Juni 14

Entfremdung

Es gibt eine neue Studie über die Frage, warum Menschen aus der Kirche austreten. Geld scheint ein Stein des Anstoßes zu sein, aber nicht die eigentliche Motivation. Nun gut, wem etwas an „seiner“ Kirche liegt, ist bereit, dafür einen Beitrag zu leisten. Im Zweifel bereinigt man so die Karteileichen mit. Das Problem sehe ich also nach wie vor nicht in der Kirchensteuer an sich. Das Problem ist vielmehr mangelnder Glaube und Entfremdung von der Kirche. Dabei will ich einen Absatz zitieren:

KNA: In welchem Alter beginnt denn die Entfremdung?

Riegel: Die meisten werden ja als Kind durch eine Entscheidung der Eltern Kirchenmitglied und erleben dann Erstkommunion und Firmung in den katholischen oder die Konfirmation in den evangelischen Gemeinden. Danach, also noch in der Teenager-Zeit, kommt dann oft der Bruch. Dieser wird befördert, wenn Firm- oder Konfirmationskurs dilettantisch abliefen. Viele Jugendlichen erleben sich in einem Club, der in der Gesellschaft ziemlich mies und antimodern rüberkommt – mit dem möchte man dann auch nichts mehr zu tun haben.

Wenn das mal keine Mahnung ist. Wir können gar nicht genug Hirnschmalz, Kraft und Gebet in diesen Punkt stecken. Wir brauchen da vielmehr Erfahrungsaustausch und ein klares Bekenntnis, dass dies einer der zentralen Punkte ist, an denen wir Menschen halten oder verlieren.

Scheinbar ist die Intention vieler Austritte auch noch nicht wirklich angekommen:

Riegel: Einige Befragten meinten, dass sie mit ihrem Austritt endlich mal ein Zeichen des Protestes setzen und die Kirchenverantwortlichen dazu bewegen, mit ihnen über die Gründe zu reden. Hier könnte sich eine Chance für die Kirche auftun, mit Ausgetretenen ins Gespräch zu kommen.

Das kann man ja mal so wirken lassen.



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Veröffentlicht14. Juni 2017 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche", "Glaubenspraxis