Dezember 3

Verhaltenskodex

Volker Beck fordert einen Verhaltenskodex für soziale Netzwerke. Ja, das hat er gefordert. Lieber Herr Beck, das ist eine tolle Idee! Die ist sogar so gut, dass sie es 1995 in die RFC geschafft hat. Zu dieser Sammlung gehören wesentliche Elemente zum Internet. An sich sind das nur Vorschläge zur Kommentierung (Request for Comments), die aber faktisch dazu geführt haben, dass wir über einheitliche Formate beispielsweise E-Mails austauschen können. Nun, jedenfalls findet sich da für den Umgang mit Mails unter anderem:

A good rule of thumb: Be conservative in what you send and liberal in what you receive. You should not send heated messages (we call these „flames“) even if you are provoked. On the other hand, you shouldn’t be surprised if you get flamed and it’s prudent not to respond to flames.

Wir nennen das Netiquette, weil sich im Netz schon früh die Einsicht durchgesetzt hat, dass es einer Etikette bedarf. Parallel dazu gibt es die Wikiquette. Und bevor jetzt Reflexe ausgelöst werden: Normen wie Beleidigung und Volksverhetzung waren schon vor Verbreitung des Internets Straftatbestände. Das Internet war noch nie ein rechtsfreier Raum. Und auch seinerzeit scheiterte die Strafverfolgung an anonymen Delikten. Ja wirklich – ich wurde schon abends auf der Straße beleidigt. Es war zu dunkel und ging zu schnell, um denjenigen zu erkennen. Eine Strafanzeige war nicht möglich (wenn ich sie überhaupt gewollt hätte). Wollen wir deshalb jedem ein selbstleuchtendes Nummernschild auf die Stirn kleben?



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Veröffentlicht3. Dezember 2016 von bengoshi in Kategorie "Politik