September 9

Ansprache im Bundestag

Die Tage kam es nochmal groß im Berliner Tagesspiegel, jetzt habe ich es auch auf domradio gelesen: Die Trennung von Staat und Kirche verbiete es, dass der Papst eine Rede im Bundestag hält. Ist das Ignoranz oder Unwissenheit – der Papst ist der (gewählte!) Vertreter eines von der UN anerkannten Staates. Seit wann dürfen Staatschefs nicht mehr vor dem Bundestag sprechen?

Und auch als Religionsführer – der Bundestag macht sich die Religion eines Redners nicht zu eigen, weil er ihn sprechen lässt. Im Gegenteil – das lädt zu einem notwendigen Dialog ein. Und ich wüßte schon mal gerne, ob die gleichen, die jetzt aufschreien, sich ebenso aus dem Fenster hingen, wenn der Dalai Lama spräche.

Im Übrigen behauptet der Schwanitz (siehe Artikel vom domradio), der Papst sei der letzte Monarch in Europa. Okay, lassen wir mal die Monarchen der repräsentativen Demokratien wie die Königsfamilien von Groß-Britanien, Belgien, Schweden, Spanien etc. mal außer acht. Aber die Erbmonarchien Monaco – viermal so groß wie der Vatikan und deutlich mehr Einwohner –  und Lichtenstein – noch größer als Monaco auch einige Einwohner – sind wohl nicht existent. Lieber Herr Schwanitz – ich war schon in Geographie wahrlich keine Leuchte . Aber ich muss feststellen, da gibt es Volksvertreter, die da deutlich mehr Nachholbedarf haben als meiner einer.

Mir kommt es eher so vor, als ob den Betreffenden die Auffassung der katholischen Kirche nicht passt. Und bevor man sich mit den Ansichten auseinander setzen müsste, würde man lieber gerne verhindern, dass die Ansichten der Kirche ausgebreitet werden dürfen und zum Dialog eingeladen wird. Ein Hoch auf die Freiheit!

Im Übrigen: Vor dem Bundestag sprach schon ein ehemliger KGB-Chef – da hatte ich wiederum leichte Bauchschmerzen. Die SED-PDS-Links-Fraktion verließ da nicht den Saal. Bei diesem Redner war die Freiheit wohl nicht in Gefahr.



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Veröffentlicht9. September 2011 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt