Mai 15

Marienandacht

Ich habe am Freitag meine erste Marienandacht gehalten. Vielen Dank an der Stelle an Markus Brandt für die vorherige Hilfe und seine Vorlage. Vielleicht habe ich bis heute meine Schwierigkeiten mit der Marienverehrung, da ich zur Hälfte protestantisch aufwuchs. Gerade überbordende Marienfrömmigkeit vermittelt mir aber bis heute immer wieder das Gefühl, dass es den Blick vom Herrn weg auf Maria richtet. Das ist so wie dieser Witz, wo ein Maler im Gerüst unter einer Kirchendecke hängt und sieht, wie eine Frau zum Beten niederkniet. Zum Spaß flüstert er: „Hier spricht Jesus.“ Die Frau reagiert nicht. Er spricht lautet: „Hier spricht Jesus.“ Da die Frau immer noch nicht reagiert sagt er unüberhörbar: „Hier spricht Jesus.“ Darauf erwidert die Frau: „Ruhe, ich spreche gerade mit Deiner Mutter.“

Nun könnte ich aber eine solche Andacht nicht halten, stünde ich nicht dahinter. Also ging ich in mich. Der Rosenkranz kam mir näher, als ich lernte, dass das Zentrum dieses Gebets der Herr ist.. „der Herr ist mit Dir“ „die Frucht Deines Leibes Jesu“ und die entsprechenden Geheimnisse. Und der Rest? Ja, sie ist ein Vorbild. Sie hat den Ruf gehört und gesagt – klar, mache ich. Wird unverheiratet nicht einfach und keine Ahnung wie das genau laufen soll, aber wenn der Herr ruft, folge ich. Dieses Nachfolgen, dieses Vertrauen, das setzt Maßstäbe. Wenn Jesus in der Bergpredigt quasi unmögliches fordert, kann man ja sagen – nun gut, der Sohn Gottes, der hat gut reden (klar ist und bleibt das der Maßstab). Maria war aber „nur“ Mensch. Ein Mensch, der den Weg ging. Da kann man sich mal eine Scheibe abschneiden. Und auch gerne mal eine Andacht für halten.

Update: Ursprünglich stand oben im Text „Marienanbetung“ statt „Marienverehrung“. P. Jacek machte mich dankenswerterweise auf diesen Fehler aufmerksam. Hinter dem Freudschen Versprecher steckt aber genau mein Problem – es kommt einem manchmal wie eine Anbetung statt wie eine Verehrung vor. Angebetet wird aber nur der Herr – gerne in Form der eucharistischen Anbetung.



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Veröffentlicht15. Mai 2017 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis