Februar 10

Gefühltes Unrecht

Es gibt Sachen, da interessiert doch eigentlich mehr das Gefühl, als harte Fakten. Die gefühlte Temperatur ist sowas. Schön zu wissen, dass draußen x° Celsius ist. Aber eigentlich interessiert mich, ob ich eine dicke oder dünne Jacke brauche. Eine Zeit lang wurde das sogar in den Nachrichten angesagt. Gleichzeitig zeigt das aber auch, dass Gefühle täuschen können. Der Wind verändert die gefühlte Temperatur, eine Hand vom kalten ins lauwarme Wasser gaukelt eine andere Temperatur vor etc.

So ist es auch mit der Gerechtigkeit. Anders ist es nicht zu erklären, dass es immer mehr Menschen bei uns besser geht, gleichzeitig aber immer mehr Menschen das Gefühl haben, dem wäre nicht so. Die Kriminalität sinkt, aber die Angst davor nimmt zu. Aber es lohnt sich mit der Gerechtigkeit auseinanderzusetzen. Einen schönen Einstieg liefert dieser Artikel in der Zeit. Ich hatte in der Uni mal die Gelegenheit, mich mit dem Thema Steuergerechtigkeit auseinander zu setzen. Kein triviales Thema, wenn man mal den Stammtisch verlässt. Die Metaebenee, über die der Zeit-Artikel schreibt, ist es noch weniger. Wollen wir aber wieder Vernunft in die Debatte bringen, müssen wir darüber mehr nachdenken und mehr diskutieren. Sonst können wir die Polizeistatistik abschaffen und nur noch Umfragen zur gefühlten Sicherheit einführen. Bei der Wahl scheinen wir das scheinbar teilweise bereits verwirklicht zu haben.



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Veröffentlicht10. Februar 2017 von bengoshi in Kategorie "Politik