Juli 6

Marktmacht nutzen

Vorbemerkung: Die Kirchen beschreiten mit dem sogenannten dritten Weg ja ein alternatives Modell zu gewerkschaftlich organisierten Arbeitskampfmaßnahmen wie Streik. Dass dieses Modell die Mitarbeiter nicht unbedingt schlechter stellt, zeigt sich daran, dass es sehr wohl Dienstgeber (Arbeitgeber) gibt, die aus Kostengründen den dritten Weg zu verlassen. Die Zugehörigkeit mit dem dritten Weg ist also durchaus mit der Frage vergleichbar, ob Tariflöhne gezahlt werden.

Das Tariflohn gezahlt wird, sollte zum guten Ton und Anstand gehören. Freie Unternehmen kann ich dazu natürlich nicht zwingen, bei vielen Orden ist das auch nicht möglich. Aber ich habe durchaus andere Möglichkeiten. Niemand hindert mich daran, bei größeren Aufträgen diese an die Zahlung von Tariflohn zu knüpfen. Das ist bei einem öffentlichen Auftraggeber schwierig, den Kirchen stünde das aber frei. Wenn ich dann gestern Abend höre, dass ein Verlag, der ganz erhebliche Aufträge von der Kirche erhält, keinen Tariflohn (gemeint AVR) zahlt, fällt mir nicht viel dazu ein. Wir reden hier über eine wohlfeile Nutzung der Marktmacht, wenn ich sage – Du willst Aufträge von uns? Dann behandel Deine Mitarbeiter anständig. Oder ich will Geld sparen, dann schreibe ich die Aufträge regelmäßig neu aus. Das passiert aber gerade nicht. Sondern die Aufträge gehen an ein „christliches“ (nicht kirchliches!) Unternehmen. Dann muss auch entsprechendes Verhalten des begünstigten Unternehmer erwartet werden.

Diesen Missstand sollte man deutlich gemacht werden. Diesen Missstand sollten die Bistümer abstellen. Und es ist leider kein Einzelfall – dazu ein anderes mal.

[Ich weiß, dass das im dritten Weg eigentlich nicht Tariflohn genannt wird, da es keine Tarifverträge gibt. Schreibe das hier aber des besseren Verständnisses so.]



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Veröffentlicht6. Juli 2017 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche