne Hilfe wie beispielsweise vorbereitenden Übersichten zu nähern. Und ja, ich lese gerne und viel in der Bibel und ich finde es immer noch und immer wieder spannend. Aber die Anfangshürden sind doch nicht zu unterschätzen. Daher meine Zweifel – und zu Hürden beim Bibellesen später. Was die Mission angeht – d’accor. Da wird mir die evangelikale Bewegung auch höchst sympatisch (und da zolle ich auch den Zeugen Jehovas Respekt, wenn ich Ihre Auffassungen und Art der Tätigkeit sonst nicht  zu teilen vermag). Zum Einen besteht das Missionsgebot für jeden Christ. Aus dem Missbrauch hieraus in der Vergangenheit (auch nicht gerade gestern) soll man lernen, aber nicht deswegen nicht die Mission einstellen. Wir unterlassen ja auch nicht die Nächstenliebe, auch wenn in Ihrem Namen Schindluder getrieben wurde. Zum Anderen ist es nicht gerade nur die Eigenschaft von Christen, dass sie über die guten Dinge, die sie erfahren haben, anderen Menschen berichten möchten. Man stelle sich mal vor, Freunden gegenüber würde einem „rausrutschen“, dass man gerade ein richtig gutes Buch gelesen hat. Aber man sei nicht bereit zu verraten, welches. Worum sollte es mit der Bibel anders sein? Ebenso wenn jemand verliebt ist – ist es eher normal darüber zu schweigen oder die Welt zu umarmen und es ihr zu erzählen? Kommt nicht vor? Doch: Ich war Strafverteidiger in einem Verfahren, bei dem für den Angeklagten ein Widerruf der Bewährung auf dem Spiel stand. Es war also ernst. Auf die Frage des Richters, welchen Familienstand er habe, ging ihm trotz der sichtlichen Last auf den Schultern ein Lächeln über das Gesicht und er antwortete: Frisch verliebt. Urkundsbeamtin und Richter lächelten sich an (über den Staatsanwalt reden wir an dieser Stelle besser nicht) und der Richter sagte nur für das Prokoll verschmitzt, also noch ledig. Solche Gefühlswallungen erzeugen Mitteilungsbedürfnis, das ist menschlich. Und das verhält sich bei der Glaubenserfahrung nicht anders. Okay, genug Abschweifungen.

 

Der Vortrag wurde von Pater Emmanuél CN gehalten. Zunächst werden Zahlen ausgebreitet, die micht an meinen (ausgezeichneten) Religionsunterricht erinnerten. Hiernach berichtete er über die Kraft, die in der Bibel steckt. Hierzu wurden Verse aus der Bibel genommen, um diese zu belegen. Der Vortrag war gut, inhaltlich möchte ich da aber wieder auf Gumbel Fragen an das Leben verweisen.

 

Interessant gestaltete sich die Kleingruppenrunde. Dort ging es gerade um das Verhältnis zur Bibel und um die eigene Herangehensweise. Es stellte sich dabei heraus, dass eine Mischung aus der Sprache der Bibel, Unkenntnis hierüber und Vorbehalten gegenüber dem Glauben / Kirche eine Barriere bilden. Also alles keine uneinnehmbaren Hürden. 🙂 Diejenigen, die Bibelleser sind, konnten ein wenig berichten, wann und wie sie zur Bibel fanden und den Weg durch sie. Ich sagte, dass mich als Jugendlicher das Stückchen hier und Stückchen da lesen aus dem Religionsunterricht genervt hat, so dass ich die Bibel einmal von der ersten bis zur letzten Seite durchlas. Ich riet jedoch davon ab. Dieser Einstieg animiert nur hartgesottene zum Durchhalten. Das animierte gleichwohl eine Teilnehmerin, diesem zu folgen. In der folgenden Woche war sie schon bei Numeri angelangt. Möge ihr die Schrift Kraft und Erholung spenden.

Wie kann man die benannten Hürden nehmen?

Bezüglich der Sprache der Bibel lohnt es sich, verschiedene Bibelübersetzungen anzuschauen. Ich las lange die Einheitsübersetzung aus meiner Schulzeit. Da diese Bibel sich langsam auflöste, wollte ich bei der Buchhändlerin meines Vertrauens unlängst eine neue erwerben. Dort wurde mir statt der Einheitsübersetzung die Züricher empfohlen. Ja, diese lohnt sich. Die Luther-Bibel ist sicherlich historisch interessant, doch lässt die Sprache Luthers die Sprachbarriere nicht geringer werden. Wer auf Jugendsprache steht, sollte sich mal an der Volxbibel der Jesus Freaks versuchen. Es lohnt sich, hier in einer guts ortierten theologischen Buchhandlung mit verschiedenen Ausgaben vertraut zu machen. Nicht zuletzt kann auch das Layout einen nicht unerheblichen Einfluss haben.

Fehlende Kenntnisse machen den Einstieg nicht gerade leicht. Vorne anfangen, oder beim Neuen Testament, zwischendrin – wenn ja, wo? Das macht es alles nicht besser. Des Rätsels Lösung liegt in einem Handbuch, das erst einmal Inhalt und Struktur schafft. Meine Empfehlung aktuell wäre Christian Nürnberger Die Bibel – was man wirklich wissen muss. Ein guter Einstieg um sich einen schönen Überblick zu verschaffen. Hiernach bzw. parallel würde ich – auch wen es komisch anmutet – Elmars Grubers Bibel empfehlen. Das ist „zwar“ eine Kinderbibel. Diese ist in 365 Geschichten aufgeteilt. Aber man darf ja mehr als eine Geschichte am Tag lesen. 🙂 Die Bibel streicht teilweise und bringt eine gut lesbare Sprache. Gleichsam sollte sie Lust schaffen, dann auch das Original zu lesen. Die Verweise zum Original sind jeder Geschichte vorangestellt.

Der Abend war einmal wieder viel zu schnell zu Ende. Das Thema ist aber mehr als interessant. Wie finde ich durch und zu der Bibel? Dazu wird es sicherlich noch den einen oder anderen Blog geben.

 

 

 


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Veröffentlicht3. April 2010 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis