April 30

fehlender politischer Druck

Vielleicht kommt mir das nur so vor. Aber ich habe das Gefühl, dass die Ratifizierung von Abkommen der notwendige politische Druck fehlt. Aktuell komme ich wegen der Istanbul-Konvention darauf. Sechs Jahre nach Ihrer Verabschiedung hat die Bundesregierung kurz vor Torschuss es ins Programm aufgenommen, das Übereinkommen des Europarats vom 11. Mai 2011 zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt verabschieden zu wollen (nein, nein, ist noch nicht passiert). Es ist mitnicht so, dass das völlig unbekannt geblieben wäre.

Das ist kein Einzelfall. Da gab es fast eine internationale Blamage beim Klimaschutz, bei dem Korruption hat die damalige Bundesregierung mal gut über zehn Jahre gebraucht. Wer weiß, was da noch so wartet. Hier würde ich mir Arbeit von jemandem wie dem ehemaligen Nachrichtenmagazin wünschen. Die könnten sich da mal positiv profilieren. Rausfinden, was da fehlt, bekannt machen, Druck ausüben, monitoren.

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April 29

Kopftuchdebatte mal von einer anderen Seite

Als ein Rabbiner in Berlin verprügelt wurde, da er Kippa trug, rut der Zentralrat der Juden vom Tragen derselben ab. In Anlehnung an Je suis Charlie schrieb ich damals auf Twitter:

Da stehe ich immer noch dahinter.

Jetzt kam der österreichische Bundespräsident auf eine ähnliche Idee:

„Wenn es so weitergeht … bei der tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, an dem wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen – alle – aus Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“

Und prompt entwickelte sich ein Sturm der Scheiße (um diesen Anglizismus mal zu vermeiden) und lud sich auf ihm ab. Ich habe es nicht ganz verstanden. Vorgeworfen wird ihm, dass er damit die Frauen, die es unter Zwang tragen, nicht berücksichtige. Konkret:

Dieser Kulturrelativismus, dieser pure Sexismus, den Ihre Aussagen bedeuten, ist für uns unerträglich.

Ich kann es nicht nachvollziehen. Der Bundespräsident stellte sich ersichtlich auf die Seite derer, die aus freier und religiöser Überzeugung eine bestimmte Kleidung tragen. So wie auch Ordensfrauen die Ordenstracht freiwillig tragen. Wer sich an die Seite derer stellt, steht doch nicht in einer Reihe mit Radikalen, die eine bestimmte Bekleidung zur Pflicht erheben. Da wird etwas unterstellt, was nicht da ist.

Er gab gleich noch einen zweiten Satz, der die Gemüter erhitzte:

„Es ist das Recht der Frau – tragen Männer auch Kopftücher? Es ist das Recht der Frau wie auch immer sie möchte…“

Das Recht, nicht die Pflicht, sich zu kleiden wie man möchte. Das gehört zur Freiheit. Ich habe bei diesen Angriffen eine ganz andere Vermutung. Die kam mir schon bei der sogenannten Herdprämie immer wieder auf. Es scheint für einige nicht vorstellbar, dass Menschen aus freiem Willen ein Lebensmodell wählen, was von eigenem abweicht und bei dem man unter Umständen bereit ist, die eigene Freiheit einzuschränken. Gerade das diese Möglichkeit besteht, bedeutet Freiheit. Man muss das nicht teilen, aber akzeptieren, besser noch respektieren. Und sich für diese Freiheit stark machen, verdient Lob, nicht Tabel. Stark machen gegen diejenigen, die Angst haben vor dem anderen, vor dem vielleicht fremden, dass sollten wir unterstützen und nicht ablehnen.

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April 28

Fortsetzung von Orwell

Nun lebt George Orwell ja leider nicht mehr und sein Werk kann dadurch nicht mehr fortgeführt werden. Könnte man meinen. China hat sich dankenswerterweise dieser Rolle angenommen und als „Big Brother“ ein neues Kapitel aufgeschlagen. So sind jetzt muslimische Vornamen verboten worden. Neusprech 3.0. Das soll Terror und religiösen Fanatismus verhindern. Schleier und lange Bärte sind da schon länger verboten. Um Sachen aus Amerika zu übernehmen, braucht es ja gefühlt immer so circa zehn Jahre. Mal schauen, wann eine solche Forderung hier aufkommt und wer sich zuerst entblödet.

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April 27

Unvereinbarkeit

Die KNA hatte zum AfD-Parteitag folgendes gemeldet:

Ähnlich äußerte sich Bundesvorstandsmitglied Armin Paul Hampel. Er begründete dabei seinen Ruf nach Abschaffung der Kirchensteuer auch mit mangelnder Rechtstreue der Kirchen, was sich beispielsweise an der Gewährung von Kirchenasyl zeige. Unter dem Beifall der Delegierten rief er zum Kirchenaustritt auf: „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein.“

Das ich mit der AfD mal einer Meinung sein sollte. Ja, wer bei der AfD Mitglied ist, hat bei den Kirchen nichts zu suchen. Ein menschenverachtendes Weltbild ist inkompatibel zum christlichen Glauben.

Ach und was die mangelnde Rechtstreue angeht – ja, die Kirchen entnehmen ihre Programmatik der Heiligen Schrift, nicht dem AfD-Parteipgrogramm. Führerhörigkeit ist halt nicht unser Ding.

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April 26

Muslimischer Dolchstoß

Erst mutmaßte ich ja über BSE bei der Union, da dort vereinzelt ein Moschenregister im Rahmen eines Islamgesetzes gefordert wurde. Jetzt musste ich an die Dolchstoßlegende denken, als ein Islam- und Politikwissenschaftler genau das forderten. Ihre Zielrichtung ist Eindämmung eines konservativen Islams. Aber die Dolchstoßlegende war schon eine unsägliche Verschwörungstheorie.. Ich las dann den Artikel ein zweites mal und bin über einem Satz hängen geblieben:

„Das grundsätzliche Problem ist, dass man in Deutschland versucht, das christliche Modell für den Islam zu übernehmen.“ Das entspreche nicht seinem Selbstverständnis: „Das ist eine individuelle Religion.“

Da ist was dran. Unsere Modelle mögen da nicht so passen. Aber der Protestantismus hat auch kein Lehramt und insoweit würde ich diesen Begriff dort auch anwenden wollen. Egal wie, der Einwand ist durchaus ernst zu nehmen. Aber in der Abwägung, dass der Staat am Ende der Strecke über einen „guten“ und einen „schlechten“ Islam entscheidet schmeckt mir so gar nicht. So sehr ich das ansinnen dieser Wissenschaftler verstehe und deren Einwand weiter überdenken möchte, aber das verschlimmbessert nur. Wenn Religionsfreiheit für die Einen gilt, gilt es auch für die Anderen. Soll jetzt eine Behörde festlegen, ob die Piusbrüder noch tragfähig sind? Hoffentlich wird das nie der Fall sein.

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April 25

Freiheit die ich meine

Wo sich Männer finden,
Die für Ehr und Recht
Muthig sich verbinden,
Weilt ein frei Geschlecht.

aus Freiheit die ich meine von Max von Schenkendorf.

Im Spiegel fragt ein Autor, warum sich der Bundespräsident nicht zu den Demonstrationen geäußert habe. Nein, nein, nicht wie Kardinal Woelki. Sondern dass es dort Pöbeleien gab und eine Menge Polizei notwendig war, um die Veranstaltung abzuhalten. Die hat da scheinbar ihren Job gemacht. Das war ja nicht Aufgabe des Bundespräsidenten.

Richtig ist, dass diese Veranstaltung geschützt gehört und wurdee. Richtig ist, dass es nicht darauf ankommen darf, ob es die Veranstaltung einem gefällt oder nicht. Freiheit ist die Freiheit des anderen.

Und ja, es gibt keine gute Gewalt. Wenn Dir jemand in die Fressen haut, tut das weh. Ob die Faust einem Linken, Nazi oder Marsmenschen gehört. Und von der Versammlungsfreiheit ist das auch nicht geschützt, wer sich mal die Mühe macht, den entsprechenden Artikel im Grundgesetz zu lesen.

Aber was hätte der Bundespräsident denn bitte sagen sollen? Demonstriert nicht? Demonstriert friedlich? Streichelt sie? Warum müssen einzelne Vollpfosten einen schlechten Ruf auf solche Demos bringen, wo sich viele klar positionieren? Oder gar – super, dass Ihr demonstriert?

Ist der Bundespräsident jetzt zum Schweigen verdammt? Nein. Hier hätte ich mir beispielsweise gewünscht, dass der Bundespräsident klar stellt, dass es keine geringe Schuld ist, wenn der Mob Selbstjustiz begeht. Das Gerichte Beweise erheben und nicht fingieren sollten. Das erschüttert Grundfeste. Die Grundfeste der Meinungsfreiheit wurden geschützt. Diese hier nicht. Deutsche AfD hier, Flüchtling dort. Mal wieder Orwell – manche sind gleicher. Grüße an das ehemalige Nachrichtenmagazin.

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April 24

Die außerordentliche Form des römischen Ritus

Ich war gestern erstmals bei einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, also die sogenannte tridentinische oder „alte“ Messe. Ja, genau, die in Latein und bei der der Priester überwiegend in der gleichen Richtung wie die Gemeinde steht. Ich war dafür in St. Afra vom Institut Philipp Neri in Berlin.

Kurzum – ich kann jetzt gut verstehen, warum einige sagen, dass wir mit der Liturgiereform mit dem II. Vatikanum etwas verloren haben. Das haben wir. Gleichzeitig haben wir aber auch etwas gewonnen, dass ich nicht wieder hergeben möchte. Meine Empfehlung: Wer noch nicht in einer Messe im außerordentlichen Ritus war, sollte diese unbedingt mal besuchen und sich mit ihrer Liturgie beschäftigen. Und wer noch nicht in einer Messe im ordentlichen Ritus war, sollte diese unbedingt mal besuchen und sich mit ihrer Liturgie beschäftigen… kurzum, ich bin froh, dass wir beide haben und hoffentlich beide erhalten.

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April 23

Was machst Du gegen diese Zukunft?

Ich schaue gerade den Film A World Beyond (gibt es auf Netflix). Netter Film, kann man schauen, mit Kindern sollte man ihn schauen. Da gibt es eine Szene, die mich faszinierte. Ein Lehrer stellt bekannte Dysoptien vor (1984, Fahrenheit 451, Schöne Neue Welt etc. – naja, inzwischen wohl teilweise eher Reportagen). „Früher reine Fiktionen, aber das Weltgeschehen holt diese ein.“ Eine Schülerin meldet sich und sagt„kriegen wir es wieder hin?“ „Was?“, fragt der Lehrer verständnislos. „Verstanden. Es wird alles ziehmlich beschissen. Aber was unternehmen wir dagegen?“ Der Lehrer ist sprachlos, ihn rettet das Klingelzeichen.

Das ist wirklich die spannende Frage. Was tun wir als Gesellschaft und vor allem wir als Einzelperson dafür, damit die Zukunft besser als die Gegenwart wird?

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April 22

Erstkommunion – neue Wege gehen

Der emeritierte Thüringer Professor für Religionspädagogik Albert Biesinger wirbt dafür, die Familien in die Erstkommunionsvorbereitung klar mit einzubeziehen. Gleichsam warnt er dafür, mit selbstgestrickten Materialien von vorgestern zu arbeiten.

IMHO hat Biesinger genau den Punkt getroffen. Wir müssen die Familien mehr in Boot holen. In der Erstkommunionsvorbereitung sieht man die Kinder ein bis zwei Stunden die Woche. Da kann man etwas anreisen, aber das Ruder nicht herumreißen. Im elterlichen Haushalt kann das tägliche Gebet stattfinden und der Besuch der Messe zur Gewohnheit werden lassen, auch wenn die Erstkommunion durch ist. Das kann nicht Aufgabe der Kinder sein, dafür sind sie zu jung. Wir müssen den Sakramentenunterricht aufgrund der veränderten Umwelt verändern. Da spricht mir Biesinger aus dem Herzen. Bis jetzt erklärte ich mir aber mit der veränderten „Umwelt“ das die traditierten Konzepte nicht in ein säkularisiertes Berlin passen. Insoweit bin ich ein wenig überrascht bis erschrocken, dass diese Ideen aus Thüringen kommen.

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April 21

Unverständliches Kloster

Auch in einem säkularisierten Kloster in Bayern würde ich erwarten, dass Ausstellungen nicht erklärten Gegnern der Kirche zur Verfügung gestellt werden. Es gibt ja nun wahrlich genug rein weltliche Ausstellungsräume, in denen ein Künstler wie Janosch präsentiert werden kann. Sprich – ich bin nicht gegen seine Ausstellung, aber bitte nicht an einem solchen Ort.

Wer um alles in der Welt hat die Ausstellung Janosch radiert in das Kloster Seeon, eine ehemalige Benediktinerabtei geholt? Janosch – ja genau, Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Ich muss das Fenster öffnen. Es riecht auf einmal so nach Schwefel..

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