Oktober 18

Unvorstellbar

Ich schrieb ja schon einmal über meine Theorie, wonach man sich links ein Eigentor mit der Vorstellung geschossen hat, dass hier das Intellektuelle säße und auf der anderen Seite die Tieferbegabten. Jetzt ist mir ein wundervolles Beispiel dafür über den Weg gelaufen: Die Stunde der Sexistinnen. Es geht um die Frauen, die sich nicht zum Feminismus bekennen.

Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen.

Schreibt die Autorin da, aber es mag der / dem einen oder anderen anders vorkommen. Und wer das anders sieht, ist verantwortlich, für das Unheil der Welt.

Ihr seid die treibende Kraft hinter weiblicher Genitalverstümmelung, ihr redet dem Imam nach dem Mund, dem Exorzisten, ihr macht für den lüsternen Guru die Beine breit und wettert gegen jene Frauen, die euer masochistisches Spiel nicht mitspielen. Ihr wolltet immer schon pinke Glitzer-Prinzessinnen sein und als weiße Märchenbräute vor den Altar treten und euren Töchtern jeden Samstag die Nägel lackieren und sie so lange mit Kinderschminksets und Barbie-Ausstattung zumüllen, bis sie den Weg zur Kosmetikerinnenausbildung für gottgegeben halten.

Selbst wer über kurze Statements versucht, sich damit auseinanderzusetzen, muss verlieren, denn er / sie kann es dann nicht verstanden haben:

Ihr habt kein bisschen begriffen, was Feminismus ist. Folgerichtig werdet ihr nicht müde, euch dezidiert davon zu distanzieren.

Da der andere nicht viel zwischen den Ohren haben kann oder für das eigene Weltbild haben darf, kann man da hinschauen:

„So eine“ seid ihr nicht und wollt ihr auch nicht sein. Weil ihr nur in Äußerlichkeiten denken könnt, glaubt ihr, Feministinnen sind die Frauen mit den fettigen Haaren. Die, die sich weigern, ihre Beine und Achselhöhlen und Bikinizonen zu rasieren. Ihr glaubt, Feministinnen haben irgendwie ein Problem mit Männern, sind frigide oder lesbisch oder beides. Und weil ihr eure Männer liebt, glaubt ihr, Feminismus wäre Hochverrat.

Zurück zu meiner Theorie – dieser Artikel stützt sie mit

Ihr seid, lasst es mich ganz offen sagen, strohdumm.

Für postuliere ich Godwin-Law-III:

Im Laufe einer Diskussion um politische Richtungen kommt noch vor Godwin-Law-I das vermeintliche Argument der Dummheit und Unverstandenheit der Gegenseite.

(Godwin-Law-I und Godwin-Law-II.)

Inhaltlich würde ich dem Artikel ja in vielen Punkten zustimmen, wünschte mir aber inhaltliche Auseinandersetzung mit der Gegenseite. Das ist eine krude Mischung von Behauptungssätzen und Polemik. Schade Telepolis für die verpasste Chance.



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Veröffentlicht18. Oktober 2016 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt