Dezember 23

Absurdistan

Lehne Dich mal kurz zurück und stelle Dir folgendes vor:

Du leitest einen großen Laden und gibst eine Dienstanweisung heraus. In der steht drin – liebe Mitarbeiter, ich will Euch nicht alles haarklein vorschreiben, nutzt das was zwischen den Ohren ist. Jetzt könnte man denken, juhu, ein Chef, der mich für voll nimmt und der mir Verantwortungsbewußtsein zutraut. Es könnten sich aber mir unterstellte leitende Angestellte versammeln und sagen – hei, so geht das nicht. So per Mail. Das geht so nicht, weil wir wiederum wollen klar gesagt haben, wo es langgeht. Und im Übrigen sagen wir Dir, lieber Vorgesetzter auch gleich, wie und wo es langzugehen hat.

Was macht man da? So was lässt man erstmal liegen. Mögen die sich erstmal abkühlen. Tun sie aber nicht, sondern posten die Mail ins Intranet. Damit jeder Mitarbeiter weiß, wo der Hammer hängt. Was machst Du in einer solchen Situation? Abmahnung? Kündigung? Hiebe auf die Oberschenkel? Oder sagst Du Dir, was juckt es eine deutsche Eiche, wenn die Wildsau sich daran kratzt? Du entscheidest Dich für letzteres. Und darauf sagen sich diese Manager – das geht jetzt aber nun wirklich nicht. Und verkünden im Intranet, wann sie Dir eine Abmahnung schicken. Richtig gehört, nicht Du ihnen, sondern sie Dir. Und diese Manager haben tatsächlich einen Fall vor circa 600 Jahren gefunden, da hat schon mal jemand die Eier dafür gehabt. Nun, Genie und Wahnsinn liegen oft eng beeinander. Hier fällt es nicht schwer zu sehen, für welche Seite man sich entscheidet.

Die Geschichte ist absurd? Völlig gagga? Denkste. Die besten Geschichten schreibt die Wirklichkeit. Sowas kann man sich gar nicht ausdenken.



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Veröffentlicht23. Dezember 2016 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche