August 2

Sammlung fortgesetzt

Wenn Du Handwerksmeister fragst, ob die Lehrlinge besser, gleichbleibend oder schlechter im Vergleich zu früher geworden sind, was für eine Antwort erwartest Du da? Und wenn Du die Frage stellst, ob das Wetter im Vergleich zu früher besser, gleichbleibend oder schlechter war, wie schaut es da aus? Es dürfte auf der Hand liegen, dass diese Fragen in Gestalt von Umfragen schlechthin nicht wirklich untersucht werden können. Wenn Du darlegen willst, dass die Handschrift von Schülern schlechter geworden ist, dann mach dazu einfach eine Umfrage unter Lehrern. Falls Du wirklich an einem Ergebnis interessiert bist, müsstest Du schauen, dass Du an alte Klassenhefte beziehungsweise Schriftproben herankommst. Dann musst Du schauen, dass Du das gleiche Alter, den gleichen Schuldtyp et cetera für eine entsprechende Vergleichbarkeit bekommst. Das ganze kann man dann gerne Lehrkräften im Blindtest vorlegen und schauen was bei rauskommt. Eine Umfrage, wie vom Lehrerverband einstmals vorgenommen, halte ich da doch für schlichtweg untauglich. Mag sein, dass bei einer vernünftigen Studie das gleiche rauskommt, aber wer weiß das schon.

Darauf gekommen bin ich jetzt über einen Artikel in der KNA, die sich auf das Werk „Wer nicht schreibt, bleibt dumm – Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen“ der Lehrerin  Maria-Anna Schulze Brüning und des Journalisten Stephan Clauss bezieht. Ich habe sie mir jetzt mal in einer Bibliothek vorbestellt, aber die Ankündigung lässt den Abgesang des Abendlandes vermuten. Eltern schwingen sich auf, selbiges zu retten, wie ein anderer Artikel zeigt. Danach werden in Finnland und den USA nur noch Druckschrift und Tastaturschreiben gelehrt. Zu einem solchen Traditionsbruch wollen es viele Eltern nicht kommen lassen. Das mal flächendeckend Schreibmaschine unterrichtet wird – sofort dafür. Ob der Verlust der Handschrift tatsächlich ein Verlust ist, lasse ich mal stehen. Ich weiß es nicht und bin für ernsthafte Quellen offen. KNA schreibt jedenfalls dazu:

Früher lernten Grundschüler eine schöne Handschrift mit viel Drill und Druck. Noch vor den ersten Leseübungen wurden Tafeln und Hefte seitenweise mit geschwungenen Buchstaben gefüllt. Heute lernen Kinder in Deutschland gleichzeitig lesen und schreiben – und zwar zuerst mit Druckbuchstaben. Erst dann üben sie Schreibschrift. Das führt dazu, dass die meisten bei der im Alltag gängigeren Druckschrift bleiben. Die Mehrheit der deutschen Schüler kann nicht flüssig schreiben.

Klar kann ich mit viel Drill Schüler zu einer sauberen Schrift führen. Die Frage scheint mir damit aber noch nicht beantwortet – wozu? Übertragen wir als diejenigen, die mit ihrem Lernen noch mit viel Schreiben aufgewachsen sind, da nicht unsere Erfahrung einfach ungeprüft weiter? An anderer Stelle hat sich ja schon gezeigt, dass das Thema eher von Ideologie als von Forschung getränkt ist. Wenn ich solche Umfragen als Grundlagen nehme, befürchte ich, da ist es auch nicht viel weiter her. Ich berichte nochmal, nachdem ich das Buch in der Hand hatte. Sehr schade – das Thema verdient mehr.



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Veröffentlicht2. August 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt