April 10

Evangelikale und Humanisten

Ich lese ja immer wieder gerne Medien derer, deren Einstellung ich nicht oder nur sehr bedingt teile. Aus meiner Sicht verbreitert das immer wieder die Sicht und man stößt auf Sachen, die im eigenen Kreis nicht oder zumindest nicht so auftauchen. Ob man dem dann folgt, steht ja auf einem ganz anderen Blatt. Aber zumindest kann man sich so damit auseinander setzen.

So blätterte ich mal wieder durch den Humanistischen Pressedienst. Und dieser stellte ein interessantes Werk über die Entwicklung der Evangelikalen vor. Klar, da stehen Hund und Katz‘ bei einander. Was ich mal wieder interessant fand: Sind politische Interessen religiös motiviert, kommt gleich der Aufschrei nach fehlender Trennung zwischen Staat und Kirche. Hat der Eintritt für beispielsweise den Lebensschutz etwas mit Säkularisierung zu tun, weil es jemand aus christlicher Motivation heraus sagt? Aber die Freigabe der Abtreibung, PID & Co. sind legitim, weil sie „nur“ einer vermeintlich humanistischen Ideologie folgen?

Das Buch helfe zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Trennung von Staat und Religion von den Konservativen nahezu aufgegeben wurde.

heißt es da in dem Artikel. Die Trennung von Staat und Kirche ist nicht so feststehend, wie der Blick in verschiedene Länder zeigt. Geht es nicht vorrangig darum, dass niemand an einem öffentlichen Amt einschließlich des Berufsbeamtentums gehindert wird, weil er eine bestimmte Religion hat oder nicht hat? Muss nicht jeder Religionsgemeinschaft als Vereinigung von Menschen die gleichen Rechte zugestanden werden, wie einer Interessenvertretung von Autofahrern (ADAC) oder Hasenzüchtern? Darf der Atheist, der aufgrund ethischer Bedenken gegen die aktive Sterbehilfe ist, die Stimme erheben, der religiös motivierte nicht?

Ich glaube ja, hier geht es eigentlich nicht um die Trennung von Staat und Kirche. Die sehe ich hier nicht in Gefahr. Da sind Leute an die Macht gekommen, deren Positionen man nicht teilen mag. Hier geht es doch vielmehr ideologisches Bekämpfen der Religionen – und politischer Positionen. Auf die Säkularisierung zu verweisen ist da aber schön bequem, weil man sich damit inhaltlich mit den Argumenten der Gegenseite nicht mehr auseinander setzen muss.



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Veröffentlicht10. April 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt