September 21

Deutschpflicht

Ich habe vor kurzem eine Tour mit den Ghettostrebern gemacht. Das kann ich nur weiterempfehlen. Dort sagte ein junger, ursprünglich aus dem Kosovo stammender junger Mann, dass er ditib für kein Problem halte, was eine mögliche Radikalisierung angehen. Dort kommen für fünf Jahre Imane aus der Türkei ohne Deutschkenntnisse her und gehen meist ohne erheblich bessere Kenntnisse wieder zurück. Damit sind alle muslimischen Nicht-Türken von den Predigten und einer Einflussnahme ausgeschlossen. Auch viele türkischstämmige Jugendliche sprächen dafür zu schlecht Türkisch. Dagegen trumpfen die Salafisten dadurch auf, dass sie perfekt deutsch können. Im Gegensatz zu einem Iman aus der fernen Türkei können die Salafisten die Sorgen und Nöten der Jugendlichen hier nachempfinden.

Gerade lese ich – mit dieser Ansicht ist der Mann nicht alleine.

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September 20

Tabu

Die Frage kommt ja immer wieder – gibt es noch Tabuthemen? Ja, eines dieser Themen ist Suizid.

Bei den 15- bis unter 25-Jährigen ist Suizid nach wie vor die häufigste Todesursache: Im Jahr 2011 starben 21,4 Prozent der verstorbenen männlichen Personen und 15,0 Prozent der verstorbenen weiblichen Personen dieser Altersgruppe durch Selbsttötung.

So sagt es die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit absoluter Selbstverständlichkeit gibt es in den Schulen Verkehrsunterricht, reden wir hier auch über die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Warum es noch keine verpflichtende Suizidprävention an den Schulen gibt, ist für mich unverständlichst.

Ich habe näher damit in Vorbereitung auf eine Jugendfahrt damit beschäftigt, bei der ich das unter anderem zum Thema machte. Es gibt faszinierende Studien, welchen deutlich messbaren Erfolg die Präventionsarbeit hat.

 

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September 19

Gibt’s nich‘, gibt’s doch

Es gibt Sachen, die gibt es nicht und es gibt sie trotzdem:

Man stelle sich vor, ein Priester sagt, er glaube weder an Gott, noch an Jesus oder den Heiligen Geist. Nicht einmal an ein übersinnliches Wesen irgendwie. Er sei ein klarer Atheist. Okay, kann man sein, ist halt irgendwie ungünstig.  Vor allem mit dem Job.

So ging es auch einer Pastorin der Vereinigten Kirche von Canada. Diese erklärte bereits 2001, dass sie an keine Person der Trinität glaube, auch nicht an ein göttliches Wesen oder ähnliches. 2013 erklärte sie dann, Atheistin zu sein. Es dürfte nicht verwundern, dass in ihrer Gemeinde keine Bibeln verwendet werden.

Dann tritt die Kirche zusammen und überlegt (!) ob diese Pastorin aus dem Dienst entlassen werden müsste. Ergebnis:

“In our opinion, she is not suitable to continue in ordained ministry because she does not believe in God, Jesus Christ or the Holy Spirit,” the church’s Toronto Conference Review Committee concluded in a 39-page report released Wednesday.

Trommelwirbel und jetzt kommt es – wie verläuft die Abstimmung?

“After prayer and much discussion,” the 23-person committee voted 19 to 4 in favour of a motion that found Vosper “unsuitable to continue serving.

Vier Leuten hätten das Dienstverhältnis fortgeführt. Klar, zum Sprecher der Metzger würde ich auch einen Veganer wählen.

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September 18

Quote

„Angelina Jolie fordert mehr weibliche Blauhelme“, titelt die epd, so wie auch andere berichteten. Von den 125.000 Blauhelmsoldaten 2014 waren gerade mal drei Prozent weiblich. Parallel dazu gab es immer wieder Berichte über sexuellen Missbrauch von UN-Soldaten. Da hat Jolie doch den Finger in die richtige Wunde gelegt. Das es für das Ergebnis schon einen Begriff gibt, ist erschreckend: Peackeeping Babies. Die epd schreibt:

Die Organisation steckt in einem Dilemma: Die UN haben keine eigenen Truppen, sondern bauen ihre Friedensmissionen aus Soldaten nationaler Armeen auf, die für ein paar Monate nur einen blauen Helm aufsetzen. Schon heute haben die UN Schwierigkeiten, genug Personal für ihre Missionen zu finden. DNA-Tests und Vaterschaftsklagen könnten Regierungen abschrecken, Truppen bereitzustellen.

Klar, dann lässt man das besser mit den Test. Moment, ich kann erstmal nicht weiterschreiben. Ich brauche beide Hände um meine gerade auf den Schreibtisch geknallte Kinnlade wieder zurückzuklappen.

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September 17

Marxsches Kapital

„Ich zitiere Karl Marx – Entschuldigung, ich zitiere Kardinal Marx.“ Ein schöner Versprecher des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein von der CSU Anfang September dieses Jahres in Tutzing. Nun ja, das kann ja mal passieren. Schließlich teilen beide nicht nur den Nachnamen, sondern auch ein gemeinsames Buch: „Das Kapital“. Selbiges vom Münchner und Freisinger Erzbischof liest sich leichter und beginnt mit einem Brief an seinen Namensvetter. Eine seichte und lesenswerte Einstiegslektüre in die katholische Soziallehre. Und so sehr ich vom Ergebnis her dort mitgehe – meine letzten Reste volkswirtschaftlichen Studiums ließen mir immer wieder die Stirn in tiefe Falten legen. Das „andere“ Kapital ist für Wirtschaftshistoriker, die nach den Quellen schürfen wollen oder für Menschen mit einer Neigung zum Masochismus.

 

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September 15

Obergrenze

Die Diskussion um die Obergrenze finde ich aberwitzig, heißt dies doch, dass wir Grundrechte zahlenmäßig begrenzen. Was für ein Wahnsinn dahinter steckt, merkt man, wenn man es auf andere Grundrechte überträgt: Die Pressefreiheit wird nur noch für die ersten 100.000 gedruckten Artikel gewährt, danach findet Zensur statt.

Damit nicht genug, fordert die CSU ja schon seit längerem eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr. Wie kommen die auf diese Zahl. Ich setze dem mal eine andere Zahl gegenüber – letztes Jahr sind fast eine Millionen Menschen aus Deutschland ausgewandert.

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September 14

Lorbeeren ohne Lorbeeren

Es gibt Themen die wichtig sind, mit denen sich Politiker aber nicht unbedingt Lorbeeren verdienen können, da das allgemeine Interesse eher gering ist. Die Frage, wie man Bundesrichter wird gehört sicherlich dazu. Obwohl die Bundesrichter unser Leben wesentlich mitbestimmen, ist gerade die Nominierung der Wahl derselben im politischen Nebel zu suchen. Diesem Thema haben sich die Grünen angenommen und gefordert, die Stellen auszuschreiben. Also auch für Bundesrichter ganz normale Verfahren einzuführen. Ganz nebenbei wollen sie auch Teilzeit-Bundesrichterstellen. Und weil so ein Thema eher zum Untergehen neigt, aber fundamental wichtig ist, möchte ich das hier erwähnen und danke für diesen Vorstoß sagen.

 

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September 13

Grenzen der offenen Gesellschaft

So titelt ein Artikel von Reinhard Müller in der faz vom 29. August 2016. Kam ich erst jetzt zu. Geht mal wieder um die Verschleierungsdebatte. Dabei schreibt er:

Was geht es den Staat an, was seine Bürger anziehen? Einiges. Jedenfalls halten es wohl viele für selbstverständlich, dass man nicht überall ganz ohne Kleidung herumlaufen darf. Auch aus dieser „natürlichen“ Lebensweise lässt sich eine Weltanschauung machen – ihr Ausleben kostet in unseren Breiten trotzdem ein Bußgeld.

In der Art habe ich das in letzter Zeit öfter gelesen. Da der Staat rechtens Nacktheit in der Öffentlichkeit verbietet, kann / soll / muss er auch die Verschleierung verbieten. Was mir fehlt ist die Frage, ob es wirklich in Ordnung ist, öffentliche Nacktheit zu sanktionieren? Ich brauche das nicht, verstehe aber nicht, warum ich das anderen untersagen sollte. Weil Kinder nackte Menschen sähen? Oh ja, Kinder sähen dann, wie Menschen aussehen. Dünn, dick, groß, klein, mit langem, mit kurzen, wie auch immer. Schlimm, schlimm, schlimm. Einfach so Natur. Der Fehler in diesem Argument liegt für mich in dem mangelnden Hinterfragen der Sanktionierung von Nacktheit. Sollen sie doch.

Und in manchen Landtagen und Stadien ist das Tragen von Bekleidungsmarken, die auch und vor allem von Rechtsextremisten genutzt werden, untersagt worden.

Ich gehe mal davon aus, Herr Müller hat im Termindruck wegen des Redaktionsschlusses nicht mehr wirklich nachgedacht. Auf der einen Seite Nackte, auf der anderen Seite Menschen, die eine menschenverachtende, volksverhetzende Meinung kund tun. Hoffentlich merkt das der faz-Autor noch selber, was er da eigentlich gesagt hat. Aber der Hammer kam im letzten Satz, welcher sich auf Verhüllung bezieht:

Und er kann und muss die im Auge behalten, die sich ganz bewusst in Symbole der Feinde der Freiheit kleiden – solange sie noch in der Minderheit sind.

Deutlicher kann man Islamophobie kaum vor sich her tragen. Zu „Feinden der Freiheit“ jede Kopftuchträgerin zu klassifizieren – das ist bester AfD/NPD-Sprech. Daumen hoch faz.

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