November 21

Bildungspanik

Ich habe gerade Bildungspanik – Was unsere Gesellschaft spaltet von Heinz Bude gelesen. Zu dem Buch kam ich, da ich einen Vortrag von Heinz Bude sah. Und der war sensationell. Noch während des Vortrages recherchierte ich, was er so veröffentlicht hat und bestellte ein Buch. Jenes. Mit rund 140 Seiten lässt sich das flott durchlesen, zumal der Schreibstil gut ist.

Heinz Bude ist Soziologe und hat einen Lehrstuhl für Makrosoziologie inne. Wer mal die Gelegenheit hat, ihn live zu erleben, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Zurück zum Buch. Das lohnt sich für jeden, der sich für die Beziehung von Bildung und Gesellschaft interessiert. Da kann sich bestimmt jeder den einen oder anderen Denkansatz holen. Da es ein recht schmales Heft ist, kriegt man das auch mal schnell zwischendurch durchgelesen. Als Beispiel, was mir neu war: Japan und Südkorea werden auf den Thron ob ihres guten Abschneidens bei PISA gehoben. Eine Begründung ist das dortige Gesamtschulmodell. Was bei dieser Begründung aber vergessen wird – die Schule ist dort ist vergleichsweise soft. Die Siebung findet bei den Aufnahmeprüfungen zu den Universitäten statt. Damit die Schüler diese Aufnahmeprüfungen gut bestehen, gibt es ein breites Netz an privaten Schulen, die die Schüler alles eintrichtern. Die harte Zeit haben sie damit in den privaten Schulen, die Schule selbst ist eher der Ort zum Verschnaufen. Da diese privaten Schulen selbst finanziert werden müssen, drängt sich die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit auf. Das zeigt ganz gut, wie wenig die Situation als Argument für eine bestimmte Schulform eignet. Und umso mehr, wie wichtig es ist, bei solchen Vergleichen einen Blick für das Ganze zu haben.

Im Ergebnis – wer sich dem Thema Bildungschancen und -gerechtigkeit ein wenig tiefer widmen – ein Zeitungsartikel zu wenig, aber ein Fachbuch zuviel ist – ist mit dem Buch gut beraten.



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Veröffentlicht21. November 2016 von bengoshi in Kategorie "gelesen