August 25

Ich nehme nichts aus der Messe mit

Ich finde es ja immer wieder interessant, über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen. So beispielsweise dieser amerikanische Artikel: Sinnegemäß übersetzt „Ich nehme nichts aus der Messe mit.“ In den frühen 60ern besuchten noch 75 Prozent der amerikanischen Katholischen die Messe, heute sind wir bei 25 Prozent. Der Artikel verweist auch noch einmal darauf, dass es sich um die zweitgrößte religiöse Gruppe in den Vereinigten Staaten handelt.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum ergibt sich aus der Überschrift – die Menschen nehmen nichts aus der Messe mit und bleiben ihr deshalb fern. Der Autor fährt dabei etwas aus der Haut und fragt, wie zur Hölle (in dem Zusammenhang sehr schön) man annehmen könne, etwas aus der Messe zu erhalten. Viele Menschen erwarten eine Show, bei der der Priester der Künstler sei. Aus seiner Sicht könne man auf eine solche Antwort nur die Gegenfrage stellen, was man in die Messe hineingebe.

Die Probleme sind anderswo die gleichen. Der Artikel hätte IMHO auch über Deutschland geschrieben werden können. Der Autor ist zur katholischen Kirche nach einer atheistischen Zeit wieder zurück gekehrt.

Die Gegenfrage des Autors ist gut, da zunächst einmal Gebet, Lobpreis und Fürbitten von den Gläubigen in die Messe hineingetragen werden sollen. Der Kritik mit der Erwartungshaltung einer Show will ich auch gar nicht widersprechen. Trotzdem lässt mich der Artikel mit einem unguten Gefühl zurück. Vielleicht sollte man die Antwort eben doch nicht so einfach hinwegwischen. Wie mein protestantischer Onkel immer so schön sagt – von Show-machen verstehen die Katholiken was. Daran liegt es glaube ich auch nicht. Eine Messe ist eben nicht nur ein Hineingeben. Sondern auch ein Empfangen – wie die Kommunion. Wer aber spirituell dabei nichts empfängt, dem hilft die Kommunion nicht, gleich welcher Form. Und der bleibt irgendwann weg. Pech gehabt zu sagen, hat wenig mit der Verkündigung der Frohen Botschaft zu tun, zu der wir alle beauftragt wurden.

Die Liturgie ist ein festes Gerüst und kein Gefängnis. Lasst uns Mut haben, auf diesem Gerüst aufzubauen und zu sehen, wie wir Menschen erreichen können, die bis jetzt keine Kraft aus der Messe schöpfen. Lasst uns mit denen, die kommen reden, was sie begeistert und was nicht. Schauen, was bei anderen läuft und wie sie Menschen begeistern. Mut haben haben, etwas zu bewegen. Oder wie der Heilige Vater auf dem Weltjugendtag gesagt hat – aufhören bequem zu sein und aus dem Sessel aufstehen. Und ja, vielleicht sollte öfter auch (!) die Frage gestellt werden, was Du zur Messe beiträgst.

Update: Der Heilige Vater hat das Schreiben „Vultum Dei Quaerere – über das kontemplative Leben in Frauenorden“ veröffentlicht. Und das heißt es in Artikel 4 § 2 (Seite 41):

Die gemeinschaftlichen Gottesdienste wird man hinsichtlich der Frage beurteilen, ob sie wirklich eine lebendige Begegnung mit dem Herrn darstellen.

Diese Frage stellt sich nicht nur für Frauenorden.



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht25. August 2016 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis