November 10

Freie Schulbücher

Die neuen Schulbücher könnten digital und unter freien Lizenzen sein. Das lesenswerte Konzept klingt ganz vielversprechend. Aber wie bei anderen freien Dingen – beispielsweise Wikipedia – kommt immer wieder das Argument der Qualitätskontrolle. Das ist auch per se nicht von der Hand zu weisen. Im Zusammenhang mit der Wikipedia kann ich nicht mehr hören. Da scheint es mir ein stetiges Misstrauen zu sein, ohne zu sehen, dass sich neue Dinge wandeln und bewähren. Zurück zum Problem:

Das Zauberwort heißt Vertrauen. Auf den Inhalt der Kopierzelle in der Schule können sich Lehrer verlassen. Was sich dort an Schulbüchern befindet, hat eine x-fache Qualitätskontrolle durchlaufen. Die Schulbuchverlage passen ihre Bücher den Lehrplänen an.

Sie lassen sie von den Besten der Pädagogenzunft schreiben. Die Schulministerien der Länder prüfen die Schulbücher. Alles, was in diesem Raum auf den Kopierer gelegt wird, ist also abgesichert.

Aber wie steht es mit den Materialien, die im Netz herumschwirren? Einen Dieter Weltz bringt so eine Frage nicht aus der Ruhe. „Ich habe doch auch meinen Unterricht eigenständig vorbereitet“, sagt er. „Als Lehrer bin ich staatlich geprüfter Experte dafür.“ Und dann verweist er auf die Zahl seiner Downloads. Wenn Lernmaterialien Millionen Male kopiert werden, wie könnten sie dann schlecht sein? Weltz muss diese Frage gar nicht aussprechen.

Das mit der Anzahl der Downloads finde ich kein gutes Argument. Auch wenn die Bild-Zeitung die meisten Leser hat, wird sie dadurch nicht besser. Aber das mit dem Vertrauen ist ein Problem. Aber es gibt noch eins – Geld. Die Entwicklung solcher Schulbücher – egal ob digital oder analog – kostet Geld. Und die Werke aktuell zu halten auch. Mein Vorschlag:

Die Länder bieten eine koordinierte Internet-Plattform an. Jedes Land oder Zusammenschlüsse von Ländern schreiben für fünf Jahre ein Lehrbuch aus. Wer die Ausschreibung gewinnt, muss es erstellen und für fünf Jahre aktuell halten. Dafür gibt es Geld vom Land. Direkt. Bildung ist Landesaufgabe. Und da sich weder immer alle Länder einigen werden noch alle Lehrpläne gleich sind, wird es mehrere Bücher für jedes Fach geben. Und nach fünf Jahren wird es Neuauflagen und Altauflagen geben. Die Lehrer wählen aus diesem Portfolio und stellen ihren Unterricht zusammen.

Das mit dem „staatlich geprüften Experten“ finde ich bei den Lehrern eine gute Idee. Die Bundesländer plus Privatschulen müssen ja wissen, wer Lehrer ist. Ansonsten müssen die ihre Urkunde vom Referendariatsexamen einmal scannen oder faxen. Wer sich soweit ausgewiesen hat, erhält einen Zugang und kann weitere Materialien online stellen. Stellt noch eine Bewertungsfunktion dazu und das ganze geht seinen Weg.

Die Schüler erhalten einen vernünftigen eBook-Reader am Anfang. Die Taschen werden leichter und auf Hefter muss nicht verzichtet werden – ich sage deshalb nicht, dass ich das Schreiben per Hand abschaffen will.

Ach ja, was wäre das für eine schöne neue Welt.

 



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Veröffentlicht10. November 2016 von bengoshi in Kategorie "Politik