September 9

Bücherverbrennung

Heinrich Heine war sehr weitsichtig, als er 1823 schrieb: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Auch er litt schon unter der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. Vielleicht bin ich als Deutscher immer mit diesem Zitat im Hintergrund gerade so allergisch, wenn es um das Verbrennen von Büchern geht.

Wie sich ja durch die Presse zieht, will vorher in der Bedeutungslosigkeit stehende amerikanische Pastor Terry Jones pünktlich zum 11. September Korane verbrennen. Aus seiner Sicht sei dies ein Werk des Satans und schon in der Apostelgeschichte stünde, solche Bücher müssten verbrannt werden. Steht das denn da so? Ein Blick in das 19. Kapital der Apostelgeschichte (Vers 1 bis 22) zeigt – ja, da wurden Bücher verbrannt. Aber – die Bekehrten brachten ihre Bücher und verbrannten sie. Es wurden also keine fremden Werke genommen und zerstört. Vielmehr haben diejenigen, die den rechten Weg fanden aufgeräumt.

Das überrascht nicht. Es ist nicht nur die Essenz der Bergpredigt, dass eine Umkehr von innen kommen muss. Was Jones da macht, widerspricht klar der Schrift und lässt sich mit Jesus Worten in nichts rechtfertigen (einzig das „Aufräumen“ vor der Synagoge ginge in diese Richtung). Der Vatikan hat sich bezüglich Jones auch klar positioniert.

Was dabei auch nicht überrascht: Die Medien zitieren teilweise sogar diese Stelle aus der Apostelgeschichte. Sie verschweigen aber, dass in der Form wie Jones es anführt so da nicht steht. Schade. Vielleicht sollte manch ein Journalist doch einfach mal zur Bibel greifen.


Schlagwörter:
Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht9. September 2010 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt