August 31

Statistik

Wie unterschiedlich man Statistiken lesen kann… Die Seitel kath-info.de lässt verlautbaren, dass von 1950 zu 2009 die evangelische Kirche nur 18 Millionen Mitglieder vorloren habe, die katholische Kirche aber nur 1,7 Millionen Mitglieder. Deutlicher: Die EKD hatte einst 42,2 Millionen Mitglieder und schrumpfte um 42,7% auf 24,2 Millionen; die katholische Kirche hatte 1950 23,2 Millionen und ist um 7,3% auf 23,2 Millionen gewachsen.

Dabei konnte die Plattform nicht umhin, der evangelischen Kirche nahezulegen, dass Zölibat einzuführen und sich gegen Abtreibungen einzusetzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich sowohl Befürwortet des Zölibats als auch Abtreibungsgegener bin. Letzteres den evangelischen Mitschwestern und -brüdern nahezulegen, ginge ich noch konform. Beim Zölibat kann man aber wahrlich geteilter Auffassung sein (jedenfalls gab es das bei den Urchristen unstreitig nicht). Neben diesem aus meiner Sicht unnötigem Rat fragte ich mich – stimmen diese Zahlen?

Zunächst fand ich keine Zahlen für 1950. Doch fand ich auf dem Portal der katholischen Kirche Deutschland, dass seit 1974 die Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche beständig sinken. Für vier Jahre gab es zwischenzeitlich einen Trend zu sinkenden Austrittszahlen, seit 2007 nehmen diese wieder zu. Dafür gibt es zwei Gründe: zum Einen der demographische Wandel zum Anderen mehr Aus- als Eintritte.

Auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz wurde dies mit einer Statistik von 1990 bis 2008 bestätigt. Die Zahl der Katholiken ging in diesem Zeitraum um rund drei Millionen zurück. Erstaunlicher fand ich bei dieser Statistik, dass gleichzeitig auch die Zahl der Gottesdienstbesucher zurück ging. Ich hätte ja eher erwartet, dass die unstetigen Geister die Kirche verlassen und der „harte Kern“ bleibt, den es allsonntäglich auch in die Kirche zieht. Hier wäre Ursachenforschung doch mal interessant.

Und dann konnte ich die Zahlen auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung zumindest für die katholische und indirekt für die evangelische Kirche bestätigt finden. Die Bundeszentrale liefert eine passende Erklärung gleich mit: Grund sind die Zuzüge. Aus aktuellem Anlass stelle ich mir die Frage, Herr Sarrazin, ob es der katholischen Kirche gerade durch die Migranten noch so gut geht (die Kirchensteuern hängen damit ja zusammen).

Ergo: Es gibt keinen Grund auf die evangelischen Geschwister zu zeigen. Auch wenn diese von den Austritten etwas mehr betroffen sind als wir, verdanken wir Zuzügen die Stabilität und nicht, weil wir so toll sind (sind wir natürlich trotzdem 😉 ).

Wir sollten uns mit den evangelischen Geschwistern also zusammen setzen und über eine neue Evangelisierung nachdenken, als diesen schlaue Ratschläge zu geben.

 


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Veröffentlicht31. August 2010 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt