November 2

Lesen

Ich las gerade den Artikel Wandlungen des Christentums in Deutschland von Thomas Petersen. Darüber bin ich gestolpert, als ich die Zeitung Die neue Ordnung entdeckte. Ich bin begeistert. Dieser Artikel ist unbedingt lesenswert. Ja, braucht man vielleicht eine viertel Stunde. Die ist es aber mehr als wert! Es geht um die Frage, wie sich das Christentum von der Gesellschaft entkoppelt hat und doch so enger zusammenhängt, als es manch einem bewusst und vielleicht lieb ist. Thomas Petersen ist Kommunikationswissenschaftler und Meinungsforscher. Und die Ergebnisse der Meinungsforschung trägt er in faszinierender Klarheit zusammen. Ich tue mich wirklich schwer, etwas zu zitieren, weil der Fülle der Themen in dem Artikel nicht gerecht wird. Es geht hier also nur am Rande um AfD, aber hierzu eine Passage:

Es ist diese Bindung vieler Deutscher ans Christentum, die in jüngster Zeit von der PEGIDA-Bewegung und anderen Grupperingen für ihre propagandistischen Zwecke ausgenutzt wird. Es ist in den letzten Jahren viel darüber gerätselt worden, warum ausgerechnet in Ostdeutschland viele Menschen den Appellen zur „Rettung“ des christlichen Abendlandes folgen, wo doch die meisten von ihnen gar keine Christen sind. Doch die Frage mißversteht die Art der Emotionen, die dabei geweckt werden. Es geht nicht um die Verteidigung einer Religion, sondern um den Wunsch, eine Kulturtradition zu bewahren, der sich auch diejenigen verbunden fühlen, die mit deren ursprünglich religiösen Wurzeln selbst nichts mehr anfangen können.

Und in diesem Zusammenhang muss man die später folgende Passage lesen:

Dabei ist die deutsche Bevölkerung weit davon entfernt, Moslems pauschal einer aggressiven Haltung zu beschuldigen. Eine im November 2012 gestellte Allensbacher Frage lautete: „Darüber, ob der Islam eine Bedrohung darstellt, gibt es ja ganz unterschiedliche Ansichten. Wie sehen Sie das: Halten Sie den Islam insgesamt für eine Bedrohung, oder sind das nur bestimmte radikale Gruppen, von denen eine Bedrohung ausgeht?“ Fast drei Viertel der Deutschen, 74 Prozent, antworteten darauf, daß ihrer Ansicht nach nur von bestimmten radikalen Gruppen eine Bedrohung ausgehe.

Wer übrigens glaubt, dass die Abwanderungsbewegung von den Christen zu den Atheisten stattfindet, sieht hier, dass dieses Bild nur teilweise stimmt:

Der Anteil derjenigen, die sagen, sie glaubten, daß es verschiedene Götter gebe, die alle ihren eigenen Bereich haben, ist von 1986 bis 2012 von 4 auf 10 Prozent gestiegen. Damit gibt es in Deutschland mehr Menschen mit solchen naturreligiösen Vorstellungen als Moslems.

Wie gesagt – einen Moment Zeit nehmen und lesen.



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht2. November 2016 von bengoshi in Kategorie "gelesen