September 9

familienfreundliches Streichen des Kinderzuschlag

Im öffentlichen Dienst werden die Angestellten nach dem sogenannten Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt. Früher wurde das über den Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT) geregelt. Ein Unterschied zwischen beiden Tarifverträgen ist der Fortfall des Kinderzuschlages. Wer Kinder hat, bekam nach dem alten Tarifvertrag neben dem Kindergeld nochmal vom Arbeitgeber einen Bonus pro Kind oben drauf. Klingt Familienfreundlich. Umso unverständlicher war mir, dass dieser fortfiel.

Das ist eine Perspektivfrage, wie ich lernen musste. Diese Erkenntnis wollte ich teilen.

In den unteren Lohngruppen – beispielsweise Reinigungs- oder Pflegekräftekräfte – war beziehungsweise ist das relativ viel Geld. Wir reden von circa 90 Euro pro Kind. Handelt es sich um ein Unternehmen, dass im Wettbewerb steht, wird damit ein Mitarbeiter teurer, um so mehr Kinder er hat. Das kann sich zum Einstellungshindernis entwickeln. Stehen im Bewerbungsprozess ein kinderloser Mitarbeiter einer Alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern gegenüber – reden wir da schon über 270 EUR Arbeitnehmer-Brutto. Das ist bei einem Gehalt von 2 TEUR schon mehr als zehn Prozent Differenz. Da braucht es nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, für wen sich der Arbeitgeber wahrscheinlich entscheiden wird.

So hatte ich das bis jetzt noch nicht gesehen. Da macht die Abschaffung tatsächlich Sinn. Da ist trotzdem etwas krank dran.



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht9. September 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt