November 6

bedingungsloses Grundeinkommen

Mich hat ja das bedingungslose Grundeinkommen noch nie wirklich überzeugt. Ich will das nicht komplett aufrollen, sondern einen Aspekt mal rausgreifen und dort eine Alternative andenken.

Zwei Dinge vorab: Erstens – Menschen, die derzeit keine Arbeit haben, leiden doch neben zu wenig Geld an zwei Aspekten. Zum Einen am Ärger mit Behörden; okay, das würde das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) lösen. Zum Anderen leiden sie an mangelnder Anerkennung. Das kann das BGE nicht lösen. Das Gefühl, nichts wert zu sein und nicht gebraucht zu werden, bleibt. Zweitens – die Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz halte ich für hoch spannend und genau so kritisch. Das wird noch so richtig Jobs kosten. Ob die durch andere Dinge nachwachsen, wird die Zukunft zeigen. Für klar halte ich dabei, dass wir bereits jetzt einen Mangel an Beschäftigungsverhältnissen haben, die geistig nicht zum oberen Bereich zählen. Mögen sie noch so tolle Menschen sein. Und in diesen Bereichen wird die Entwicklung noch weitere harte Einschnitte mit sich bringen.

Meine Vorschlag: Die Arbeit muss besser verteilt werden. Lass uns doch mal ins Arbeitszeitgesetz reinschreiben, dass ohne jede Ausnahme eine Beschäftigung von 30 Wochenstunden unzulässig ist und in zehn Jahren von 20 Wochenstunden. Gleichzeit bei der Frage der Scheinselbständigkeit deutlich härter durchgreifen. Ich behaupte – die Lohnstrukturen würde sich nicht wesentlich verändern. Das gleiche Aufkommen an volkswirtschaftlicher Arbeitszeit wird aber auf mehr Menschen verteilt. Das bringt weniger Burnout (gut für die Krankenkassen und die Volkswirtschaft), gut für das Sozialsystem (weniger Arbeitslose), mehr Zeit für Familie (gut für die Kinder und damit für die nächste Generation). Denkt mal darüber nach. Ich bin überzeugt davon , dass  das realistischer umsetzbar ist, als das BGE (kein Kostenrisiko für den Staat) und das Problem der Anerkennung durch ein Arbeitsverhältnis viel wirksamer angeht. Wenn Maschinen immer mehr Arbeit übernehmen und alle was davon haben sollen, dann nur, indem wir die Arbeit besser verteilen. Ginge mit einer schlichten Änderung des bestehenden Gesetzes. Und die Ausnahmen dort rauszunehmen, wäre auch auf vielen Ebenen ein Segen. Oder willst Du Dich von einem Arzt operieren lassen, der schon zehn Stunden Schicht hinter sich hat? Gibt zu wenig Ärzte für so ein Modell, um es an diesem Fall mal festzumachen? Studiengang verbreitern und vielleicht ergreifen mit solchen Arbeitszeiten dann auch mehr, die Medizin studierten, auch den Beruf. Vor allem würde dann die Motivation sinken, ins Ausland abzuwandern. Selbst bei hochqualifizierten Berufen brächte das Modell also sogar eine Menge.

Ein letztes: Von den Befürwortern des BGE höre ich immer wieder, dass das für ehrenamtliches Engagement mehr Raum schaffte. Das glaube ich nicht. Ich kenne viele, die sich nirgends engagieren und es durchaus könnten. Viele konsumieren, wenige machen. Ich sehe eher die Gefahr, dass bei einem BGE ein paar wenige durch dieses sich komplett dem verschreiben, was jetzt in die Kategorie ehrenamtliches Engagement fällt und die Schar der Konsumenten sich vergrößert. Aber – eine Arbeitszeitreduzierung würde in einem gesunden Maße die Möglichkeit schaffen, das Ehrenamt zu verbreitern, ohne sich gleich komplett dafür aufzugeben. Ich glaube, es gerade die Mischung macht es in diesem Bereich. Die bliebe erhalten.

Update: Zur Reduzierung der Arbeitszeit.

Update2: Artikel aus der Süddeutschen.

Update3: Im Sinne von täglich Geglaubt ein Kommentar von Card. Marx zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Süddeutschen. Er spricht da vom „Ende der Demokratie“. Soweit würde ich dann doch nicht gehen..



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht6. November 2017 von bengoshi in Kategorie "Politik