Januar 16

Milch macht müde Männer munter

Gudula Frieling hat einen wie ich finde sehr lesenswerten Artikel zum Thema soziale Marktwirtschaft und Kirche veröffentlicht. Ich will ihn gar nicht weiter kommentieren. Lest ihn selber. Die fünf Minuten sind es auf jeden Fall wert.

Dabei bin ich auf einen Punkt aufmerksam geworden, den ich herausgreifen möchte. Aber nicht wirklich in Bezug auf den Artikel; ich möchte also insoweit keine Kritik daran üben. Es geht um das Problem der Milchpreise.

Da kommen ja immer wieder die Hilferufe der Milchwirtschaft, dass die Milch zu billig sei. Der Staat müsse helfen, am besten natürlich mit Subventionen. Das Elend begann mit einer Überproduktion von Milch. Der Staat wollte das so nicht stehen lassen und hat für viel Geld diese Überproduktionen aufgekauft. Da ging das Debakel los. Und dann hat der Staat mit der sogenannten Milchquote reguliert. Am Ende waren auch die Bauern für die Abschaffung der Milchquote – weil sie dachten, sie könnten ihre Einkommen steigern. Also bitte weniger Staat, so die Bauern. Dann gingen die Preise für Futtermittel in die Höhe, die Milchpreise parallel runter und zu allem Übel verhageln Exportsperren Richtung Russland das Geschäft. Dann braucht man doch gleich wieder Staat, der Geld reinpumpt.

Nein, der Staat gehört da nicht rein. Warum können die Bauern nicht Vereinigungen ähnlich wie Gewerkschaften gründen, mit denen sie gegenüber den Molkereien passable Preise durchdrücken? Und wenn es zu viele Milchbauern geben sollte – ja, es ist hart, aber dann wird da Bereinigung stattfinden müssen. Ist irgendjemand auf die Idee gekommen, ein Hilfspaket für Schuster, Korbmacher oder Hutmacher aufzulegen, weil diese Berufe immer weniger werden? Und wenn es in der Straße den vierten Späti gibt, brauche ich kein Wirtschaftsamt, dass sich da einmischt. So wenig Staat wie möglich und so viel Staat wie nötig. Das ist eine scheiß liberale Einstellung? Das schließt eine soziale Marktwirtschaft nicht aus. Ohne die Möglichkeit der Aufstockung wäre ich da auch gegen einen Mindestlohn und hätte da genauso auf die Arbeit der Gewerkschaften verwiesen. Und auf Gewerkschaften zu verweisen gehört wohl kaum zum liberalen Forderungskatalog.



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Veröffentlicht16. Januar 2017 von bengoshi in Kategorie "Politik