Oktober 31

Schöne neue Welt

Es passiert mir selten, aber ich bin gestern Abend bei Anne Will hängen geblieben. Selten deshalb, weil mir diese Art von Sendungen meist auf den Zeiger gehen: Es werden die Aussagen wiederholt, die bekannt sind. Der Erkenntnisgewinn tendiert gegen Null, während die Profilierungsversuche gegen unendlich tendieren. Fragen des Moderators werden nicht beantwortet (Frage: Wie ist das Wetter? Antwort: Heute ist Montag.) und auf Argumente der Gegenseite wird wenig bis gar nicht eingegangen.

Die Sendung war interessant, aber leider wurden zu viele Themen angeschnitten. Meines Erachtens wäre es besser gewesen, mit einem Thema in die Tiefe zu gehen, als viele Themen anzureisen. Da wurden unter anderem die Fragen gestellt, welche Auswirkungen die Kinder auf Digitales haben, welche Art von Arbeitsplätze die Robotik ersetzen, digitale Ethik (Stichwort Haftung für selbstfahrende Fahrzeuge), ob wir und wie wir die Digitalisierung aufhalten oder ändern können. Ein jedes Thema hätte die Sendezeit füllen können, ohne langatmig zu werden. Neu waren für mich zwei Dinge – einmal Manfred Spitzer. Kernaussage von ihm ist, dass die Digitalisierung für Kinder extrem schädlich sei. Da gibt es auch eine Reihe von Büchern von ihm. Okay, werde ich lesen. Mich interessiert, ob er auch Lösungsansätze anbietet. Nur Digitales verbieten halte ich für so realistisch wie Kinder zuckerfrei zu erziehen (ich meine zuckerfrei, nicht zuckerarm). Schöner Vorsatz, aber damit können Kinder keinen verantwortungsvollen Umgang lernen. Und im Zweifel sorgt das nur für noch mehr Hype, der bei jeder Gelegenheit von den Kindern befriedigt wird, wenn sie irgendwie Gelegenheit erhalten. Wir geben ja Kindern auch Taschengeld und haben keine Sorgen, dass sie deshalb zur kapitalistischen Heuschrecke werden. Aber nun gut, ich bin auf die Literatur gespannt.

Und zum anderen eine Aussage von Sascha Lobo. Danach würde Wissen auf Maschinen übergehen. Damit entstünden viele schlecht bezahlte wenig qualifizierte Jobs und nur wenige gut bezahlte qualifizierte Arbeitsstellen. Es käme zu einer Aufspreizung. Eine interessante Idee, aber ich denke, dass Gegenteil wird der Fall sein. Wir haben jetzt schon Probleme, ausreichend Jobs für Menschen zu finden, die keine hohe Qualifikation haben. Früher gab es mehr Pförtner, mehr Menschen, die den Hof fegten etc. Diese Tätigkeiten fallen aber durch Automatisierung fort. Im Zweifel findet das Fegen nachts durch einen Roboter statt. Dafür steigt die notwendige Qualifikation in vielen Bereichen. Der Automechaniker möge demnächst noch profunde Softwarekenntnisse mitbringen. Der Lagerarbeiter bitte schön auch mit ausgefeilter Warenwirtschaft klar kommen. Die Sachen aus dem Regal holen – das geht automatisch. Insofern liegt Lobo da aus meiner Sicht falsch. Und die von mir skizzierte Entwicklung macht mir Sorgen. Denn wir werden immer auch Menschen haben, denen es nicht mitgegeben ist, akademische Hürden zu erreichen. Gute Menschen, fleißige Menschen – aber keine intellektuellen Leistungsträger. Und diese müssen in der Gesellschaft ihren Platz finden. Dazu gehört es auch, sich selbst versorgen zu können, also von seiner eigenen Arbeit leben zu können. Das haben sich auch diese Menschen redlich verdient.

Katgeorie:frisch aufgeschnappt | Kommentare deaktiviert für Schöne neue Welt
Oktober 30

Zitat

Das gestrige Zitat vom Pfarrer von Ars konnte ich nicht verifizieren. Ich habe es in einem Vortrag von mir drin. Den habe ich zu einer Zeit erstellt, wo ich mir solche Zitate noch aus Büchern holte. Aber gleichwie. Ich bin auf der Suche danach über ein anderes gestoßen, dass mich nicht mehr losgelassen hat:

Das Gebet ist für die Seele, was der Regen für die Erde ist.

Lasst uns Regen für die Seele machen.

Katgeorie:Glaubenspraxis | Kommentare deaktiviert für Zitat
Oktober 29

Aussetzung

Ich habe jetzt die Woche das zweite mal eine Aussetzung gemacht. Die Monstranz wird dabei mit dem Allerheiligsten für eine Anbetung auf den Altar gestellt. Das ist nicht jedermanns Sache.  Und ich gebe gerne zu, dass meine letzte Anbetung schon ein Stück her ist. Das liegt schlicht an der Tatsache, dass diese zwar in unserer Gemeinde werktäglich ermöglicht wird, aber zur „besten Familienzeit“. Sprich abends, wenn es um Hausaufgaben, den Tag, Abendessen etc. geht.

Um so dankbarer war ich, so wieder zu Anbetung gekommen zu sein. Gefühlt war es eine neue Annäherung. Alleine die Schritte zum Tabernakel. So ein bisschen wie neu verlieben. Liebe? Ja, die Liebe Jesu Christi im Gebet zu erfahren. Und den Satz des Pfarrer von Ars wieder eindrucksvoll vor Augen geführt zu bekommen:

Er ist da.

 

Katgeorie:Glaubenspraxis | Kommentare deaktiviert für Aussetzung
Oktober 28

Beleidigung

Ich hatte jetzt das Glück, an einer Führung im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig teilnehmen zu dürfen. Das residiert im Gebäude des einstigen Reichsgerichts. Im Rahmen dieser Führung hörte ich eine Geschichte, die an sich nicht neu ist, mir aber unbekannt war und die ich teilen möchte:

Karl Liebknecht wurde dort nämlich 1907 angeklagt. Ich hätte ja Liebknecht bei der KPD verortet, aber die wurde erst 1918 gegründet. Jedenfalls hat er in einer Broschüre Beamte dazu aufgerufen, die SPD zu wählen. Dies brachte ihn vor das Reichsgericht – denn es sei eine Beleidigung für einen Beamten zu erwarten, so eine Partei zu wählen. Äh, wait what? Ja, fand das Reichsgericht so und verurteilte. Da er zusätzlich noch die Befehlsgewalt des Kaisers in Frage stellte, ging er dafür gleich mal in staatliche Vollpension. Die Ansage bei der Führung war für eineinhalb Jahre. Das Hauptproblem war wohl die Frage nach der Soldatenpflicht, aber gleichwie holla.

So und wie sichert man ab, dass die Justiz kaisertreu und konservativ war? Das konnte uns der Bundesrichter, der uns diese Führung dankenswerterweise zu teil haben ließ, auch sagen: Im Referendariat gab es kein Gehalt. Das ging damals noch drei Jahre. Und als Richter verdiente man die ersten ein bis zwei Jahre auch nichts. Richter konnte also nur werden, dessen Eltern einem nach dem Studium noch weitere vier bis fünf Jahre voll durchfüttern konnten. Das konnten sich nur Adlige und Großbürger leisten.

Katgeorie:frisch aufgeschnappt | Kommentare deaktiviert für Beleidigung
Oktober 27

Legalisierung

Die Diskussion um die Legalisierung von sogenannten weichen Drogen ist alt. Der Begriff der weichen Drogen finde ich verharmlosend. Aber zumindest für diesen Teil findet man viele Befürworter. Ich bin inzwischen soweit zu sagen, die Drogenpolitik des Verbots und der Verfolgung, die wir uns seit den 60ern anschauen, ist gescheitert. Wir betreiben einen riesigen Apparat der Menschen kriminalisiert und denen, die Hilfe brauchen, über längere Zeit den Zugang zu Entziehungskuren erschwert. Freigabe, Steuern drauf und mit diesen Mehreinnahmen und den Einsparungen aus der Justiz in die Prävention und in Möglichkeit des Ausstiegs investieren. Wer heute kein Kokain probiert hat, obwohl er es problemlos an der Warschauer Brücke, Görlitzer, Mauerpark und und und bekommt, der probiert es auch nicht, wenn es das für Volljährige rezeptfrei in der Apotheke gibt.

Was ich ja schon nicht mehr hören kann ist das Argument, dass der Staat mit einer Freigabe Drogen billigen würde. Billigt er Verfettung, weil er Cola, Burger und Pizza nicht verbietet? Ebensowenig billigt er Verfettung, weil Bewegungsmangel nicht unter Strafe steht. Es ist ein Stück Freiheit, rauchend, Chips essend auf der Couch Unterschichtenfernsehen zu schauen. Freiheit sind nicht nur glückliche Smoothies und Opernbesuche. Freiheit ist aus meiner Sicht einer der Kernelemente des Christentums: Nur weil Gott uns die Wahl gegeben hat, zwischen beidem zu entscheiden, sind wir wirklich frei. Freiheit heißt auch, trotz der Warnung auf die heiße Herdplatte zu fassen und sich die Finger zu verbrennen. Wäre da ein Gitter, gäbe es keine Wahl, also auch keine Freiheit.

Wie ich darauf komme – ich war einfach angenehm überrascht, in der Welt eine saubere Argumentation für eine völlige Legalisierung zu lesen.

Katgeorie:frisch aufgeschnappt | Kommentare deaktiviert für Legalisierung
Oktober 26

Manipulation

Der Artikel ist schon ein Stück her, aber ich bin jetzt erst im Rahmen einer gedruckten Auswertung darauf gestoßen – Sandro Gaycken beschwört die Gefahr der Manipulation der Massen durch die Filterwirkung von Facebook, Twitter, Google & Co. Dem will ich gar nicht widersprechen und will das gar nicht wiederkäuen. Ich gehe davon aus, dass das Thema bekannt ist. Die spannende Frage ist, was nun. Der angebotene Lösungsansatz:

Die Demokratie und ihre Institutionen müssen dagegen angehen. Die Algorithmen und Geschäfte der Datenkonzerne müssen transparent sein und überprüfbar werden. Unabhängiges, geprüftes Wissen muss verstärkt angeboten werden.

Die Regierung prüft die Algorithmen und damit im Zweifel sich selbst? Oder unabhängige Aktivisten, deren Objektivität sich kaum prüfen lässt und deren ehrenamtliche Zeit begrenzt ist? Kein Ehrenamt – wo kommt dann dafür das Geld her? Noch besser ist der Satz, dass unabhängiges Wissen verstärkt angeboten werden sein müsse. Wer bitte soll denn da der Anbieter sein? Doch nicht etwas der Staat selbst? Oder bedarf es ein Mehr an Zeitungen, die den Auflagenschwund nicht alle überleben werden. Ja, ich habe auch keinen guten Vorschlag. Aber einen solchen zu erarbeiten, wäre interessant. Analysen zu dem Thema gab und gibt es zuhauf. Und Pauschalurteile reichen nicht, auch wenn sie aus diesem Umfeld in der Form überraschend wirken:

Trotzdem muss der Gesetzgeber jetzt hart durchgreifen.

Ja, ja, kann ich da nur sagen. Werd erstmal konkreter, bevor Du hier den Kanther mimst.

Katgeorie:frisch aufgeschnappt | Kommentare deaktiviert für Manipulation
Oktober 25

EU und CETA

Aus meiner Sicht ist das ja wirklich schwierig mit der EU, weniger mit CETA. Es geht mir um die Ablehnung zweier (ja, nicht nur Wallonien) Regionalparlamente gegen CETA. Da wird schon von der „Zerstörung der EU“ schwadroniert. Na wie denn jetzt bitte. Auf der einen Seite wird sich beklagt, die Bürger werden nicht eingebunden. Werden die Bürger eingebunden, wird sich beklagt, dass sie nicht so reagieren, wie man das gerne hätte. Werden Bürger eingebunden und reagieren, ist das ja erstmal ein gutes demokratisches Zeichen. Demokratie kann dann immer etwas holprig und unberechenbar werden. Da hilft nur den Faktor Mensch rausnehmen. Im Ernst:

Da Problem ist doch ein strukturelles in der EU: Das Parlamente abstimmen müssen und die Bürger somit beteiligt werden – großartig. Das Prinzip der Einstimmigkeit ist jedoch ebenso fatal wie das Veto-Recht einiger weniger. Das Mehrheitsprinzip ist ein Prinzip der Demokratie und bedarf des Minderheitenschutzes. Ja, es ist ein blödes Gefühl, überstimmt worden zu sein. Das ist ein Prozess, den man in Gruppen immer wieder aushalten muss. Einstimmigkeit oder Veto sprechen jedoch oftmals für eine Geiselhaft (nicht Schutz!) von Minderheiten oder Stillstand. Also bitte mehr Parlamentsbeteiligung in der EU – aber nach dem Mehrheitsprinzip. Ganz gleich, ob man CETA jetzt haben will oder nicht.

Katgeorie:Politik | Kommentare deaktiviert für EU und CETA
Oktober 24

Bürokratie

Sechs von zehn Befragten (59 Prozent) meinen genau wie der ehemalige Papst, dass die katholische Kirche in Deutschland zu bürokratisch sei, nur 10 Prozent sehen das nicht so.

Schreibt yougov auf ihrer Seite. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich von denen aufgrund ihrer Erhebungsmethoden halten soll, aber das ist ein anderes Thema. 10 Prozent sehen das, unklar ist, was mit den 31 Prozent ist. An dieser Stelle muss ich Werbung für „Mehr Wissen vom Glauben“ machen. Ich habe dort ein Seminar zum katholischen Eherecht besucht. Da haben wir tapfer geübt, wann wer wo wie welche Erlaubnis und Schein braucht, um Heiraten zu können. Wer glaubt die katholische Kirche sei unbürokratisch, legt die Messlatte scheinbar bei Vogonen an.

Katgeorie:Amtskirche | Kommentare deaktiviert für Bürokratie
Oktober 23

Subordinationstheorie

Verkündet doch der Newsletter „Heute im Bundestag“, dessen Inhalte auch  im Netz verbreitet werden:

Dass die Schulverpflegung abwechslungsreich und gesund sein soll, darin seien sich alle einig, meinte Angelika Reiter Nüssle vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Doch kritisierte die Expertin den Ansatz des Antrags der Linksfraktion, der von oben nach unten Vorschriften machen wolle.

Mir geht es jetzt nicht um den eigentlichen Inhalt hinsichtlich der Schulverpflegung, was aber ein sehr wichtiges Thema ist. Mir geht es um die Kritik an der Linken, dass sie Vorschriften von oben nach unten machen wollen. Ja wie bitte, was denn sonst? Vorschriften von unten nach oben? Juristisch fand die Abgrenzung von öffentlichem zu privatem Recht (wichtig beispielsweise für den Rechtsweg, also vor welchem Gericht ich klagen muss) durch die sogenannte Subordinationstheorie statt. Die besagt, dass öffentliches Recht vorliegt, wenn es ein Über-/Unterordnungsverhältnis gibt. Wie das bei Vorschriften so der Fall ist. Das passt nicht immer ganz gut, deswegen ist heute die sogenannte modifizierte Subjekttheorie gebräuchlich. Vorschriften im Sinne von Verordnungen und Gesetzen sind der Natur der Sache nach etwas, was von „oben“ nach „unten“ geht.

Was mir dabei gleich noch mit übel aufstößt ist der Duktus, der das „die da oben“ und „wir da unten“ unterstützt. Auch wenn ich für das Problem des innewohnenden Stufenverhältnisses noch keine bessere Idee habe.

 

Katgeorie:Politik | Kommentare deaktiviert für Subordinationstheorie
Oktober 22

Metablog

In der Vergangenheit hatte ich immer das Gefühl, dass es an christlichen Blogs einen Mangel gibt. Da hat sich aber einiges getan. Einen schönen Ansatz liefert dazu jetzt theoradar.de, die versuchen als Metablog darauf zu schauen. Die wiederum entstammen dem ruach-Netzwerk. Auch da lohnt es sich, auf deren Seite einen Moment zu verweilen.

Katgeorie:frisch aufgeschnappt | Kommentare deaktiviert für Metablog