August 16

Beichtgeheimnis über Bord werfen?

In Australien gibt es derzeit eine rege Diskussion darüber, ob das Beichtgeheimnis gelockert werden soll. Dort ist das Thema Missbrauch gerade ganz oben auf der politischen Agenda. Hintergrund ist ein Missbrauchsbericht aus dem hervorgeht, dass die Täter ihren Missbrauch gebeichtet haben und dann wieder auf Kinder losgingen. Das Beichtgeheimnis schützt den das Sakrament empfangenen Priester davor, angezeigt zu werden und verbietet es dem das Sakrament spendenden Priester, anzuzeigen. can 983 § 1 des cic sagt dazu:

Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich, dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten.

Wer dagegen verstößt, wird exkommuniziert. Für einen Priester heißt das ganz praktisch – zu Lebzeiten arbeitslos werden und in der Ewigkeit im Fegefeuer schmoren. Auch bei uns ist das Beichtgeheimnis staatlich geschützt. Religion hin oder her – wie bei jedem Seelsorger wird die Arbeit schwer bis unmöglich, wenn der Patient fürchten muss, dass ein Berichten über seine Probleme gleich im Vernehmungszimmer fortgesetzt wird.

Es sollte daher nicht überraschen, dass die Bischöfe in Australien wenig begeistert sind von einem solchen Vorstoß. Verpflichtet man die Priester zur Anzeige, befinden sie sich in einem schweren Konflikt: Ignorieren sie dies, machen sie sich strafbar, folgen sie dem, fliegen aus der Kirche. Hat man die vermeidbaren Opfer vor Augen wird jedoch die Position derer, die an das Beichtgeheimnis ran wollen, ebenfalls Verständnis.

Mein Idee – erst mal bleibt alles beim alten. Beichtgeheimnis bleibt Beichtgeheimnis. Aber die Bischofskonferenz beschließt, dass für eine wahrhafte Reue (Voraussetzung zur Lossprechung der Sünde) der Täter sich selbst anzeigen muss. Liegt eine solche Anzeige nicht vor, gibt es keine Lossprechung. Im Zweifel ist es erst mal ein seelsorgerisches Gespräch, in dem dem Täter Mut gemacht wird, mit der Vergangenheit zu brechen und sich einer straffreien Zukunft zu stellen. Dazu gehört eine therapeutische Begleitung ebenso wie die Entschädigung von Opfern und die Verantwortung vor einem Strafgericht tragen. Wer diesen Weg geht, der hat ernsthaft bereut und diesem – aber nur diesem – sind die Sünden zu vergeben. Vielleicht übersehe ich da ja was, aber das wäre ein Weg, den ich mir auch hierzulande gut vorstellen könnte. Er würde uns auch ein gutes Stück Glaubwürdigkeit zurückbringen.



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Veröffentlicht16. August 2017 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche