April 17

Türkeibeitritt

Kaum hat die Türkei gewählt – inwieweit von Wahl gesprochen werden kann sei dahingestellt – kommt die Frage nach einem Ende der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hoch. Für mich klingt die Frage schon länger verlogen – glaubt da noch ernsthaft jemand? Wäre es nicht schon vor 20 Jahren ehrlich gewesen, zu sagen, dass das nichts wird? Ich würde mir an der Stelle der Türkei auch verarscht vorkommen, wenn ich sehe, welche Staaten da an mir vorbei gezogen sind. Ich glaube, dass das unser Anteil an der jetzigen Entwicklung in der Türkei ist (natürlich gibt es da noch eine Reihe anderer Komponenten).

Unabhängig dessen war ich in der Vergangenheit ein Gegner eines möglichen Türkeibeitritts. Die Islam-Argumente gehen mir dabei deutlich gegen den Strich. Ich habe ein anderes Problem – das Land ist zu groß. Wir hatten eine Machtbalance zwischen Frankreich, Deutschland und Groß Britannien. Wie empfindlich diese ist beziehungsweise war, haben wir bereits vor dem Brexit sehen können. Käme jetzt ein Land rein, dass von der Bevölkerungszahl her Deutschland gleich käme, stellte es berechtigterweise entsprechende Machtansprüche. Dafür ist die EU meines Erachtens schlichtweg nicht bereit. Und ich sehe aktuell nicht, dass sie das in naher Zukunft wird. Und so lange steht für mich die Türkei nicht zur Debatte, Verfassungsänderung hin oder her.



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Veröffentlicht17. April 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt