August 28

Strafmaß

Das passende Strafmaß zu finden, ist gar nicht so einfach. Um das zu demonstrieren, hier mal zwei Taten.

Nummer 1:

Das Landgericht Kassel sah es am Montag als erwiesen an, dass der 41-Jährige gemeinsam mit Mitgliedern seiner inzwischen verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Sturm 18“ einen Mann eine Woche lang gegen seinen Willen festgehalten hatte. Tödter, der sich selbst gern „Präsident“ der Gruppierung nennt und von seinen Kameraden bedingungslosen Gehorsam verlangt, habe den Mann im April vergangenen Jahres von seinen Mitstreitern schlagen und misshandeln lassen, damit dieser Mitglied bei Sturm 18 bleibe, so die Richter.

Nummer 2:

Ein Berliner Polizist belastete den Mann in der Verhandlung schwer. Er sei am Abend nach der „Welcome to Hell“-Demonstration im Schanzenviertel von zwei Flaschen getroffen worden, sagte er. Dabei habe er kurze Zeit Schmerz gefühlt. Trotzdem sei er losgelaufen – und habe den mutmaßlichen Werfer festgenommen, sagte der Bereitschaftspolizist. […] Seiner Festnahme hatte er sich widersetzt, indem er sich wie ein Embryo zusammenrollte und seine Muskeln anspannte.

Zu dem unteren Fall habe ich leider nicht entnehmen können, wie es mit den Vorstrafen ausschaute. Der obere jedenfalls saß gerade ein und hatte eine ganze Latte vorzuweisen. Die Taten wären also um so besser vergleichbar gewesen, wenn er einschlägig vorbestraft gewesen sei. Welches Unrecht wiegt wohl schwerer?

Nun, für den obigen Fall gab es zweieinhalb Jahre, für den unteren Fall zwei Jahre und sieben Monate. Vielleicht muss man den Verteidigern von linken Straftätern mal empfehlen zu behaupten, ihre Mandanten hätten dabei rechte Parolen gerufen, um besser wegzukommen.



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Veröffentlicht28. August 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt