Oktober 5

Intelligenz

Kennt Ihr auch das Schema – Links sitzen die Intellektuellen, die Gebildeten, die Schlauen, Rechts sitzen die Brote, die Ungebildeten, die Dumpfen. Selbst bei Eigenkritik gehen Linke wie von einem Dogma davon aus. Das dieser Lehrsatz fehlerhaft ist, konnten wir neulich erst hören.

Bei Intellektuellen fallen Namen wie Bertolt Brecht, ein arbeitsloser Maler steht auf der schrecklichen Gegenseite.

Ich würde einer promovierten Chemikerin (mehrjähriges Auslandsstudium inklusive), so sehr ich deren Inhalte ablehne, aber keine mangelnde Bildung vorwerfen. Das ist bereits in der Vergangenheit kein Einzelfall.

Warum ist das so, wie das ist? Weil es schön einfach ist: Aus einem ich bin intellektuell, also bin ich links wird ein denke ich links, bin ich gebildet. Denkst Du anders, bist Du geistig Brot. Aber lass uns (!) Dir (!) nur Bildung zukommen, würdest auch auf den Pfad der Tugend kommen. Und wie der richtige Bildungskanon ausschaut, dürfen wir ex cathedra verkünden.

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, die eine Richtung zu erhöhen und die andere zu erniedrigen. Ich bin nur zunehmend davon überzeugt, dass man es sich mit dieser Einstellung zu einfach macht. Da kommen so Reflexe wie – wir haben eine Zunahme an Rechtsextremismus, also einen Mangel an Bildung. Lasst uns mehr Geld in die Schulen stecken, sinkt der Rechtsextremismus. Das ist an einigen Punkten zu einfach und folgt so einfachen Schemen wie wir sie eigentlich von der anderen Ecke erwarteten. Diese Diffamierung verhindert IMHO, dass wir uns mehr den Hintergründen widmen. Aber pauschale, einfache Rezepte verfangen sich doch zu gut. Auf beiden Seiten. Leider.



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Veröffentlicht5. Oktober 2016 von bengoshi in Kategorie "Allgemein", "Politik