Juli 25

Schwarz-Weiß

Mir gehen ja zunehmend diese Schwarz-Weiß-Muster gehörig auf den Zeiger. Beispielsweise auf der einen Seite das Lager derjenigen, die nur die Polizei kritisieren und auf der anderen Seite diejenigen, die nur Hooligans angehen. Ein ähnliches Muster kann man aus meiner Sicht gerade bei der Debatte um die Regensburger Domspatzen beobachten. Plumpe Kommentare, warum eine Institution wie die Kirche noch existiere bis über Hetze auf der einen Seite und Verteidigungshaltung nach der alles dem Zeitgeist geschuldet sei bis hin zu der These, dass es keine institutionellen Probleme gebe, sondern nur bedauerliche Einzelfälle. Da traut sich jemand am Nimbus des Papst-Bruders zu kratzen und rudert schon angstvoll zurück. Ja, Georg Ratzinger hat Unrecht eingesehen. Aber er wird es aushalten und aushalten müssen, dass damit nicht sofort Ruhe im Karton ist. Schlichtweg – das wäre es einfach. So einfach haben es die Opfer dann auch nicht. BTW: Fürchterlich kommt bei mir der mehrfach gelesene Kommentar an, dass ja viele Opfer ihn gleichwohl lobend erwähnen. Daran merke man ja, was die Kinder an ihm gehabt haben. Haben diejenigen sich schon einmal gefragt, wie es sein kann, dass von ihren Eltern missbrauchte Kinder nur wollen, dass es aufhöre, nicht aber dass die Eltern bestraft werden? Klar, weil das so tolle Eltern sind..

Lesenswert finde ich da das Hirtenwort von Bischof Voderholzer: Klar die Schuld des Einzelnen und der Institution anerkennen und dieses zum Anlass zu nehmen zu untersuchen, wie es soweit kommen konnte. Damit sich dies nicht wiederholt, muss uns das eine Mahnung sein und bleiben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft ich noch höre – aber hier gebe so etwas doch nicht (auch außerhalb der Kirche). Als stünde es dem Täter auf die Stirn geschrieben. Wir müssen das Problembewusstsein hierfür schärfen und wach halten. Ein „jetzt ist aber mal gut“ kann es nicht geben, wenn man aus der Geschichte lernen will. Sonst wiederholt sie sich – was nicht nur die Frage eines vermeidbaren Missbrauchs betrifft.

Es ist durchaus möglich, die Kirche zu kritisieren und trotzdem auf ihrer Seite zu stehen. Abwehrreflexe sind Reflexe und sollten in überlegte Handlungen gewandelt werden. Und bei aller Kritik darf auch festgehalten werden – da wurde vieles aus einem langen Zeitraum relativ schnell aufgearbeitet. Da wurden gute Präventionsmaßnahmen entwickelt. Jetzt müssen wir nur schauen, dass hier aus einem „wir wollen unsere Ruhe haben“ die Fahrt verloren geht.

A propas schlechte Presse gegen die Kirche – unsere Kirche setzt hohe moralische Maßstäbe an, siehe Thema wiederverheiratete Geschiedene. Wer diese Maßstäbe dann selbst nicht hält, braucht sich über Häme nicht wundern. Damit will ich nicht sagen, dass diese immer gut und berechtigt ist. Aber jeder kann man in sich gehen, ob er nicht schon ähnlich reagierte. Um mal ein Beispiel außerhalb der Kirche zu nehmen – Günther Grass.



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Veröffentlicht25. Juli 2017 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche