September 30

Modernisierungsschub

In der Caritas NRW aktuell las ich einen Artikel über den Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP in  NRW. Die Politik hat doch jetzt im Jahre 2017 des Herrn entdeckt, dass Digitalisierung tatsächlich ein beachtenswerter Faktor ist. Und die Caritas mahnt in dem Artikel zu Recht an, dass neben den Chancen auch ein Blick auf die Risiken wie Datenschutz und IT-Sicherheit gelegt werden müsse und die Menschen in der Arbeits- und Lebenswelt mitgenommen werden müssen. Nun wissen wir ja dank des Bundestagswahlkampfes, dass wir dort nicht so viel Nachdenken sollen und Bedenken anheim stellen müssen.

Jedenfalls lese ich so munter in dem Koalitionsvertrag und bleibe an zwei anderen Stellen hängen:

Eine humane und solidarische Gesellschaft muss alles dafür tun, um schwanger gewordenen
Frauen umfassende Hilfestellung und Beratung anzubieten. Vor diesem Hintergrund
leisten die über 200 Schwangerschaftsberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen eine unverzichtbare
Arbeit. Wir werden sie weiter unterstützen.

Alles es gut und es wird so weitergehen wie bisher. Nun, im Gegensatz zum bundesweiten Trend sind die Zahl der Abtreibungen in NRW gestiegen. In der Jugend kam jetzt die Frage von einer Jugendlichen auf, was bei der Union christlich sei. Gute Frage. Aber bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen.

Dann las ich da noch:

Das Gymnasium darf nicht weiter benachteiligt werden. Wir werden den Bildungsauftrag
der Gymnasien stärken. Das Ziel ist die vollumfängliche Studierfähigkeit der Abiturientinnen
und Abiturienten. Hierzu werden wir die MINT-Fächer stärken und den Ausbau der
Kooperationen mit den Hochschulen des Landes und denen des benachbarten Auslands
vorantreiben.

MINT-Förderung ist wichtig. Da bin ich nerdig genug, um dabei zu sein. Aber dieser über NRW hinausreichende Trend macht mir zunehmend Sorgen, denn es drängt die Geisteswissenschaften zurück. Wir beschweren uns über Geschichtsvergessenheit und Erfolg der AfD und legen den Fokus nur auf MINT-Fächer? Wer will, dass junge Menschen Verständnis für andere Menschen haben, muss Wissen über deren Kulturen und warum sie anders sind, vermitteln und Sprachbildung fördern. Vielleicht auch mal mit beispielsweise Arabisch als Wahlmöglichkeit für die Zweisprache an einem Teil der Schulen.



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Veröffentlicht30. September 2017 von bengoshi in Kategorie "Politik