Oktober 27

Legalisierung

Die Diskussion um die Legalisierung von sogenannten weichen Drogen ist alt. Der Begriff der weichen Drogen finde ich verharmlosend. Aber zumindest für diesen Teil findet man viele Befürworter. Ich bin inzwischen soweit zu sagen, die Drogenpolitik des Verbots und der Verfolgung, die wir uns seit den 60ern anschauen, ist gescheitert. Wir betreiben einen riesigen Apparat der Menschen kriminalisiert und denen, die Hilfe brauchen, über längere Zeit den Zugang zu Entziehungskuren erschwert. Freigabe, Steuern drauf und mit diesen Mehreinnahmen und den Einsparungen aus der Justiz in die Prävention und in Möglichkeit des Ausstiegs investieren. Wer heute kein Kokain probiert hat, obwohl er es problemlos an der Warschauer Brücke, Görlitzer, Mauerpark und und und bekommt, der probiert es auch nicht, wenn es das für Volljährige rezeptfrei in der Apotheke gibt.

Was ich ja schon nicht mehr hören kann ist das Argument, dass der Staat mit einer Freigabe Drogen billigen würde. Billigt er Verfettung, weil er Cola, Burger und Pizza nicht verbietet? Ebensowenig billigt er Verfettung, weil Bewegungsmangel nicht unter Strafe steht. Es ist ein Stück Freiheit, rauchend, Chips essend auf der Couch Unterschichtenfernsehen zu schauen. Freiheit sind nicht nur glückliche Smoothies und Opernbesuche. Freiheit ist aus meiner Sicht einer der Kernelemente des Christentums: Nur weil Gott uns die Wahl gegeben hat, zwischen beidem zu entscheiden, sind wir wirklich frei. Freiheit heißt auch, trotz der Warnung auf die heiße Herdplatte zu fassen und sich die Finger zu verbrennen. Wäre da ein Gitter, gäbe es keine Wahl, also auch keine Freiheit.

Wie ich darauf komme – ich war einfach angenehm überrascht, in der Welt eine saubere Argumentation für eine völlige Legalisierung zu lesen.



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Veröffentlicht27. Oktober 2016 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt