November 7

Feiertage

Der Pressesprecher der Grünen Jugend Moritz Heuberger hat jetzt bei einer EKD-Veranstaltung erklärt, dass er die Abschaffung der christlichen Feiertage in Deutschland für denkbar hält. Immer mehr Menschen gehören nicht mehr zu einer christlichen Kirche gehören. Deshalb müsse in Frage gestellt werden, ob es gerechtfertigt sei, dass die die meisten Feiertag christlich seien (gelesen in der KNA).

Okay, dachte ich mir. Mal schauen, was die dazu schreiben. Und ich bin bei einem Beschluss ihres Parteitages von 2015 fündig geworden. Da lese ich dann

Da aber in allen großen Weltreligionen über die Jahrhunderte jeweils ein arbeitsfreier Tag entstanden ist […]

Nein. Nur in den abrahamistischen. Weder der Hinduismus noch der Buddhismus kennen etwas, dass dem Sonntag entspricht.

Es sollten nicht einzelne Religionen und ihre Festtage bevorzugt werden und grundsätzlich machen wir uns nach wie vor für eine konsequente Trennung von Staat und Religion stark. Wir setzen uns aber dafür ein, dass alle den Anspruch darauf haben sich an Tagen frei zu nehmen, wenn diese für sie eine besondere Bedeutung haben, religiöse Feiertage als solche jedoch abgeschafft werden.

Liebe Grüne Jugend – diesen Punkt haben wir in diesem Land bereits umgesetzt. Wer an einem Tag mit einer besonderen Bedeutung frei haben möchte, bekommt frei. Wir nennen das Urlaub. Ist im Bundesurlaubsgesetz sogar ganz säkular geregelt. Trotz des dramatischen Rückgangs der Christen in Deutschland reden wir neben einer Tradition immerhin doch noch von circa 60% der Deutschen, die Christen sind. Und ja, da sind Karteileichen drunter. Aber ja, dafür kenne ich viele, die sich als Christ eingruppieren, obwohl sie ausgetreten oder ungetauft sind. Also nehmen wir die Zahl mal wie sie ist. Und da reden wir von einer klaren Mehrheit. Und wenn Minderheiten darunter nicht leiden (nur Liberale stöhnen unter den freien Tagen), bin ich grundsätzlich schon dafür, sich an Mehrheiten zu orientieren.

Und ich werfe noch ein pragmatisches Argument in den Ring: Wenn wir was streichen wollen, dann als erstes den zweiten Weihnachtsfeiertag. Den gibt es sonst auch nirgends und das täte allen gleich weh. Und als nächstes Christi Himmelfahrt, um dem Alkoholmissbrauch vorzubeugen.

Glaubt Ihr denn wirklich und allen ernstes, dass dafür dann ein anderer Feiertag eingeführt wird? Eher friert die Hölle zu.

Es ist ein Armutszeugnis für die Gedenkkultur in Deutschland, dass der 3. Oktober, als patriotischer Tag der deutschen Einheit, ein Feiertag ist, am 8. Mai jedoch nicht gefeiert wird. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten, fordert die GRÜNE JUGEND, dass in Deutschland, so wie bereits in anderen europäischen Staaten, der 8. Mai als der Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, als der Jahrestag der Beendigung der nationalsozialistischen Gräueltaten zum gesetzlichen Feiertag wird. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie wir uns die Auswahl von Feiertagen auf Basis historischer Ereignisse vorstellen.

Doch, ich kann den 3. Oktober feiern und dem 8. Mai gedenken. Feiertage sorgen nicht für ein ausreichendes Gedenken. Das können wir an dem Gewinn an Freiheit mit der Deutschen Einheit sehen und den diesjährigen Protesten. Und wir sehen es noch an einem anderen Punkt: Wie viele wussten am Ende noch, warum der 17. Juni Feiertag war? Das war sicherlich keine 50-Euro-Frage. Und Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind auch Feiertage. Das sichert leider kein Wissen um diese Tage. Sorgt dafür, dass der Geschichtsunterricht erhalten und verstärkt wird und das an diesen Tagen das im Unterricht wirklich behandelt wird. Das Zeit, Mittel und Wille in den Schulen vorhanden ist, zu Gedenkorten zu fahren und das Thema nicht nur schnell abzuhaken. Da wäre allen mehr mit geholfen.

 



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Veröffentlicht7. November 2016 von bengoshi in Kategorie "Politik