November 30

Populismus

Mal ein schönes Beispiel aus der Printpresse für Populismus gefällig? Die Überschrift lautet:

Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Okay. Das mag ja sein. Und dann im Text:

Bei einer am Montag vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Düsseldorf veröffentlichten Umfrage berichteten 59 Prozent der in NRW befragten Lehrkräfte von Fällen, in denen Kollegen bedroht, beschimpft, beleidigt, gemobbt und belästigt worden sein. Bundesweit klagten laut VBE-Umfrage 55 Prozent aller Pädagogen über Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule. Ein Viertel (25 Prozent) aller Lehrer in NRW hatten Kenntnisse von psychischer Gewalt durch Schüler oder Eltern. Bundesweit waren es 21 Prozent. Acht Prozent der Lehrer bekundeten, bereits selbst tätlich angegriffen worden zu sein. Nach den Berechnungen des VBE sind landesweit 14500 Lehrer Opfer körperlicher Gewalt geworden. Zudem berichtete bundesweit jeder dritte und NRW-weit jeder vierte Lehrer von zunehmenden Fällen von Cybermobbing.

Dramatische Zahlen. An denen will ich nichts schönreden und deuteln. Aber… aber woraus ergibt sich eine Zunahme der Gewalt? Das ist alles ein status quo. Die Zahlen könnten im Vorjahr viel höher gewesen sein und es handelt sich in Wirklichkeit um eine Abnahme der Gewalt. Das oben ist nur ein Textausschnitt. Im folgenden Text kommt zu den Veränderungen aber auch nichts. Dabei lässt mich noch aufhorchen:

30 Prozent der Befragten gaben an, Übergriffe von Eltern und Schülern nicht gemeldet zu haben.

Das Thema ist seit einiger Zeit aktuell. Das mag die Anzeigebereitschaft erhöht haben. Dann gibt es mehr registrierte Straftaten selbst bei gleichbleibender Gewalt.

Ich komme aber zurück zu meiner Einleitung. Die Überschrift suggeriert etwas, was durch den Text kein Stück belegt wird. Es wird aber noch bunter, wenn man sich die Quelle mal anschaut. Die heißt aber erstmal neutral Gewalt gegen Lehrkräfte. Und wie misst sie diese Gewalt? In dem sie Lehrer befragt, ob sie glauben, ob die Gewalt gegen sie zu- oder  abgenommen bzw. gleich geblieben ist. So mag man ein Sicherheitsempfinden messen können. Um feststellen zu können, was wirklich passiert ist, taugt das ungefähr soviel, wie ein Knochorakel. Denn ob dafür mehr sensibilisiert sind, sich gegenseitig in Rage reden, angefeuert werden durch so einen Verband oder tatsächlich mehr passiert – darüber sagt das ganz leider nichts aus. Hoffentlich wollen diese Pädagogen am Ende nicht noch Medienkompetenz vermitteln.

Ach -. oben benannte Zeitung hat in der gleichen Ausgabe eine Debatte Auf welche Weise Social Media die Demokratie beeinflusst. Wenn ich mir das so anschaue, brauche ich keine Social Media für manches Desaster.



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Veröffentlicht30. November 2016 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt