April 6

Alpha Kurs V

Aufgrund des Gründonnerstag fand der Alpha-Kurs diese Woche am Mittwoch statt. Zuvor gab es deshalb keine Gemeinschaftsmesse, sondern eine „normale“ Messe. Auch wenn mir die „reguläre“ Liturgie an sich gefällt, bin ich den Anpassungen durch die Gemeinschaft Chemin Neuf sehr zugeneigt. Und ohne es richtig benennen zu können, passt es irgendwie besser zum Alpha-Kurs. Vielleicht weil der Alpha-Kurs nicht die klassische Katechese darstellt.

Der Kurs begann wie üblich mit einem gemeinsamen Abendessen. Die Küche ist richtig Osten gewandert; eine leckere Pfanne aus Bambus, Tofu, Sojasprossen und anderen leckeren Zutaten. Beim Abendessen wurde schon deutlich, dass die Anzahl der Teilnehmer rapide abgenommen hat. Ob dies an den bestehenden Osterfeiertagen liegt oder Teilnehmer dauerhaft ausgestiegen sind, wird sich dann noch zeigen.

Wie im letzten Beitrag beschrieben wurden die Themen getauscht, so dass wir diesmal Warum und wie bete ich behandelten. Hier liegt ein Kern eines jeden Gläubigen. Wann hast Du das letzte mal gebetet? Betest Du? Fragst Du Dich, was das mit dem Beten überhaupt soll?

Der Vortrag wurde von unserem Kleingruppenleiter gehalten. Der Vortrag ist gut, ich verweise aber wie in den Beiträgen zuvor auf den Inhalt des Buches Fragen an das Leben von Nicky Gumbel, welcher de facto Autor des Vortrags ist. Das Gebet ist die Möglichkeit, mit Gott in Kontakt zu treten. Es wird dabei eine sehr spannende Frage gestellt: Warum soll ich meine Sorgen, meine Nöten, meinen Dank und meine Bitten vor Gott tragen? Weiß dieser nicht sowie so alles? Schaut niemand tiefer in mich hinein als Gott, der Herr?

Das ist schon richtig. Aber das Gebet ist die Form, wie wir mit Gott ins Gespräch kommen. Die kritische Selbstreflektion, die im Gebet mündet, erlaubt uns Sorgen vor Gott zu bringen. Wir können dabei das Vertrauen und die Gottes empfangen und genießen. Sowie wir auch einem guten Freund von unseren Sorgen berichten (und vielleicht auch ein zweites mal, obwohl er sie schon kennt), berichten wir auch Gott. Bei Gott dürfen wir hoffen, dass das Gebt erhört wird und er sich unser annimmt. Warum ein Gebet erhört wird und ein anderes nicht, bleibt Gottes Geheimnis. Wir sind zu klein, um dieses in ganzer Fülle zu durchdringen. Gumbel zitiert ein Interview mit Grahams Frau, die sagte, sie sei froh, dass der Herr nicht alle Gebete erhört hat. Sie hätte sonst den falschen geheiratet. Und das gleich mehrfach.

Mir kam es nur im Buch aber nicht im Vortrag so vor, als sei würde das freie Gebot besonders hervorgehoben; das tradierte Gebet dagegen als weniger wertig betrachtet. Vielleicht habe ich das Buch da auch missverstanden. Den Ansatzpunkt haben wir jedoch in der Kleingruppe aufgegriffen. Dabei kamen wir auch auf den Rosenkranz zu sprechen. Hierzu möchte ich mich an dieser Stelle kurz halten, dazu möchte ich noch mal einen eigenen Beitrag schreiben. Soviel nur: Der Rosenkranz schreckt von außen betrachtet sicherlich leicht ab. Wer den Mut hat, darin einzutauchen, wird Schätze finden. Der Meeresgrund ist regelrecht gefüllt damit.

Ein weiterer Punkt war die Frage, ob sich Gebete erhört wurden; was von allen Teilnehmern bejaht wurde.

Wie wird gebetet? Im Rahmen des Vortrags sprach auch ein Gemeindemitglied, der berichtete, er habe sich in seinem Schlafzimmer eine Gebetsecke eingerichtet. Eine Marienfigur und eine Kerze schmücken diese Ecke, in der allmorgentlich sein Gebet verrichtet. In der Kleingruppe wurde von den Teilnehmern, die regelmäßig beten, berichtet, wie das Gebet in den Alltag integriert wird. Interessant fand ich dabei die gemeinsame Erfahrung, dass weniger Beten nicht nur von Gott entfernt. Es wirkt sich auf das Leben aus, es fehlt etwas. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein 😉 Ebenso konnte die Erfahrung geteilt werden, dass es auch Zeiten gibt, in zwar gebetet wird, das Gebet kraftlos ist, keinen Kontakt schafft. Vielleicht liegt es gerade an einem schlechten Tag. Vielleicht ist es auch eine Phase oder Durststrecke. Das gehört wie zu jeder Beziehung dazu. Es kann aber die Chance sein, eventuell aufkommende Routine zu durchbrechen und gestärkt daraus hervor zu gehen.

Am Ende wurde gebetet; in einer für mich neuen Form: gegenseitiges Beten. Man stellt seinem Nachbar vor, wofür man sich ein Gebet wünscht. Der- bzw. diejenige trägt dieses Anliegen im offenen Gebet vor Gott. Hierzu muss man bereit sein, sich nicht nur vor Gott, sondern auch vor anderen etwas öffnen. Interessant war dabei aber auch die Erfahrung, sein Anliegend Dritten gegenüber zu offenbaren und Anliegend Dritter in ein Gebet zu formulieren. Das war spannend!

 

 


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Veröffentlicht6. April 2010 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis