Februar 23

Dienstpflicht einführen, Wehrpflicht abschaffen

Die Wehrpflicht nach Art. 12a Abs. 1 GG ist nicht abgeschafft, sondern lediglich ausgesetzt. Dies war einfachgesetzlich möglich, da das Grundgesetz „nur“ sagt, dass Männer zum Wehrdienst herangezogen werden können, aber nicht müssen. Ich fand den Zustand schon zu meiner Wehrdienstzeit verfassungswidrig, da die Verweigerung nicht ernsthaft mehr geprüft wurde. Ein Klassenkamerad behauptete damals in seiner Verweigerung, dass er Katholik sei und deshalb aus religiösen Gründen verweigere. Auf meine Nachfrage hin sagte er, er habe das so aus einer Vorlage abgeschrieben. Er sei weder jemals getauft noch sonst irgendeinen Kontakt zur Kirche gehabt. Nichts wäre leichter nachzuprüfen gewesen, ob er Kirchenmitglied ist. Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe mir damals schon gewünscht, dass man einfach ein Kreuz setzt, was man machen möchte. Mein Problem ist, dass die Verfassung so nicht gelebt wurde. Man hätte sie ändern sollen. Ich war wahrlich nicht freiwillig bei der Bundeswehr. Anders ausgedrückt – ohne Wehrpflicht wäre ich da nie hingegangen. Als ich da war, dachte ich mir, dass könnte ich mir zumindest etwas länger vorstellen. Mein Vater ist so seinerzeit beim Bundesgrenzschutz gelandet und geblieben (damals eine möglich Alternative zur Bundeswehr). Ebenso habe ich bei der Bundeswehr einige Offiziere kennengelernt, die so „hängen“ geblieben sind. Das hat der Bundeswehr Menschen und nicht nur Leute beschert. Zwar mag das Berufsheer professioneller sein. Aber vielleicht will ich das nicht gar nicht. Und einem Staat im Staate wirkt man so auch besser vor.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ging die Abschaffung des Zivildienstes einher. Ich hätte mir nicht denken können, dass es im Nachgang so viele im Freiwilligendienst gab und gibt. Das zeigt ja, dass es bei vielen jungen Menschen ein Bedürfnis dafür gibt. Was mich sehr freut und wofür ich dankbar bin.

Wie komme ich jetzt darauf? Weil sich jemand in der Zeit für eine Dienstpflicht ausspricht. Meine Motivation dafür ist eine andere und ich finde ein Jahr reicht. Ich würde auch um die Attraktivität der Bundeswehr zu fördern eine Dienstpflicht von zehn Monaten beim Heer und zwölf Monaten bei sonstigen Organisationen einführen. Aber für Männlein wie Weiblein, nach Wahl wo man hin möchte. Nachdem man von der Schulbildung von der Gesellschaft partizipiert hat, gibt man ein Jahr der Gesellschaft zurück. Ich wähnte das Thema beerdigt und freue mich, dass es jetzt in der Zeit nochmal aufgegriffen wurde.



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Veröffentlicht23. Februar 2017 von bengoshi in Kategorie "Politik