März 2

Kehrseite der Dienstleistungsgesellschaft

Im Pastoralblatt für die Diözesen Berlin und andere las ich jetzt einen Aufsatz von Reiner Nieswandt „Abscheid vom Konsumchristentum“. Drei bemerkenswerte DIN-A-5-Seiten. Er zitiert anfangs Ivan Illich, welcher schon vor vier Jahrzehnten auf die Probleme der Dienstleistungsgesellschaft hingewiesen habe: So wie Schulen Bildung und Medizin Heilung versprechen, so wird in der Kehrseite der Mensch unmündig, ja passiv. Es wird nicht das Notwendige gelernt (wobei man sich trefflich darüber streiten kann, was das denn sei) und statt auf bewährte und preiswerte Volksmedizin zurückzugreifen, werde man von Fachleuten diskriminiert.

Ja, das mag in Teilbereichen durchaus so sein. Eine interessante Analyse. Ich würde dem ja noch entgegen setzen, dass dies viel mit der zunehmenden Spezialisierung zu tun habe. Nichtsdestotrotz ist die daraus resultierende Passivität diesem Wandel mit geschuldet. Denn wo Dienstleistung existiert, gibt es auch Konsumenten. Und im Gemeindealltag kann man immer wieder beobachten, wie eine Konsumentenhaltung in Bereichen aufkommt, wo sie keinen Platz hat. Die katholische Kirche hat mit dem Tridentinischen Konzil gleichsam aber auch den Grundstein dafür gelegt. Vielleicht müssen wir da nach fast 500 Jahren trotz II. Vatikanums nochmal einen Schritt zurücktreten. In den Worten des zitierten Autors:

Eine Kirche der nächsten Zukunft wird darauf verzichten, ihre Glieder gegenseitig zu überhöhen oder zu erniedrigen. Vielmehr werden sich Kleriker und Laien, kirchliche Angestellte und ehrenamtliche Engagierte, sowie die vielen Suchenden oder passiv Erscheinenden auf Augenhöhe begegnen, um die spezifischen Charismen der bzw. des Anderen zu entdecken. Dies bedeutet den gewiss schmerzlichen Abschied vom „betreuten Christentum“.

 



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht2. März 2017 von bengoshi in Kategorie "gelesen