April 24

Mixa – Notbremse

Mal ein Wort zu Bischof Mixa: Ich habe jetzt auf kath.net einen Bericht über Bruder Paulus Terwitte über sein Interview im Domradio gelesen. Das hat mich doch noch mal ein wenig nachdenklich gestimmt.
Als die Behauptungen aufkamen, Mixa hätte geschlagen, sprach ich mich noch für die Unschuldsvermutung aus. Daran halte ich auch fest. Die mediale Verurteilung ist falsch. Die Aufgabe der Medien ist es zu berichten, nicht zu richten. Dafür haben wir Richter. Diese können die Zeugen vernehmen, Glaubwürdigkeit einschätzen, den Angeklagten hören. Genauso wie ich mir damals vorstellen konnte, dass Mixa Gewalt ausgeübt hat, hätte ich mir auch vorstellen können, dass einige besondere Freunde dieses Bischofs die Gelegenheit beim Schopfe greifen, ihn abzusägen. Nicht das ich Mixa eine Träne nachweinte, aber das kann es auch nicht sein. Waren die Zeugen tatsächlich Opfer, stünde es aber auch nicht zu, sie zu diskreditieren. Wie auch immer, außer den Beteiligten (die Presse war seinerzeit ebenso beteiligt wie Du und ich) weiß es keiner. Und damit gilt der alte Satz: Wenn man keine Ahnung, Schnauze halten.
Soweit so gut.
Dann musste Mixa aber eingestehen, geschlagen zu haben. Und damit war das Fass übergelaufen.
Ja, Schläge mögen seinerzeit normal gewesen sein. Aber war Bischof Mixa hat gelogen. Der Skandal kocht schon einige Zeit. Da hätte ihm klar sein müssen, dass – wie auch sonst aber jetzt erst recht – Offenheit gefragt ist. Aber Mixa ist seit Jahren abgehoben und von nicht zu ertragenem Hochmut getragen. Der notwendige Fall kam jetzt.
Hat Mixa durch seine Entschuldigung nicht ein Recht auf Vergebung? Ja, hat er. Aber das setzt Reue voraus. Die Gewalt mit dem Begriff Watschen klein zu reden, zeugt nicht von Reue. Im Gegenteil, es zeugt davon, dass er immer noch nichts verstanden hat.
Jetzt las ich mehrfach den Vorwurf, Mitbrüder wie Erzbischof Zollitsch und Marx hätten durch ihre öffentliche Rücktrittforderung der Kirche geschadet. So etwas müsse man hinter verschlossenen Türen machen (wenn überhaupt). Zunächst einmal können diese Kritiker nicht sagen, was zuvor hinter verschlossenen Tür lief und nicht gefruchtet hat. Zum Anderen haben diese Kritiker immer noch nicht verstanden, was unsere Kirche in eine solche Krise gestürzt hat. Es sind gerade die verschlossenen Türen. Missbrauch ist ein schreckliches Verbrechen. Missbrauch gibt es aber überwiegend in Familien, aber auch in jedem Sportverein. Warum hat es die Kirche dann so getroffen? Das institutionelle Schließen der Türen gepaart mit hohem moralischen Anspruch hat uns dahin geführt wo wir jetzt stehen. Die Erzbischöfe Zollitsch und Marx haben der Kirche nicht geschadet, sie haben eine Notbremse gezogen. Im Übrigen musste der immer wieder auf Hochgeschwindigkeit gegen eine Mauer rasende Mix – Treibstoff waren Sachen wie Geldkoffernan der Grenze, Apfelkuchenbäckerin, Gebärmaschinen, sexueller Revolution mehr als höchste Eisenbahn – dringend gebremst werden. So sieht kein Hirte des Herrn aus.
Möge uns der Herr mit Hirten segnen.


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Veröffentlicht24. April 2010 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche