Dezember 16

Landarzt

Das es an sogenannten Landärzten einen Mangel gibt, dürfte bekannt sein. Jetzt las ich bei der KNA (leider nicht verlinkbar), dass Bewohner mit Dörfern von weniger als 5.000 Einwohner im Schnitt fast eine halbe Stunde benötigen, um einen Facharzt zu erreichen. Das sei faktisch nur mit dem PKW möglich, was gerade bei einer Erkrankung problematisch sei. D’accord. Dann heißt es aber weiter:

Bei der Versorgung mit Facharztpraxen bestehe weiter eine deutliche Kluft zwischen ländlichen Gegenden und urbanen Zentren: Patienten in Städten ab einer halben Millionen Einwohnern erreichen ihre Kardiologen, Orthopäden oder Psychiater im Schnitt zehn Minuten schneller als Bewohner außerhalb der Metropolen. Auch gehe das in den Städten zu Fuß oder mittels öffentlicher Verkehrsmittel recht unkompliziert.

Also was die Versorgung mit Allgemeinärzten angeht, will ich gar nicht gegenhalten. Aber die eben genannte Differenz hört sich für mich erstmal nicht nach einem echten Mangel an, sondern an einem generellen strukturellem Unterschied zwischen Stadt und Dorf. Ein guter ÖPNV auf dem Dorf wäre wünschenswert, aber lange nicht so gut umsetzbar. Und zehn Minuten Differenz sind sicherlich für den Betroffenen schmerzlich. Aber bevor ich da von einem Mangel spreche, wäre doch ein Vergleich angebracht: Wie lange brauche ich zum nächsten Supermarkt, Baumarkt, Rechtsanwalt, Notar oder Polizeistation im Vergleich zwischen Dorf und Metropole? Sind das auch mindestens zehn Minuten mehr, indiziert das einen strukturellen Unterschied und keinen Mangel. Aber ich lasse mich da gerne eine besseren belehren..



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Veröffentlicht16. Dezember 2016 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt