Juni 8

Urteile dem Wahnsinn nahe

Was haben wir schon über die amerikanische Justiz gelacht – Schadensersatz wegen heißem Kaffee, unzustellbare Klage an Gott, Schadensersatzklage gegen Tote… Die Kaffee-Klage bekam ich mal in einer (deutschen) Zivilrechtsvorlesung erklärt; danach war durchaus nachvollziehbar. Gleichwie taugt es erstmal als Kalauer. Andererseits stellen sich manche witzigen Geschichten als urbane Legende heraus, so wie die Katze in der Mikrowelle. Aber warum sollte man soweit in die Ferne schweifen – das können wir auch:

Da nimmt jemand an einem Hindernislauf teil. Der Veranstalter warnt sogar noch – Hindernislauf heißt Hindernisse, also laufen Sie bitte vorsichtig. Es kommt, wie es kommen muss: Ein Teilnehmer packt sich auf die Schnauze und bricht sich das Bein. Mein Gedanke – da hat sich wohl das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht. Mimimi machen wenn man im Boxring steht heißt ja auch nicht verstanden zu haben, was jetzt passiert. Hier aber: Juhu – Klage auf Schadensersatz. So was kann man sich gar nicht ausdenken. Zivilprozess heißt öffentliche Verhandlung – dass das der Klägerseite nicht einfach mal zu peinlich ist. Nun ja. Im Gegensatz zu den Staaten sind bei uns aber nur die Klagen lustig, die Urteile fangen das (meist) wieder ein:

Auf solche Unebenheiten müsse sich ein Teilnehmer einer solchen Veranstaltung einstellen. Dies war scheinbar auch den weiteren rund 10.000 Teilnehmern möglich, die das Hindernis schadensfrei passierten, wie das Gericht feststellte. Die Veranstalterin hatte zudem mit Warnschildern auf eine „permanente Rutsch- und Ausrutschgefahr“ sowie das Verletzungsrisiko an Hindernissen hingewiesen und ein angepasstes Laufverhalten angeraten. Das Landgericht wies deshalb die Klage ab.



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Veröffentlicht8. Juni 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt