April 26

Gedanken zum Zölibat

Ich las vorhin über einen Tweet von Bruder Paulus einen lesenswerten Artikel in der SZ zum Thema Zölibat. Ein Thema, dass derzeit wieder stark im Gespräch ist. Ein paar Gedanken dazu:

  • Zwang zum Zölibat: Den Begriff Zwang in diesem Zusammenhang finde ich schon etwas eigentümlich. Wird jemand gezwungen, Priester zu werden? Nein. Wird dann jemand zum Zölibat gezwungen? Es gibt auch andere Berufe, die einen Zugangsregelung zum Beruf haben. Wer Mediziner werden will, muss, muss Abitur machen, drei Staatsexamina ablegen etc. Hier geht es nur um die Qualifikation? Ja, Priester ist eine Berufung, die mehr als nur das Handwerkszeug eines Theologiestudiums erfordert. Der Zölibat ist (nur) ein Teil davon.
  • Es gibt keine Grundlage in der Bibel: Jein. Beide Seiten lassen sich biblisch begründen. Gerade die Berufung auf die Apostelgeschichte findet nur bedingt meine Zustimmung, das ist kein Wort Jesus, sondern das seiner Apostel. Mat 19,12 ist Jesus Ansicht dazu.
  • Andere Kirchen machen vor, dass es ohne geht. Ja, und die katholische Kirche macht vor, dass es mit geht…
  • Zölibat fördert sexuelle Vergehen: Zum Einen finden die meisten Delikte im nicht-zölibatären (sondern im familiären) Bereich statt. Zum Anderen ist die sexuelle Orientierung nach derzeitigem Stand der Erkenntnis zu einem Zeitpunkt festgelegt, zu dem man noch nicht das Priesterseminar beginnt. Das steht aber unabhängig von der Frage, wie mit Tätern und Opfern sträflichst in der Vergangenheit umgegangen wurde (und hoffentlich nicht mehr wird). Dieser Umgang ist aber kein Problem des Zölibats. Zu meinen, Bei dem Irrglauben, Ansehensverlust durch Vertuschung vermeiden zu wollen, liegt der Fehler an einer anderen Stelle.
  • Priester müssen als Seelsorger auch Eheberatung und Kinderarbeit leisten. Als zölibatär Lebende sind sie dazu nicht in der Lage. Zunächst einmal hieße ja eine Aufhebung des Zölibats nicht, dass alle heirateten. Ferner: Wer fragt Lehrer, ob sie verheiratet sind und Kinder haben und spricht Ihnen Ihre Lehrqualität ab? Fragt man Ehetherapeuten danach? Kindergärtnerinnen?
  • Ordens- und Weltpriester: Die wünschte ich mir in der Diskussion gerne getrennt. Die Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam sind für mich mit dem Begriff Orden eng verbunden (auch wenn eine Gemeinschaft wie Chemin Neuf ein neues interessantes – und lobenswertes – Modell aufzeigt). Am deutlichsten fällt mir dies bei Heiner Geißler auf, dem ich sonst sehr zugeneigt bin. Wenn er als ehemaliger Jesuit den Zölibat kritisiert, wünschte ich mir diese Trennung.

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Veröffentlicht26. April 2010 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt