Dezember 25

Der Bundesgerichtshof und der Glaube

Die Süddeutsche Zeitung berichtete über einen interessanten Strafrechtsfall: Bei einem Tatverdächtigen wurde eine Wanze in seinem Auto montiert. Während er alleine fuhr, führte er ein Selbstgespräch und gestand dabei einen Mord. Die Frage war, ob eine solche Aussage verwertbar ist. Ist sie nicht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt entschied. Nach dem BGH ist das Selbstgespräch keine Form der Kommunikation, sondern wie ein Gedanke zu behandeln. Und Gedanken sind – das entsprechende Lied dürfte bekannt sein – frei. Soweit so gut. Aber dann wurde es erst richtig interessant:

„Und die Frage, was genau ein Selbstgespräch ist, wird weiter diskutiert werden. Ein Gebet – wenngleich durch die Religionsfreiheit geschützt – sei jedenfalls keines, sondern Kommunikation, hatte Fischer in der Verhandlung angemerkt. Was ihm den Widerspruch eines Rechtsanwalts eintrug: ‚Gott antwortet nicht.‘ Darauf [der Richter] Fischer: ‚Manchen antwortet er.'“

Damit dürfte nunmehr durch ein Bundesgericht festgestellt worden sein – das Gebet ist ein Dialog mit Gott. Vielleicht nicht für jeden, aber für manchen. Dazu fällt mir nur ein: „Suchte und ihr werdet finden.“ (Lk 11,9)

 



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Veröffentlicht25. Dezember 2011 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt