November 9

Der Stürmer

Es gibt Momente, da bleibt einem Spucke weg. Da reicht auch kein Fremdschämen mehr. Ich hatte musste spontan an den Stürmer denken, bei dem ich dachte, wir hätte so etwas hinter uns gelassen. Nein, haben wir nicht. Das kommt jetzt auch noch mit einer christlichen Fahne daher: Kurier der Christlichen Mitte vom November 2016. Tapfer sein, das ist kaum auszuhalten. Überschrift des Kommentars auf der Titelseite: Hetzjagd auf die AfD. Da kommt dann:

Die AfD ist eine nationale Partei, die das deutsche Volk erhalten und vor einer Überfremdung bewahren will.

Tatsächlich sind Deutschlands Existenz und Identität ernsthaft bedroht. Ein Blick in unsere Innenstädte zeigt: Es wimmelt von Menschen mit fremdländischen Aussehen und unverständlichen Sprachen. Und täglich werden es mehr. Sie kommen ins Land, um sich mit Deutschen zu vermischen oder sie zu verdrängen und schließlich ganz auszuschalten. Pläne zur Abschaffung des deutschen Volkes existieren schon lange. […] Zu der Gefahr der Überfremdung kommt noch eine andere hinzu: Die meisten Fremden bringen eine barbarische und antichristliche Religion mit, die z.B. keine Menschenrechte kennt. […] [Merkel] arbeitet ganz bewusst und zielstrebig an der Vermischung des deutschen Volkes mit außer-europäischen Völkern. […] Die AfD sagt Nein zur Fortsetzung des Völkermords am detuschen Volk! Nein zur Vernichtung der deutschen Kultur und Identität. Nein zur Vermischung des deutschen Volkes mit Menschen orientalischen und afrikanischen Ländern!

Schlussakte:

Deutschland erwache! Sieh wer deine Feinde sind und wo deine Freunde stehen! Die AfD steht auf deiner Seite. Stell dich auf ihre Seite!

Ich fühle mich da bestens an etwas wie Jud Süß erinnert. Und dann dachte ich mir – Moment – das mit dem „Deutschland erwache“ kennst du doch irgendwoher. Dann fiel es mir wieder ein. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken.

Die graben auch die Dolchstoßlegende wieder aus:

Die Mehrheit der Deutschen ist offenbar nicht mehr in der Lage, zwischen Freund und Feind  zu unterscheiden. Und das kann tödlich sein. Viele sind von Selbst-Hass und Deutschland-Hass erfüllt und sehnen die Vernichtung Deutschlands herbei. Das ist pervers und schlimmer als der Tod.

Da lassen Verschwörungstheorien nicht mehr lange auf sich warten:

Man muss davon ausgehen, dass die Kanzlerin für ihre Einwanderungspolitik Anweisungen erhält.

Ich kann diese hasserfüllte und menschenverachtende Ideologie solcher Neonazis nicht verstehen. So etwas hier lässt mich verzweifeln. Bei den Kreuzzügen denke ich mir noch, dass die nur möglich waren, weil die wenigsten in der Lage waren, die Heilige Schrift zu lesen. Hätten sie das tun können, hätte jedem klar sein müssen, dass das Gebot der Feindesliebe das verbietet. Das Problem des Analphabetismus und der Notwendigkeit, mindestens Latein zu können, um die Schrift zu lesen, haben wir so nicht mehr. Wenn ich so etwas dann unter dem Namen „Christlich“ lesen, frage ich mich, ob die jemals und überhaupt gelesen haben, was Jesus predigte. Gebot der Feindesliebe – manchmal wird die auf eine harte Probe gestellt.

Update: Ich denke darüber nach, eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung zu stellen.



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Veröffentlicht9. November 2016 von bengoshi in Kategorie "Politik