Februar 9

Gedanken zu überhöhten Gehälter

Die Debatte kommt ja wie ein Komet immer wieder angeflogen. Sie kommt näher, wird durch einen Schweif größer und verschwindet bis zum nächsten Auftauchen – die Frage, wie hoch Gehälter sein dürfen. Ich komme darauf, weil ich gerade einen lesenswerten Artikel dazu las. Viele sind da ja angeschwemmt von Neid und Missgunst. Ich will in diese Diskussion mal drei Dinge zu Bedenken geben:

  • Kritisiert wird zum Teil, dass auch die hohen Gehälter steuerlich abzugsfähig seien. Ja natürlich sind sie das. Und auf der Empfängerseite unterliegen sie der Besteuerung. Wie jedes Gehalt. Warum das ab einer gewissen Höhe (welcher?) anders sein sollte, leuchtet mir nicht ein. Im Übrigen wäre das wieder mal eine Ausnahme mehr – wer solche Forderungen stellt, möge sich bitte nicht wegen der Komplexität des Steuerrechts beschweren. Wird da etwas auf der Einnahmenseite nicht besteuert, ist das eine andere Wiese. Da muss die Sense gezückt werden, um sie schön kurz zu halten.
  • Teilweise wird der Einwand erhoben, dass es moralisch verwerflich sei, solche hohen Gehälter zu zahlen. Das mag sein. Aber mal abgesehen davon, dass die Grenze des moralisch verwerflichen im Zweifel willkürlich gewählt werden muss – hast Du Dir schon mal überlegt, was mit dem Geld passiert, was dann nicht als Gehalt ausgezahlt wird? Das bleibt als Mehr-Gewinn bei den Gesellschaftern hängen. Ob das Geld jetzt an der Stelle oder der anderen besser aufgehoben ist, darüber möchte ich nicht urteilen. Aber die Gesellschafter haben durch die Wahl des Aufsichtsrates, welcher wiederum den Vorstand wählt, indirekt demokratisch diesem Verzicht zugestimmt. Wo ist denn jetzt die Beschwer? Müssen wir hier in diese Freiheit eingreifen?
  • Wer Begrenzung schafft, schafft keine Grenzen, sondern Kreativität. Für Berater ist das doch eine sportliche Herausforderung, wie diese umgangen werden können. Ist es uns das Thema wert, auf ein Katz- und Mausspiel einzulassen? Im Fall einer Nicht-Besteuerung wie unter dem ersten Punkt würde ich sagen, ja. Hier sehe ich da keinen Sinn drin, weil es gesamtwirtschaftlich (weniger beim Gesellschafter, mehr bei der Spitze oder umgekehrt) keinen Unterschied macht.

 



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Veröffentlicht9. Februar 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt