Oktober 26

Weltbild und der Acker

Der Weltbild-Verlag macht Schlagzeilen: Er verkaufe eroritsche und pornographische Produkte, die 50%ige-Tochter Droemer Knaur prodziere sie sogar. Ferner gebe es esoterische und satanistische Angebote.

Das führt dann zu so netten Überschriften wie „Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen„. Nein, nicht im Spiegel, sondern in der Welt. Da muss ich nicht mehr lange überlegen, was der Papst wohl damit gemeint haben könnte, wenn eine Entweltlichung fordert… Pornos verdammen und gleichzeitig gemäß dem Motto „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) Geld verdienen passt nicht zusammen.

Die Geschäftsführung dazu: „Die Verlagsgruppe Weltbild ist das größte Buchhandelsunternehmen Deutschlands und steht deshalb in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung. Ihr Sortiment erfährt eine ständige Prüfung hinsichtlich der Wertbindungen der kirchlichen Gesellschafter.“ Ja, bitte, prüfen. Es handelt sich um kein Monopol-Unternehmen, die Beziehbarkeit entsprechender Produkte ist jedem nach wie vor möglich. Aber doch bitte nicht bei Weltbild. Großes Kino fand ich ja den Kommentar einer Weltbild-Sprecherin: „Diese Artikel“ werden „nicht aktiv im Shop beworben, sondern nur passiv vorgehalten“. Erinnert mich arg an Clintons – ich habe nicht inhaliert, also auch nicht gekifft. Danke auch.

Nach den ersten Berichten klickte ich mich auf die Seite. Gab man das Stichwort Erotik ein, wurde man prompt fündig. Da hat mich schon gewundert, was Weltbild auch noch so alles an Esoterik-Gedöhns anbietet. Jetzt hat kath.net veröffentlicht, das man zumindest die Suchwörter Erotik und Porno rausgenommen hätte. Welche eine Leistung. Der Test: Man gebe das Stichwort SM ein und wird wieder prompt fündig. Da frage ich mich schon, ob die Verantwortlichen tatsächlich so entrückt sind, dass sie den Prüfungsauftrag gar nicht ernsthaft wahrnehmen können. Sachliteratur in dem Themenbereich würde ich verstehen, aber hier findet man ein buntes Programm an aufreizender Literatur. Auch unter dem Stichwort Crowley findet sich zahlreiches, was in einer katholischen Buchhandlung nicht liegen muss. Wie gesagt – hier geht es nicht um Zensur. Jeder der will, soll bei amamzon.com, libri.de oder wem auch immer das bestellen können. Aber nicht über die katholische Kirche.

Und müssen die Bistümer indirekt an einer Gesellschaft (Droemer Knaur) beteiligt sein, die auch aktiv produziert? Wenn schon Unternehmensbeteiligungen – wäre es nicht spätestens nach der grünen Rede des Papstes im Bundestag an der Zeit, sich in der ökologischen Landwirtschaft zu engagieren und zu investieren? Derzeit wird das Feld den Anthroposophen überlassen. Ich will Ihnen Ihr Feld nicht wegnehmen, aber ich wäre dankbar dafür, wenn die Bistümer statt in Erotik-Literatur in ungespritze Felder investierten.



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Veröffentlicht26. Oktober 2011 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt